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Bargeld abschaffen? Woran es beim bargeldlosen Bezahlen hapert

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Per App bezahlen bei Starbucks

Die Beratung A.T. Kearney schätzt, dass sich die Zahl der bargeldlosen Transaktionen in Europa von 87 Milliarden 2010 auf 177 Milliarden im Jahr 2020 verdoppelt – auf dann 40 Prozent der Zahlungen im Handel. Auch in den USA herrscht Hochstimmung: „Risikokapitalgeber würden beinahe jedem Geld geben, der eine Geschäftsidee für Mobile Payment hat“, sagt der deutsche Fondsmanager Peter Dreide. Von 2009 bis 2013 investierten Risikokapitalgeber mehr als fünf Milliarden Dollar. So nutzen in den USA Kunden die mobilen bargeldlosen Bezahlmodelle auch selbstverständlicher als in Deutschland.

Bei Starbucks etwa haben sich die in den USA übers Handy abgewickelten Bezahlvorgänge seit Anfang 2013 verdreifacht, auf mehr als sechs Millionen in der Woche. Der Kaffeekonzern ist mit seiner Bezahl-App so erfolgreich, weil für Latte macchiato und Muffins Kleinstbeträge anfallen, bei denen nur wenige Nutzer Sicherheitsbedenken haben. Abgewickelt wird die Zahlung über ein Guthabenkonto innerhalb der App, das Nutzer mit hinterlegter Kreditkarte aufladen. Ein Testprojekt in Portland soll die Kaffeebestellung noch bequemer machen: Kunden können mit ihrer App auf dem Smartphone zu Hause ihren Kaffee bestellen, per Handy bezahlen und bekommen per App Bescheid, dass sie ihr Getränk abholen können. „Damit reduziert Starbucks für Kunden die Wartezeit enorm – und die sind dafür bereit, private Daten preiszugeben“, sagt Eduard Calvo, Professor an der IESE Business School in Barcelona. Ende Dezember führte Starbucks seine Bezahl-App auch in Deutschland ein, aber ohne Vorbestellfunktion.

Noch endet die Zahlzukunft oft an Ländergrenzen, selbst innerhalb Europas. Wer als deutscher Bankkunde etwa mit der App VeroPay in österreichischen Supermärkten bargeldlos einkaufen möchte, wird scheitern: Die App fordert ein österreichisches Konto. „Die Innovationen werden durch die Regularien der einzelnen EU-Länder gebremst“, sagt Bajorat.

Und so basteln Anbieter schön nach Ländern getrennt an ihren Systemen. Marktforscher erwarten, dass Apple Pay sich als Erstes weltweit durchsetzen wird. 2015 oder 2016 soll es nach Europa kommen. „Apple hat den nötigen Einfluss auf den Handel und die Unterstützung der Finanzindustrie“, sagt James McQuivey, Analyst bei Forrester Research.

Auch im Gebrauch von Kunden untereinander wird das Bargeld schrittweise verschwinden. 1,8 Millionen Dänen, gut ein Drittel der Einwohner, haben etwa die App der Danske Bank auf dem Handy, mit der sie ihren Kindern Taschengeld schicken oder in der Kneipe bezahlen können. Der Spruch: „Ich habe kein Geld dabei, gibst du mir einen aus?“, dürfte aus den Kneipen verschwinden – das Handy lässt niemand zu Hause. In den USA verbreitet sich die App Venmo, über die junge Amerikaner sich Geld schicken. 314 Millionen Dollar Kundengeld transferierte Venmo im ersten Quartal 2014; das Unternehmen gehört zum PayPal-Konzern.

Joschka Friedag, Mitgründer des Start-ups Cringle, probiert in Deutschland etwas Ähnliches. Mit seiner Zahl-App rennt er keine offenen Türen ein. „Die Banken haben unser Projekt mit viel Skepsis betrachtet, sobald es um die konkrete Umsetzung ging“, sagt er. In der DKB Bank fand er endlich einen Partner, der Überweisungen abwickelt.

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