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Bargeld abschaffen? Woran es beim bargeldlosen Bezahlen hapert

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Über das Smartphone zahlen

Zentralbanker geben sich gelassen: „Zahlungsgewohnheiten ändern sich langsam, deshalb wird Bargeld in Deutschland in den nächsten zehn Jahren eine wichtige Rolle spielen“, sagt Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele. „Auch wenn wir dann sicher häufiger die Möglichkeit haben, das Smartphone zum Zahlen zu nutzen.“

Der Dienstleister SumUp testet in Berlin eine Zahlvariante über Smartphones, ging aber noch einen Schritt weiter als der Konkurrent PayPal. Testnutzer der SumUp-App konnten zum Beispiel im Café Concierge einen Kaffee bestellen und über das Smartphone zahlen, ohne einen Finger zu krümmen. Sie mussten das Café vorher nur einmal autorisieren, ähnlich wie beim Lastschrifteinzug.

Dann meldete sich ihr Handy bei jedem Café-Besuch automatisch an der Kasse an. Der Barista sah sofort, wer bestellte. Wenn er dann den Kaffee beim Kunden abbuchte, vibrierte dessen Handy nur kurz. Das war’s. Vielen Testern ging das zu weit, selbst SumUp-Deutschland-Geschäftsführer Sebastian Jost: „Es war sehr ungewohnt, so wenig Kontrolle über die Zahlung zu haben, auch bei kleinen Beträgen.“ Jetzt muss jeder Tester aufs Display tippen, um die Zahlung zu bestätigen.

Ich aber bin, solange Bezahlen bequemer wird, bereit für maximale Veränderung. Der Bitcoin könnte mir diese bieten. In Hannover entsteht gerade die längste Bitcoin-Meile der Welt, auf 2,5 Kilometern sollen knapp 50 Geschäfte Bitcoins akzeptieren – vom Burgerbrater über eine Friseurkette bis hin zum TUI-Reisebüro.

Jetzt stehe ich im Edelstall, einem Bürohaus, in dem sich junge Firmen einmieten. Gründer Ricardo Ferrer Rivero hat in wenigen Wochen die „Pey“-App für Kunden und einen zugehörigen Zahlterminal entwickelt, über den Einzelhändler Bitcoin-Zahlungen abwickeln können. Und er hat hier einen Automaten aufgestellt. Ich schiebe einen Zehn-Euro-Schein hinein, auf dem Display erscheint ein QR-Code, den ich mit meiner Bitcoin-Geldbörse scanne. Die Geldbörse gibt es als kostenlose App fürs Smartphone von diversen Anbietern. Ein Piepen, und dann habe ich meine ersten 36,90 Millibitcoins auf dem Smartphone, im tagesaktuellen Wert von 9,44 Euro. Mit 5,6 Prozent Aufschlag ist jeder Geldautomat billiger, selbst im Ausland. Aber ich bin angekommen in der dritten Phase der Zukunft des Geldes.

Mit Ferrer Rivero gehe ich ins Restaurant 11A, wir melden vorher an, dass wir mit Bitcoin zahlen wollen. Die Bedienung im Restaurant ist froh, dass Unternehmer Ferrer Rivero mit am Tisch sitzt. „Du musst mir noch mal erklären, was ich für die Abrechnung hier machen muss“, bittet sie. In der ersten Woche des Projekts hat nur Ferrer Rivero hier in Bitcoin bezahlt, normale Gäste blieben bei Bargeld und Karte. Ich bestelle einen Salat: 8,50 Euro tippt die Bedienung im Pey-Terminal ein, ein QR-Code erscheint. Ich scanne den Code auf ihrem Display mit meiner Bitcoin App, das Handy vibriert, die Zahlung ist abgewickelt. Aber: Auf dem Handy werden mir 8,61 Euro berechnet. „Netzwerk-Gebühr“, sagt die App. Noch mal elf Cent verloren. Praktisch, diese Bitcoins – aber heute ein Minus von 67 Cent für mich. Der Kurs hätte ebenso für mich arbeiten können, rede ich mir ein.

Mit miesen Wechselkursen ist zu rechnen. „Je mehr Händler Bitcoin akzeptieren und je mehr Kunden damit bezahlen, desto stabiler wird auch der Wechselkurs“, hofft Ingo Quendler vom Kameraladen Enjoyyourcamera, ebenfalls auf der Bitcoin-Meile in Hannover.

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