Autobauer Störung in Tesla-Werk: Wachsende Kritik an Behörden

Aus der Lackiererei des neuen Tesla-Autowerks in Grünheide bei Berlin soll Flüssigkeit ausgetreten sein. Quelle: dpa

Nach dem Austritt von Flüssigkeit aus der Lackiererei der neuen Tesla-Fabrik in Grünheide fordert der Wasserverband mehr Transparenz. Das zuständige Landesamt beschwichtigt.

  • Teilen per:
  • Teilen per:

Nach dem Austritt von Flüssigkeit aus der Lackiererei des neuen Tesla-Autowerks in Grünheide bei Berlin wächst die Kritik an den Umweltbehörden. Der Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE), der auch Tesla beliefert, forderte am Donnerstag mehr Transparenz. Der Verband sei nur auf Nachfrage von der Wasserbehörde des Landkreises Oder-Spree informiert worden, sagte Sprecherin Sandra Ponesky. „Da sehen wir schwarz für den Schutz der Trinkwasserversorgung in Zukunft.“

Während die WSE unter Berufung auf ein ihr vorliegendes Foto der Ansicht ist, dass auch Flüssigkeit in die Kanalisation gelangt sei, verneint das Brandenburger Landesamt für Umwelt dies. Die „Märkische Oderzeitung“ hatte zuvor darüber berichtet.

Die Linke im Brandenburger Landtag fordert Aufklärung. Umweltminister Axel Vogel (Grüne) solle im nächsten Umweltausschuss über den Vorfall berichten, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer Thomas Domres. Er kritisierte die Informationspolitik: „Die Meldekette muss so gestaltet werden, dass alle Akteure informiert werden.“

Teslas Tempo beim Werksbau in Grünheide hat Politiker, Lobbyverbände und Gewerkschafter gleichermaßen verblüfft. Noch schneller ist die Gigafactory in Texas entstanden, wie exklusive Satellitenbilder zeigen.
von Jannik Deters, Julian Heißler

Behörde spricht von einer Betriebsstörung

Am 11. April waren nach Angaben des Landesumweltamtes in der Tesla-Fabrik 15 Kubikmeter (15.000 Liter) Behandlungsbad aus der Elektrotauchlackierung ausgetreten. Die Behörde spricht von einer Betriebsstörung, der verwendete Lack habe keine gefahrstoffrechtliche Einstufung.

Ein Entsorgungsunternehmen pumpte laut Umweltamt die in einer Wanne aufgefangene Flüssigkeit ab. Bei der Verladung liefen demnach am 12. April zwei bis drei Liter Flüssigkeit auf die Zufahrt der Lackiererei. Es (...) „bestand zu keinem Zeitpunkt die Gefahr eines Eintrages in das Grundwasser oder die Kanalisation“. Grünheides parteiloser Bürgermeister Arne Christiani wies auf Anfrage der WirtschaftsWoche darauf hin, dass weder die Feuerwehr noch der Katastrophenschutz ausgerückt seien.

Anders als Christiani sieht der Wasserverband in dem Vorgang einen Störfall. Tesla äußerte sich bisher nicht dazu. Laut Bundesimmissionsschutzgesetz handelt es sich um einen Störfall, wenn ein Ereignis innerhalb oder außerhalb des Betriebsbereichs zu einer ernsten Gefahr oder zu bestimmten Sachschäden führt.

Die Grüne Liga Brandenburg und die Bürgerinitiative Grünheide verweisen zudem auf ein Drohnenvideo vom 10. April, das einen Flüssigkeitsfleck auf dem Tesla-Gelände zeigt. Das Landesumweltamt sieht aber keinen Zusammenhang mit dem Vorfall aus der Lackiererei: Der Flüssigkeitsfleck im Video werde von Tesla auf einen täglich mit Frischwasser durchgeführten Funktionstest einer Löschwasserpumpe zurückgeführt.

KfW-Förderung 2,1 Prozent Zins: Das müssen Sie über die neue Eigenheimförderung wissen

Das Bauministerium öffnet die Geldschleusen: Hauskäufer können über die KfW die Neubauförderung beantragen. Wie die Konditionen aussehen, wie Sie am meisten herausschlagen können und ob sich die Förderung wirklich lohnt.

Tech-Aktien Diese KI-Profiteure sind Schnäppchen am Aktienmarkt

Die Kursexplosion bei den Halbleiterspezialisten Nvidia und Arm sind nur die halbe Wahrheit: Viele Profiteure mit KI-Potenzial werden noch übersehen. Sie sind gerade spottbillig zu haben.

Apothekensterben Topverdiener oder Existenznot? So steht es um Deutschlands Apotheker

An jeder Ecke eine Apotheke – heißt es oft. Doch auf dem Land gilt die Redewendung schon lang nicht mehr. Während in den Städten ein Überangebot herrscht, steht auf dem Land die Versorgung der Bevölkerung auf dem Spiel.

 Weitere Plus-Artikel lesen Sie hier

Das Brandenburger Werk war vor einem Monat von Firmenchef Elon Musk eröffnet worden. Mit dabei waren auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Der US-Elektroautobauer will in Grünheide 500.000 Fahrzeuge pro Jahr produzieren, ist von diesem Ziel aber noch weit entfernt. Das Unternehmen fährt die Produktion nach eigenen Angaben erst allmählich hoch. Um das Niveau von 5000 Fahrzeugen pro Woche zu erreichen, habe Tesla nach dem Produktionsbeginn in anderen Fabriken etwa zwölf Monate gebraucht, sagte Musk in einer Konferenzschalte mit Analysten und Investoren. Dank gesammelter Erfahrungen könne es in Berlin und dem zweiten neuen Werk im texanischen Austin nun zumindest ein wenig schneller gehen.

Lesen Sie auch: Wasserverbrauch von Tesla und BASF – die wahre Gigafactory steht in Schwarzheide

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%