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Das Bundeskanzleramt in Berlin. Quelle: imago images

Gibt’s im Kanzleramt bald Voodoo-Puppen?

Die CDU hat abgewirtschaftet, die SPD erlebt höchstens ein letztes Zwischenhoch. Denn die nächste Generation will es grüner und vor allem liberaler.

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An die Untoten hat sich das Land längst gewöhnt. Seit der Finanzkrise führt der Nullzins zu massiven Verwerfungen. Günstige Kredite halten seelenlose Unternehmen über Wasser und lassen sie zu innovationsfeindlichen Zombiefirmen mutieren.

Spätestens seit der letzten Bundestagswahl existiert das Phänomen auch in der Politik. Die Volksparteien taumeln ohne zeitgemäßes Geschäftsmodell ihrem Ende entgegen, nur gestützt von der Sehnsucht nach alten bundesrepublikanischen Verhältnissen oder stabilen Renten. Während die entkernte CDU den historischen Absturz nicht mehr leugnen kann, glaubt der Zombie SPD an seine Wiedererweckung.

Doch die Illusion könnte größer nicht sein. Die Deutschen wählten Olaf Scholz, weil sie Armin Laschet nichts zutrauten, nicht mal die Fortsetzung des Merkel-Kurses. Sie wählten nicht die SPD. Warum auch, die Partei hat mit dem Kandidaten wenig zu tun. Vor der Wahl ließ sich das noch leidlich kaschieren, jetzt springen die Gespenster hinter den Kulissen hervor. Politpubertier Kevin Kühnert feuert auf die FDP, Co-Parteipräsident Norbert Walter-Borjans gleich mit. Beide warnen vor der liberalen Voodoo-Gefahr, und der stoische Scholz muss bereits schlichten. Gleichzeitig kämpft der Exbürgermeister mit den Altlasten aus seiner Hamburger Vergangenheit. Der Steuerskandal rund um die Privatbank Warburg wird ihm täglich gefährlicher. Die Kölner Staatsanwälte lassen nicht locker.



Manchem SPD-Neuwähler dämmert wohl, dass er einem Grundlagenirrtum aufgesessen ist. Nur leider lassen sich abgegebene Stimmen nicht umtauschen. Und so scheint die Sorge vor dem Voodoo tatsächlich nicht unbegründet – mit Deutschland als Puppe, in die Kühnert und Co. ihre Nadeln stechen und damit auch den Wirtschaftsstandort in einen Zombie zu verwandeln drohen.

Zum Glück dürfte der Fluch nicht ewig währen. Denn die nächste Generation kann weder etwas mit der SPD noch mit der CDU anfangen. Beide Parteien haben ihr kaum etwas zu bieten, das schwarze Schwergewicht lässt sich gar vom YouTube-Leichtgewicht Rezo aus der Fassung bringen. Kein Wunder, dass ihnen die Erstwähler die Reform des Landes nicht zutrauen. Stattdessen schafften es die FDPler auf Platz eins, die Grünen auf Platz zwei. Das zeigt, in welche Richtung sich Deutschland nach dem SPD-Intermezzo endlich entwickeln könnte: nachhaltiger, moderner, digitaler, liberaler – und hoffentlich zombiefrei.

Mehr zum Thema: Deutschlands Führungskräfte haben eine klare Präferenz, welche Koalition das Land in die Zukunft führen soll: ein Bündnis aus SPD, FDP und Grünen. Für eine unionsgeführte Regierung gibt es weniger Unterstützung. Das ist das Ergebnis des exklusiven WirtschaftsWoche-Entscheiderpanels.

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