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Quelle: AP

Erleben wir gerade die Greta-Dämmerung?

Aktivisten verurteilen den jüngsten Klimagipfel als nutzlose PR-Veranstaltung. Doch erneut bieten sie nur Furor an – statt konkrete Lösungsalternativen.

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Ihr Stern scheint zu sinken. Die vermeintliche Jeanne d’Arc der globalen Klimaschutzbewegung hat ein Imageproblem. Dabei scheint ihr kometenhafter Aufstieg noch vor Kurzem ungebremst. Die Prominenz dieser Welt verneigt sich vor Greta Thunberg. Der schwedische Teenager spricht in Parlamenten, vor den Vereinten Nationen oder Hunderttausenden von Gleichgesinnten. Sie gibt dem längst überfälligen Kampf gegen die Erderwärmung endlich ein Gesicht, sie avanciert zum Kopf von Fridays for Future, zur Advokatin einer ganzen Generation, die verständlicherweise keine Lust hat, einen zerstörten Planeten vererbt zu kriegen.

Und so richten Greta und ihre Truppen anklagende Appelle an die Mächtigen dieser Welt. Immer öfter, immer schonungsloser – und immer ohne fassbare Lösungsvorschläge. Vielleicht zu oft, zu schonungslos und zu dünn. Der Furor allein rettet nun mal den Planeten nicht, die Verbreitung von Verachtung und Hoffnungslosigkeit auch nicht. Am Ende tun das nur Konzepte und mühsam errungene Kompromisse.

Prompt wirkt der Klimagipfel in Glasgow wie der Auftakt zur Greta-Dämmerung. Einmal mehr kanzelt sie die Weltpolitik als „PR-Veranstaltung“ und „Reinfall“ ab. Doch plötzlich wird zurückgeschossen – selbst aus den eigenen Reihen. Nicht wenige vermissen die Formulierung von Handlungsschritten. Wer im brennenden Haus sitzt, braucht halt keinen, der nur Feuer schreit, sondern ihn auch rausholt. Der norwegische Klimaminister Espen Barth Eide hat das so zusammengefasst: „Wenn man sagt, dass Politik keine Bedeutung hat, dass man sich eigentlich gar nicht zu treffen brauche, dann sind wir auf einem etwas gefährlichen Kurs.“ Er glaube, dass das starke und vernünftige Engagement, etwas zu bewegen, in politisches Handeln umgesetzt werden müsse – ohne die Idee des demokratischen politischen Wandels abzulehnen.



Besser lässt es sich nicht formulieren. Selbst wenn die Ergebnisse von Glasgow nur als zögerliche Schritte in die Geschichte eingehen, so sind es zumindest Schritte nach vorne. Die Klimabewegung tut gut daran, aus dem rein alarmistischen in einen nicht weniger lauten, aber konstruktiveren Modus zu wechseln, um so ihre wichtige Wirkungskraft zu behalten. Die Transformation hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft funktioniert nur durch einen scheinbar endlosen Diskurs in einer freien demokratischen Gesellschaft.

Alles andere fühlt sich an wie totalitäres Denken. How dare you.

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