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Heidi Klum auf Laufsteg im schwarzen Kleid. Quelle: imago images

Heidi Klum soll jetzt den nächsten Kanzler suchen

Das Land scheint stabil, aber saturiert und reformmüde. Fatalerweise steht keine der potenziellen Nachbesetzungen von Angela Merkel für Aufbruch.

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Für die Macher einer britischen Satire wäre das Kandidatenfeld perfekt. Frau zu Guttenberg würde copypasten, Herr Schlumpf an Demenz leiden und der Zirkusclown über zu große Schuhe stolpern.

Doch leider ist es bittere Realität, was da täglich im Wahlkampf geboten wird. In Deutschland geht eine Ära zu Ende. Nach 16 Jahren Angela Merkel werden die Schalthebel der Regierungsmacht neu besetzt und damit auch die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft neu ausgehandelt. Das Land gilt als Digitalisierungswüste, kämpft mit einer ineffizienten Verwaltung, leidet an Überregulierung, ist im internationalen Standortwettbewerb auf Platz 15 abgerutscht und weiß eigentlich nicht so recht, wie es die verschärften Klimaziele erreichen kann. Ein Ruck muss durch den Standort Deutschland gehen, da sind sich alle einig. Doch wie der aussehen soll, weiß keiner so richtig. Und vor allem nicht, wem die Aufgabe als CEO der Regierung zuzutrauen wäre. Als Versuchskaninchen möchten die Bürger ja nicht enden.

Klar, fast jede und jeder wächst mit seinen Aufgaben. Aber manche schaffen es eben nur, sich ein bisschen zu strecken. Kein Wunder, dass rekordverdächtige vierzig Prozent der Deutschen noch nicht wissen, wem sie die Stimme geben sollen. Die meisten finden weder Annalena Baerbock noch Olaf Scholz oder Armin Laschet überzeugend. Sie suchen vergeblich nach Ausstrahlung, Kompetenz, Leidenschaft und der glaubhaften Fähigkeit, mit einem Regierungsteam unangenehme Wahrheiten anzugehen, nicht nur die eigene Klientel zu versorgen.



Stattdessen liefern sich die drei einen Unterbietungswettbewerb. Textkosmetikerin Baerbock führt mit ihren Grünen nur eine staatsverliebte Ein-Themen-Partei und vergisst dabei zu erzählen, dass oft die eigene Klientel den Ausbau der erneuerbaren Energie blockiert. Und das stille Wasser Olaf Scholz? Ist es tief oder bloß trüb? Die Probleme im Finanzministerium, der Privatbank-Warburg-Schatten und seine Lüge über das Renteneintrittsalter können zumindest nicht erklären, warum er aus sozialdemokratischen Ruinen auferstand. Womit wir bei Armin Laschet wären. Der Flutlächler versprach Entlastungen, kassierte sie wieder ein, weil unfinanzierbar – und legt sie nun last Minute als Panikprogramm auf. So kommt er nicht ernsthaft rüber, sondern höchstens ins Schlingern. Wählbar? Auch nur bedingt.

Eine Satiresendung zum Thema gibt es übrigens tatsächlich – als deutsche Ausgabe von „Spitting Image“. Spoiler: Heidi Klum sucht Germany’s Next Topkanzler. Vielleicht keine schlechte Idee.

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