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ARCHIV - 05.09.2018, Hessen, Frankfurt am Main: Autos fahren über die Friedensbrücke. Der Branchenexperte Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen sagte gegenüber der dpa, der Marktanteil der SUV habe in den ersten vier Monaten dieses Jahres erstmals 30 Prozent überschritten. (Zu dpa «Dudenhöffer: SUV-Autos werden kleiner») Foto: Silas Stein/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Quelle: dpa

Der SUV ist der neue Neoliberalismus

Deutsche Auto- und Energiekonzerne beginnen sich zu bewegen. Doch manche Klimaaktivisten kümmert das nicht. Sie haben eine andere Agenda.

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Die Wortwahl deutet auf Krieg. Wenn die Aktivistin vom Aktionsbündnis „Sand im Getriebe“ unter ihrem Pseudonym Tina Velo über die Autoindustrie spricht, werden keine Gefangenen gemacht. VW und Co. seien „hochgradig kriminell“ und würden mit der Politik ein „mafiös strukturiertes Konglomerat“ bilden. Man habe die Öffentlichkeit jahrelang belogen und wolle weiterhin „klimaschädliche Stadtpanzer“ verkaufen.

Die Panzer heißen im Branchenjargon SUV. Ein tragischer Unfall mit einem Porsche-SUV vor wenigen Tagen in Berlin heizt die Diskussion weiter auf. Vier Tote gelten als vier unwiderlegbare Argumente gegen diese Autos – als ob die Opfer der E-Mobilität schöner sterben werden.

Das Timing des Protests ist kein Zufall. In diesen Tagen will Deutschlands wichtigste Industrie ihre Wiederauferstehung feiern, will zeigen, dass sie nicht nur manipulierte CO2-Schleudern, sondern auch E-Autos bauen kann. Elon Musk spottet bereits über den neuen Tesla-Jäger von Porsche – und zeigt damit, dass er die Deutschen wieder wahr und ernst nimmt. Unzählige Male wurden die teutonischen Dieseldinos in den letzten Jahren totgesagt. Jetzt keimt wieder Hoffnung – auch auf zukunftssichere Jobs und Exporte.

Protest bei der IAA 2019: Greenpeace-Aktivisten klettern mit Plakaten auf die Autos am BMW-Stand Quelle: Annina Reimann für WirtschaftsWoche

Doch die Aktivisten kümmern diese Fortschritte nicht. Ihnen geht es weniger um Verkehrssicherheit, Innovation oder Klimaschutz, sondern um den Totalumbau eines Systems. Umweltschutz ist der Vorwand. Und mit ihren Altlasten liefern ihnen die Automanager den Stoff für das perfekte Feindbild, genauso wie Energiemanager im Stile von RWE-Chef Rolf Martin Schmitz es tun.

Klimaikone Greta Thunberg gibt die radikale Tonalität vor, wenn sie sagt, „das Klima vertrage keine Kompromisse“. Dieser Satz sei von „erhabener Wichtigkeit und zugleich falsch“, warnt Exbundestagspräsident Wolfgang Thierse, denn er enthalte einen „antidemokratischen Affekt“. Damit liegt er richtig. Bei den Anti-Kohle-Demos im Hambacher Forst twitterten Protestler: „Erst destabilisieren wir euch den Sektor, dann nehmen wir euch den Kapitalismus!“

Der SUV wird in diesem Kontext unterschwellig zum Abgesandten eines globalisierten Neoliberalismus hochstilisiert – mächtig, brutal, dreckig und für Reiche. Wer das Klima aber wirklich schützen will, muss die Mehrheit der Gesellschaft mit einer schlauen CO2-Bepreisung überzeugen. Symbolpolitik wie ein SUV-Verbot setzt das falsche Signal – und hilft den Falschen.

Hier protestieren Klimaschützer gegen die Auto-Industrie

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