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Quelle: imago images

Plötzlich sind die Deutschen wieder wach

Die trüben Konjunkturaussichten treffen zusammen mit der Angst vor der chinesischen Konkurrenz. Gut so, das vertreibt endlich die Trägheit im Land.

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Wie jämmerlich dürfte sich ein Außenminister dabei fühlen. Als stolzer Vertreter des neuen Mitglieds des UN-Sicherheitsrates startet Heiko Maas Anfang der Woche Richtung USA. Als Abgesandter einer Prekärrepublik landet er wenig später in New York. Wegen eines geplatzten Reifens muss der Regierungsflieger „Konrad Adenauer“ wie ein gestrandeter Wal in die Parkposition gezogen werden. Alleine schafft er es nicht mehr.

Das Bild trieft vor Symbolgehalt. Der Riese Deutschland ist schlaff geworden, zu fett, um noch siegen zu wollen. Der Daueraufschwung sediert die viertgrößte Volkswirtschaft. Man lässt es schleifen, ein bisschen lockerer angehen – egal, ob bei Breitband, Brücken, Bahn oder bundesrepublikanischen Fliegern. Lieber investiert man in den Sozialstaat. „Wohlstand macht träge, das ist so“, meinte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble vor Kurzem in einem Interview mit der WirtschaftsWoche.

Zum Glück kippt diese Stimmung gerade. Das liegt am Jahrhundertboom, der sich wie eine Studentenparty um fünf Uhr morgens anfühlt. Der Bass wummert, ein paar wenige halten sich an ihren Bierflaschen fest, aber die Dynamik ist raus. Alle Ökonomen korrigieren ihre Prognosen. Zuletzt kassierten IWF und die Welthandelsorganisation ihren Optimismus.

Daneben sorgen auch die Chinesen dafür, dass ein Teil der Deutschen plötzlich wieder wach wird. Der Systemwettbewerb, der spätestens seit dem Fall der Mauer beendet schien, feiert ein wuchtiges Comeback. Wirtschaftsminister Peter Altmaier polarisiert mit einer gebastelten Industriepolitik, Berater wie Accenture-Chef Frank Riemensperger schreiben Rettungskonzepte für den deutschen „Titelverteidiger“, und in Berlin rennen alle durcheinander auf der Suche nach dem Anschluss an die Moderne.

Die USA haben das Silicon Valley, China hat einen Plan – und Deutschland nimmt jetzt immerhin den Handlungsbedarf wieder ernst. Ein noch unkoordinierter Adrenalinschub geht durchs ganze Land. Rezessionsängste und China-Schock setzen neue Energien frei, mit denen sich die Kurve Richtung Zukunft vielleicht doch kriegen lässt.

Kluge Köpfe gibt es genügend, das zeigt der kürzlich verliehene Innovationspreis der WirtschaftsWoche. Und selbst Pannenopfer Maas will durchstarten. Er glaubt, dass sich die Energiewende zu Deutschlands „Exportschlager“ ausbauen lässt.

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