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Armin Laschet Quelle: REUTERS

Armin Laschet bleibt nur die Persil-Strategie

Der CDU-Chef ist schwer angeschlagen. Er sollte jetzt von der Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock lernen – und seine Schwäche als Stärke verkaufen.

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Kann ein Sieger wie ein Verlierer aussehen? Er kann. Zuerst gewann Armin Laschet die Zitterpartie um den Posten des CDU-Chefs, dann die Testosteron-Trophy um die Kanzlerkandidatur.

Doch im Gedächtnis bleiben die Wahlschlappen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, die Maskendeals seiner Parteikollegen und die Tiefschläge von Bayernstar Markus Söder. In den Augen mancher Parteienforscher ist das Rennen für die CDU bereits gelaufen. Als Erstes werde es bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt krachen. Mit Laschets laxem Stil und fehlender Ausstrahlung sei im Osten kein Staat zu machen.

Das klingt ziemlich aussichtslos. Will Laschet nicht so tragisch wie einst die SPD-Hoffnung Martin Schulz enden, muss er also in den Vorwärtsmodus schalten.

Sein Problem ist nicht Finanzminister Olaf Scholz, sondern Grünen-Chefin Annalena Baerbock. Geräuschlos zur Kanzlerkandidatin ihrer Partei gekürt, verspricht sie den unverbrauchten Neuanfang. Regierungserfahrung deutet sie in Status-quo-verliebte Betriebsblindheit um und schon wird aus Exekutiv-Azubi Baerbock eine Lichtgestalt, deren Leidenschaft für den Klimaschutz deutlich authentischer rüberkommt als beim Gegner. Das Role Model einer neuen Generation tritt an gegen den kleinsten gemeinsamen Nenner des Boomertums. Soziale Moralwirtschaft trifft auf soziale Marktwirtschaft, Totalumbau auf Tradition.

Der Antidisruptionskurs ist denn auch Laschets einzige Chance bei den risikoaversen, pandemiemüden Deutschen, von denen viele gerne ohne Mietendeckel und Vermögensteuer leben. Denn ein Söder wird aus ihm nicht mehr und ein Idol für hippe Anhänger der Kreislaufwirtschaft schon gar nicht. Vielmehr sollte er von Baerbock lernen und mit Schwächen punkten. Was ihr an Regierungserfahrung fehlt, lässt er an revolutionärer Ausstrahlung vermissen.



„Da weiß man, was man hat“, hieß das Prinzip bei Persil, Langzeitkanzler Konrad Adenauer nannte es „keine Experimente“. Laschet muss mit dem Merkel-Spirit zwar erkennbar brechen, aber gleichzeitig klarmachen, dass er einen Staatsladen führen und Klimaschutz mit Marktwirtschaft vereinen kann. Dass er erkannt hat, woran die Infrastruktur leidet: nicht nur unter Geldmangel, sondern unter falschen Anreizstrukturen in den Verwaltungen, Personalmangel in den Kommunen und zähen Planungsverfahren. Sein Programm kann nur Erfahrung statt Vision heißen.

Zu unsexy für den Sieg? Abwarten. Persil gibt es übrigens schon seit 114 Jahren.

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