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Tempolimit: Das Land braucht eine Tempobörse! Quelle: dpa

Statt Tempolimit: Wer rasen will, soll zahlen!

Die verkrampfte Diskussion um das Tempolimit braucht dringend einen neuen Impuls – zum Beispiel Schnellfahrerkontingente, handelbar wie Aktien.

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Es ist wie eine Zeitreise zurück in die Steinzeit. Jeder Schweiz-Urlauber kennt das Gefühl. Entspannt fährt er auf dortigen Autobahnen die erlaubte Maximalgeschwindigkeit von 120 Kilometer pro Stunde und genießt nebenbei noch die Landschaft. Kein Drängeln, kein Drohen, kein Drama, stattdessen Wellness-Mobilität vom Feinsten.

Fortbewegung wird so zum meditativen Erlebnis, was allerdings mit dem Grenzübertritt nach Deutschland abrupt endet. Wie gedopte Neandertaler kleben plötzlich immer neue Drängler hinten an der Stoßstange. Egal, ob 150 oder 200 Kilometer pro Stunde, es will ständig einer zeigen, dass er die noch größere PS-Keule schwingt.

Wenn es nach der Verkehrskommission (Nationale Plattform Zukunft der Mobilität) geht, soll damit bald Schluss sein. Die Experten empfehlen ein Tempolimit von 130, wie es in den meisten zivilisierten Ländern gilt. Doch Verkehrsminister Andreas Scheuer will das nicht hinnehmen. „Gegen jeden Menschenverstand“ kommentiert er den Vorschlag der Kommission, die er selbst eingesetzt hat.

Prompt verkeilen sich nun die beiden Lager. Auf der einen Seite die vernünftigen Spaßbremsen, die zu Recht die erhöhte Unfallgefahr und Klimagefährdung durch Schnellfahrer anprangern. Auf der anderen Seite die Retter der Restfreiheit, die sich zu Recht der staatlichen Regulierungswut nicht kampflos ergeben und der Automobilindustrie einen Wettbewerbsvorteil sichern wollen.

Neben Verboten und Völlerei braucht es jetzt also einen Kompromissvorschlag. Vorbild könnte der Emissionszertifikatehandel für die Großindustrie sein. Sehr vereinfacht gesagt, werden jeder Fabrik Verschmutzungsrechte kostenlos zugeteilt. Wer in eine saubere Anlage investiert, braucht die Rechte nicht mehr und kann sie an einer Börse verkaufen – an Firmen, deren Produktion noch nicht sauber arbeitet und daher deutlich mehr Zertifikate benötigen.

Schnellfahrerkontingente würden nach derselben Logik funktionieren. Jeder Autofahrer erhält jedes Jahr eine bestimmte Menge zugeteilt. Wer öfter schneller als 130 brettern will, kauft hinzu. Wer es lieber im Schweiz-Modus mag, verkauft und verdient hinzu. Die Überwachung des Systems dürfte mit der heutigen Technologie ein Kinderspiel sein.

Der Verkehrsminister unterstützt übrigens in seiner Freizeit bereits ein ähnliches Prinzip. Als er jüngst in einer Disco bei Passau als DJ auflegte, durften sich seine Fans zwar ohne Limit betrinken – aber sie mussten jeden Drink bezahlen.

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