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Quelle: imago images

Doppelmoral ist giftiger als CO2

Heuchler und Sektierer missbrauchen die Klimadebatte. Kaum einer will wirklich die Welt retten – sondern nur seine Agenda und seinen Vorgarten.

Bauer Willi und seine Möhren kennen jetzt alle. Ausgerechnet die Klimaaktivisten von „Ende Gelände“ verwüsten Ende Juni während einer Demo gegen die Abholzung des Hambacher Forsts sein Feld. Seither diffamieren die Konservativen die Klimaschützer als Karottenkiller. Tatsächlich hapert es mit der Glaubwürdigkeit der Aktivisten. Doch das hat weniger mit Trampel-Gate zu tun, als vielmehr mit der Tatsache, dass der Klimaschutz nur als Vorwand dient. „Erst destabilisieren wir euch den Sektor, dann nehmen wir euch den Kapitalismus!“, twitterte „Ende Gelände“ kürzlich.

Keine Debatte wird in diesem Land verlogener und irrationaler geführt als die Debatte um den Klimawandel. Kaum einer will die Welt retten, sondern nur seine Agenda, seinen Lebensstil und seinen Vorgarten – egal, wo er sich im politischen Spektrum bewegt.

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gilt darin als Meister. Plötzlich geht es ihm mit dem Kohleausstieg nicht schnell genug. Er opfert gar seinen braunkohlebelasteten Amtskollegen Michael Kretschmer aus Sachsen, um sich an die Generation Z ranzuschmeißen. Söder weiß, wo er gewählt wird. Dort will man eine saubere Umwelt – aber nichts dafür tun. Ein Endlager für Atommüll gehört nun mal zum verantwortungsvollen Umgang mit der Energiewende. Nur für Söder nicht. Nicht in Bayern, basta. Und den Ausbau der Windkraft boykottiert Mister FreistaatForFuture gleich mit.

Bauer „Willi“ ist wütend: Bei Protesten für mehr Klimaschutz im rheinischen Braunkohle-Revier haben Klimaaktivisten sein Möhrenfeld niedergetreten. Quelle: dpa

Die grünen Highflyer kritisieren die bayrische Bigotterie genüsslich. Allerdings verschweigen sie, dass die Rückerstattung ihrer CO2-Steuer die klimaschutzbedingten Arbeitslosen nicht ernährt – und dass selbst die eigene Klientel die Windkraft bekämpft. Übrigens gerne mal zusammen mit AfD-nahen Heimatschützern, die keinem erklären können, wie sich nach dem Klimaschock eine höllisch heiße Heimat heimelig anfühlen soll. Dieselben Menschen wollen auch eine grüne Bahn. Nur die Gleise will keiner. Niederländische, österreichische und schweizerische Trassen enden an der deutschen Grenze – blockiert von Tausenden Einsprüchen.

Die taktischen Egoisten in Politik und Volk sind der größte Feind des Klimas. Ein nationaler Konsens im Sinne der CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer ist weit entfernt. Die Deutschen schaffen einen effizienten Klimaschutz wie etwa in Kalifornien nicht, solange ihr kleinster gemeinsamer Nenner „Not in my backyard“ heißt. Bauer Willi vermutet mitunter „Doppelmoral“. Recht hat er.

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