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Baumkronen im Regenwald Quelle: dpa

Achtet auf die Internationale der Gelbwesten!

Bäume pflanzen und Methan einsparen werden den Planeten alleine nicht retten. Ohne globalen Emissionshandel und einen sozialen Ausgleich ist alles nichts.

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Die Weltöffentlichkeit kann die Uhr danach stellen. Immer wenn ein Klimagipfel läuft, dauert es nicht lange, bis gemeinsames Bäumepflanzen beschlossen wird. Das ist auch in Glasgow nicht anders. 100 Staaten wollen bis 2030 die Entwaldung stoppen und einen zweistelligen Milliardenbetrag mobilisieren. Selbst CO2-Sünder wie Russland, China und Brasilien sind dabei.

Bäume können leider nicht reden. Sonst wäre ihr Aufschrei auf der ganzen Welt zu hören. Was der britische Bad-Hair-Day-Premier Boris Johnson pathetisch die „Kathedralen der Natur“ nennt, sollte 2014 schon einmal geschützt werden. Stattdessen ging etwa die industrielle Urwaldvernichtung in Brasilien ungebremst weiter.

Solche Symbolpolitik rettet höchstens die Stimmung am Gipfel, aber sicher nicht den Planeten, kritisieren Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace zu Recht. Da klingt das Abkommen über die Einsparung des klimaschädlichen Methans schon besser. Es verschwindet zwar deutlich schneller aus der Atmosphäre als CO2, aber bis dahin ist es auch deutlich schädlicher. Mehr als 80 Staaten wollen den Ausstoß bis 2030 um 30 Prozent senken.

Doch ausgerechnet China, Indien, Russland und Australien sind beim „Methan-Pledge“ nicht dabei. Sie gehören zu den größten Emittenten. Womit wir beim zentralen Problem des Klimaschutzes wären. Kaum geht es bei einem Abkommen um mehr, als ein paar Bäume zu pflanzen, steigen große Nationen aus dem Klimaclub aus.

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    Neben unzähligen globalen Aktionen, bei denen mal die einen oder die anderen dabei sind, braucht es jetzt die Fokussierung auf ein zentrales Projekt. Und das muss der globale Emissionshandel sein. In Europa und ansatzweise in China gibt es ihn bereits, andere Nationen müssen ihn installieren und dann gemeinsam in ein globales System überführen. Manche Großemittenten wie etwa Indien lassen sich vielleicht mit Kompensationszahlungen überreden. Denn „eine globale CO2-Bepreisung ist ein marktgerechtes und sehr effizientes Instrument“, wirbt die Nochkanzlerin Angela Merkel zu Recht – und vergisst nur eines zu sagen: Ohne Lösung der sozialen Frage gibt es keine Klimalösung. Die gewollte Preiserhöhung bei fossilen Energieträgern trifft Schlechtverdiener überproportional. Es droht eine Internationale der Gelbwesten. Frankreichs Präsident weiß das nur zu gut. 2018 führte eine Ökosteuer auf Benzin zu Protesten. Nun verschenkt Macron verzweifelt 100-Euro-Scheine im Land.

    Mehr zum Thema: Der frühere Notenbankchef Großbritanniens, Mark Carney, führt eine Allianz aus Investoren und Finanzbranche. Die schlägt neue Regeln und Anreize vor, um die globale Wirtschaft ins post-fossile Zeitalter zu katapultieren.

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