Baden-Württemberg Grünes Musterländle

Lange vor ihrer Landesregierung haben Schwaben und Badener auf Grünstrom gesetzt. Sie paaren in bewährter Manier Geschäftssinn mit Aufbruch.

Baden-Württemberg ist Spitzenreiter im Bundesländer-Ranking. Das Land ist führend bei Energieeffizienz und Gebäudedämmung. Im Bild: Die Ökosiedlung Vauban in Freiburg. Quelle: Laif

Warum ausgerechnet das Bundesland mit dem grünen Wandel am weitesten ist, dessen CDU-geführte Landesregierung bis zu ihrem bitteren Ende im vergangenen Jahr am Atomkurs festhielt, lässt sich am besten am Beispiel der Elektrizitätswerke Schönau erzählen. Als 1986 im ukrainischen Tschernobyl ein Reaktor explodierte und der radioaktive Niederschlag Deutschland erreichte, gründeten Eltern und Lehrer in dem 2500-Einwohner-Schwarzwaldstädtchen eine Bürgerinitiative für eine „atomfreie Zukunft“. Bald war den Aktivisten Protest nicht mehr genug. Sie starteten die Elektrizitätswerke und waren der erste bundesweit tätige Versorger, der seinen Strom fast ausschließlich aus grünen Quellen bezog. Inzwischen bedienen die Schönauer mehr als 120.000 Kunden, darunter den Schokoladenfabrikanten Ritter oder die Bio-Supermarktkette Alnatura. Von Herbst an beziehen auch die Stadtwerke Stuttgart Ökostrom aus dem Schwarzwald.

Geschäft in der Nische
Platz 16: Bremen181 Unternehmen der Erneuerbare-Energie-Branche (0,9 % Anteil der Unternehmen an der Gesamtzahl) (auf dem Bild: Der Offshore-Windpark "Alpha Ventus" in der Nordsee, an dessen Ausbau sich das Bundesland Bremen beteiligt) Quelle: dpa
Platz 15: Saarland203 Unternehmen der Erneuerbare-Energie-Branche (0,9 % Anteil der Unternehmen an der Gesamtzahl) (im Bild: Eine Solaranlage auf dem Gelände der ehemaligen Grube Göttelborn in der Nähe von Saarbrücken) Quelle: dpa
Platz 14: Hamburg670 Unternehmen der Erneuerbare-Energie-Branche (0,9 % Anteil der Unternehmen an der Gesamtzahl) (im Bild: Das Unternehmen Nordex mit Sitz in Hamburg und Rostock, Mitarbeiter montieren das Maschinenhaus für eine Offshore-Windkraftanlage) Quelle: dpa
Platz 13: Sachsen-Anhalt727 Unternehmen der Erneuerbare-Energie-Branche (1,6 % Anteil der Unternehmen an der Gesamtzahl) (im Bild: Das Hauptgebäude des Solarzellen-Herstellers Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen) Quelle: dpa
Platz 12: Mecklenburg-Vorpommern814 Unternehmen der Erneuerbare-Energie-Branche (2,0 % Anteil der Unternehmen an der Gesamtzahl) (im Bild: Ein Kühlturm vom ersten deutschen Erdwärmekraftwerk in Neustadt-Glewe)
Platz 11: Thüringen884 Unternehmen der Erneuerbare-Energie-Branche (1,7 % Anteil der Unternehmen an der Gesamtzahl) (im Bild: Der Aufbau des Solarparks in Erfurt) Quelle: dpa
Platz 10: Berlin991 Unternehmen der Erneuerbare-Energie-Branche (1,0 % Anteil der Unternehmen an der Gesamtzahl) (im Bild: Die drehbare Fläche einer Photovoltaikanlage der Firma Solon in Berlin) Quelle: dpa
Platz 9: Brandenburg 1.052 Unternehmen der Erneuerbare-Energie-Branche (1,7 % Anteil der Unternehmen an der Gesamtzahl) (im Bild: Das weltgrößte Aufdach-Solarkraftwerk aus First Solar Dünnschichtmodulen in Haßleben) Quelle: dpa
Platz 8: Rheinland-Pfalz1.161 Unternehmen der Erneuerbare-Energie-Branche (1,2 % Anteil der Unternehmen an der Gesamtzahl) (im Bild: Windkrafträder in Tiefenthal, Pfalz) Quelle: dpa
Platz 7: Sachsen1.272 Unternehmen der Erneuerbare-Energie-Branche (1,2 % Anteil der Unternehmen an der Gesamtzahl) (im Bild: Der Solarzellen-Hersteller Roth & Rau AG in Hohenstein-Ernstthal) Quelle: dpa
Platz 6: Hessen1.556 Unternehmen der Erneuerbare-Energie-Branche (2,5 % Anteil der Unternehmen an der Gesamtzahl) (im Bild: Eine Photovoltaikanlage des Solartechnikherstellers SMA in Niestertal) Quelle: dpa
Platz 5: Schleswig-Holstein2.127 Unternehmen der Erneuerbare-Energie-Branche (2,5 % Anteil der Unternehmen an der Gesamtzahl) (im Bild: Protest von Greenpeace gegen den Klimawandel auf Helgoland, im Hintergrund ist die "Lange Anna" zu sehen) Quelle: AP
Platz 4: Baden-Württemberg3.481 Unternehmen der Erneuerbare-Energie-Branche (1,3 % Anteil der Unternehmen an der Gesamtzahl) (im Bild: Der Solarpark in Leutkirch, Kreis Ravensburg) Quelle: dpa
Platz 3: Nordrhein-Westfalen3.557 Unternehmen der Erneuerbare-Energie-Branche (0,8 % Anteil der Unternehmen an der Gesamtzahl) (im Bild: Der Windpark Schöneseiffen in der Nähe von Schleiden) Quelle: dpa
Platz 2: Niedersachsen3.961 Unternehmen der Erneuerbare-Energie-Branche (1,9 % Anteil der Unternehmen an der Gesamtzahl) (im Bild: Ein Windrad des Unternehmens Windwärts Energie GmbH) Quelle: dpa
Platz 1: Bayern6.247 Unternehmen der Erneuerbare-Energie-Branche (1,6 % Anteil der Unternehmen an der Gesamtzahl) (im Bild: Eine Photovoltaikanlage im unterfränkischen Arnstein) Quelle: dpa

Die schwäbische Ökobewegung

Aber die Schönauer sind nur eine von vielen Strom-Rebellengruppen im Südwesten des Landes: Inzwischen gibt es 87 solcher Bürger-Energie-Initiativen – mehr als in jedem anderen Bundesland. In Weissach etwa, unweit von Stuttgart, hat der Verwaltungswirt Rüdiger Frey eine Energiegenossenschaft gegründet, die nicht nur Solarparks, Windräder und Biogasanlagen plant, sondern sogar das Stromnetz übernehmen will. Die Ökobewegung hat aber auch grüne Pioniere wie den Architekten Wolfgang Frey hervorgebracht, der in Freiburg mit Vauban und Rieselfeld zwei neue Stadtquartiere nach strengen ökologischen Kriterien konzipiert hat: Gut isoliert sind Freys Wohnungen um ein Vielfaches sparsamer. Zudem produzieren sie einen Teil ihrer Energie mit Solarmodulen und kleinen Windrädern selbst.

Längst haben Wohnungsbaugesellschaften von Heilbronn bis Konstanz energetische Sanierungsprogramme für ganze Siedlungen und öffentliche Gebäude gestartet. Gesetze beschleunigen den Wandel noch: Als einziges Bundesland schreibt Baden-Württemberg Hausbesitzern vor, dass sie nach einer Erneuerung ihrer Heizungsanlage zehn Prozent ihrer Wärme mit Sonnenlicht, Geothermie oder Bioenergie erzeugen müssen. Alternativ können sie ihre Gebäude auch besser dämmen. Der Effekt: Beim Energiesparen in Gebäuden ist der Südwesten Spitze.

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