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Bär, Dreyer, Dröge Auf diese (Wirtschafts-) Politikerinnen sollten Sie 2021 achten

Dorothee Bär, Bettina Stark-Watzinger, Katharina Dröge, Malu Dreyer Quelle: imago images

Wer ist gerade einmal etwas mehr als 100 Tage im Amt, geht der Union aber schon gehörig auf die Nerven? Welche Wirtschaftspolitikerin sollte man unbedingt auf dem Zettel haben? Eine Auswahl zum Jahresauftakt.

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Das Superwahljahr 2021 bietet Politikerinnen und Politikern viel Raum für persönliche Profilierung. Das ermöglicht Akteuren aus der zweiten Reihe die Chance, Bekanntheitsgrad und Einfluss auszubauen. Und der ein oder andere Routinier erhält die Gelegenheit zum zweiten politischen Frühling. Die WirtschaftsWoche stellt einige von denen vor, die man dieses Jahr im Auge behalten sollte – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, versteht sich.

Hendrik Wüst, 45, CDU, ist als Verkehrsminister in Nordrhein-Westfalen inzwischen zu Armins Laschets Kronprinzen aufgestiegen. Sollte dessen Weg in diesem Jahr bis ins Kanzleramt führen, würde Wüst ihn wohl im größten Bundesland beerben. Der studierte Jurist hält sich bundespolitisch derzeit zurück. Das war schon einmal anders: In seiner Zeit als Generalsekretär der NRW-CDU von 2006 bis 2010 mischte er sich immer wieder in die Richtungsdebatten seiner Partei ein. Als einer von vier selbsternannten „schwarzen Jedi-Rittern“ wollte er einen modernen Konservativismus neu definieren. Damals ganz maßgeblich mit von der Partie: Science-Fiction-Fan und aufstrebendes CSU-Talent Markus Söder.

Susanne Henning-Welsow, 43, sollte inzwischen eigentlich längst Co-Chefin der Linken sein. Aber Corona verhinderte den Parteitag. Und so ist unklar, wann sie im neuen Duo an der Spitze der Partei neben Janine Wissler aus Hessen die Stimme der gemäßigten Reformer sein soll – auch wenn beide Frauen betonen, nicht in solchen Lagern denken zu wollen. Als Fraktionsvorsitzende in Thüringen muss Henning-Welsow zudem neben dem Bundestags- vorher auch einen Landtagswahlkampf mit organisieren.

Volker Wissing, 50, ist gerade einmal etwas mehr als 100 Tage FDP-Generalsekretär und geht der Union schon gehörig auf die Nerven. Als Vize-Ministerpräsident und Wirtschaftsminister regiert er in Rheinland-Pfalz mit in einer rot-gelb-grünen Ampelkoalition. Und auch im Bund soll er jetzt dafür sorgen, dass die FDP als eigenständig wahrgenommen und für verschiedene Bündnisse anschlussfähig wird – damit sie nach der Wahl im September auch wirklich mitregieren kann. Vorher muss aber auch Wissing daheim noch eine Landtagswahl bestreiten und will sein Ministerium im besten Fall an Daniela Schmitt (auch FDP) übergeben, seine aktuelle Staatssekretärin.

Mario Voigt, 43, führt die CDU in Thüringen als Spitzenkandidat in die Landtagswahl. Der Politikwissenschaftler und Hochschulprofessor gilt als Experte für Kampagnen und Wählermobilisierung. Schon allein deshalb dürfte sein Wort auch in der Bundespartei 2021 mehr Gewicht bekommen. Voigt kommt immer ein intellektueller daher als etwa sein Vorgänger Mike Mohring oder Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, mit dem zusammen er eine Art inoffizielle Doppelspitze der Ostverbände der CDU bilden könnte.



Malu Dreyer, 59, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, kommt im Frühjahr eine besondere Rolle zu: als beliebte SPD-Amtsinhaberin könnte sie für Kanzlerkandidat Olaf Scholz dringend benötigtes Momentum erzeugen, wo bisher nur vizekanzlerhaftes Weiter-so regiert. Wer, wenn nicht sie? Dreyer gehört zu den beliebtesten und meistrespektierten Genossen überhaupt: nahbar und erfolgreich, besonnen, herzlich, aber auch machtbewusst amtiert sie als eine Art Parteichefin der Herzen. Mit einem Wahlsieg in Mainz könnte sie nicht nur ihr eigenes politisches Lebenswerk vollenden, sondern auch der geschundenen Partei neuen Mut für den im Herbst anstehenden Bundestagswahlkampf einflößen. Wie sich gewinnen anfühlt, das weiß ja kaum noch ein Genosse.

Susanne Eisenmann, 56, derzeit Kultusministerin von Baden-Württemberg, stellt sich einer der wohl schwersten politischen Herausforderungen des Jahres. Als Spitzenkandidatin der einst so stolzen Südwest-CDU tritt sie an gegen den erfolgreichsten Konservativen der Republik: den grünen Landesvater Winfried Kretschmann. Gerade wirkt es zwar noch so, als verheddere sich Eisenmann im täglichen Coronachaos der Schulpolitik – aber das kann sich gerade in diesen Zeiten ja auch schnell wieder ändern.

Felix Banaszak, 31, wurde vor einigen Monaten als Co-Chef der Grünen in NRW bestätigt. Jetzt soll im kommenden Herbst auch der Einzug in den Bundestag gelingen. In einem Jahr, in dem der Realo-Flügel an der Parteispitze die Grünen in nie da gewesener Stärke in eine Bundesregierung führen will, könnte auch Banaszak bekannter und einflussreicher werden: als prominenter Mahner des linken Parteiflügels, nicht allzu viele eigene Überzeugungen einer schwarz-grünen Koalitionsbildung zu opfern.  

Dorothee Bär, 42, CSU, ist als Ministerin bei Unionsbeteiligung an der Regierung nach der Bundestagswahl gesetzt. Und wer weiß, vielleicht bekommt die aktuelle Staatsministerin für Digitales sogar das gewünschte Superministerium für alles, was nach Zukunft und Digitalisierung klingt. In ihrer Partei wird sie so oder so an Einfluss gewinnen, auch wenn es nur ein kleines Ministerium wäre – schließlich ist Bär die einzige bekannte CSU-Politikerin aus der aktuellen Regierung die gute Chancen hat, auch der neuen anzugehören. Horst Seehofer und Gerd Müller haben bereits ihren Abschied verkündet. Und Andreas Scheuer, nun ja, das ist eine andere Geschichte.

Kevin Kühnert, 31, ist still geworden, bemerkenswert still. Der Ex-Jusochef, das wohl größte Talent seiner Partei, war 2019 einer der  Königsmacher des neuen Chef-Duos Norbert Walter-Borjans/Saskia Esken. Eine rote Eminenz mit Anfang 30. Seine Jusos machten während der Vorsitzendenkür insbesondere gegen Olaf Scholz in einer Weise Front, dass man sich bisweilen fragte, wozu es die politische Konkurrenz überhaupt noch braucht. Und nun: demonstrative Einigkeit mit dem kühlen Kanzlerkandidaten, keine Querschüsse, auch mit Kollektivierungs-Slogans hält Kühnert sich derzeit sehr zurück. Im Herbst aber will er selbst in den Bundestag einziehen. Im Wahlkampf wird ihm eine heikle Balance abverlangt: Scholz muss als Kopf und Stimme der Kampagne im Mittelpunkt stehen, aber Kühnert auch für sich selbst werben – und gerade junge Linke für die sonst ziemlich ergraute, technokratische SPD gewinnen. Ob dann weiter alles so harmonisch bleibt?

Bettina Stark-Watzinger, 52, hat ein überaus erfolgreiches Jahr in der FDP hinter sich. Im Bundestag gab sie den Vorsitz des Finanzausschusses ab, um Parlamentarische Geschäftsführerin ihrer Fraktion zu werden. Auf dem Parteitag im September wurde sie dann auch ins Präsidium der FDP gewählt. In der weitegehend von Männern dominierten Partei ist sie damit eine von wenigen Frauen, die ihren Einfluss ausbauen können. Als Volkswirtin mit langer Berufserfahrung in der Finanzbranche bringt Stark-Watzinger darüber hinaus ordentlich Sachverstand mit, um bei den wirtschaftspolitikverliebten Liberalen auch thematisch punkten zu können. Keine schlechte Ausgangslage für die Bundestagswahl.

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Katharine Dröge, 36, ist Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen im Bundestag und schon allein deshalb eine Politikerin, auf die man achten sollte. Seit gut einem Jahr ist sie darüber hinaus auch wirtschaftspolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Dröge trat die Nachfolge von Kerstin Andreae an, die als Lobbyisten zum Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft wechselte. Andreae gilt als treibende Kraft, Grüne wie Wirtschaft von beiderseitigen Klischees befreit zu haben. Nun muss Dröge, wie Andreae studierte Volkswirtin, für die Fast-schon-Regierungspartei die richtige Balance suchen und finden: Verständnis für die Interessen der Wirtschaft, einerseits. Und die notwendige Härte, wenn es etwa um die Dringlichkeit des Klimaschutzes geht, andererseits.

Diese drei gibt es seit einigen Monaten meist im Trio: Florian Toncar (FDP), Fabio De Masi (Linke) und Danyal Bayaz (Grüne) haben sich für die Opposition im Wirecard-Untersuchungsausschuss auf die Suche nach den politisch Verantwortlichen für den wohl größten Bilanzfälschungsskandal der Dax-Geschichte begeben. Sie haben es mit ihrem Aufklärungswillen bis in die ZDF-Sendung von Jan Böhmermann geschafft. Jede Woche bekommen sie Zuschriften von geprellten Anlegern, sie mögen doch bitte unbedingt weiter machen mit ihrer wichtigen Arbeit. Und weiter geht es im neuen Jahr garantiert. Noch sind viele Fragen offen, von der Boygroup aus dem Untersuchungsausschuss wird noch viel zu hören sein – auch weil alle drei ihre neue Rolle geschickt für die eigene Öffentlichkeitsarbeit zu nutzen wissen.

Mehr zum Thema: Läutet das Wahljahr 2021 eine Reformära ein? Streifzug durch eine Hauptstadt im Umbruch.

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