Bayern und Hessen Verfassungsklage gegen Länderfinanzausgleich

Genug gezahlt, sagen Bayern und Hessen. Die beiden schwarz-gelb geführten Länder noch im Februar wollen gegen den Länderfinanzausgleich klagen. Nicht nur die Oppositionsparteien wittern ein Wahlkampfmanöver.

Die reichsten Bundesländer Deutschlands
Am wenigsten Geld zum Ausgeben haben die 2.313.280 Einwohner Sachsen-Anhalts (auf dem Bild ist Magdeburgs Altstadt zu sehen). Der Kaufkraft-Index liegt bei 82,3 Prozent – oder bei 16.970 Euro. Der deutschlandweite Durchschnitt pro Einwohner liegt bei 20.621 Euro. Damit landet das Bundesland auf Platz 16. Die Angaben beruhen auf einer Untersuchung der GfK GeoMarketing GmbH. Quelle: dpa
Platz 15 für Mecklenburg-Vorpommern. Dort liegt der Kaufkraft-Index bei 82,6 Prozent. Damit gehört das Land auch eher zu den Schlusslichtern. (Bild: die Bootsstege im Müritz-Hafen von Röbel). Quelle: dpa
Auch die Sachsen haben 2013 weniger Geld für Konsum übrig, als der deutschlandweite Schnitt – nämlich 17.179 Euro. (Die Kaufkraft liegt bei 83,3 Prozent) Platz 14 für das Bundesland im Osten. (Bild: Semperoper in Dresden.) Quelle: dpa
Platz 13 für Thüringen. Die 2,2 Millionen Einwohner haben 2013 im Schnitt 17.221 Euro für Konsum zur Verfügung. Auch damit liegt das Land noch weit unter dem Schnitt (Kaufkraftindex: 83,5 Prozent) (Foto: Besucher des Bratwurstmuseums in Holzhausen.) Quelle: dpa
Mit einem Kaufkraftindex von 88,5 und 18.245 Euro Kaufkraft pro Einwohner geht Platz 12 an Brandenburg. (Foto: Die Stadtbrücke, die Frankfurt (Oder) mit dem polnischen Slubice verbindet.) Quelle: dpa
Besser stehen die Berliner da. Platz 11 geht an das Land mit den 3,5 Millionen Einwohnern. Dort haben die Menschen 18.757 Euro pro Einwohner für Konsumausgaben übrig – damit liegt der Index bei 91. Damit geht das Ranking mit einem westdeutschen Land weiter… (Das Foto zeigt das Holocaust-Denkmal in Berlin.) Quelle: dapd
…und zwar mit dem Saarland. Mit 19.251 Euro pro Einwohner und einer Kaufkraft von 93,4 Prozent liegt das Land immer noch unter dem Schnitt: Platz 10. (Foto: Die St. Johann-Basilika in der Altstadt von Saarbrücken.) Quelle: dpa
Platz 9 für das kleinste Bundesland Bremen. Die rund 661.000 Einwohner werden 2013 19.428 Euro an Kaufkraft aufbringen – ein Index von 94,2 Prozent. (Foto: die Bremer Stadtmusikanten.) Quelle: dpa
Besser wird Niedersachsen dastehen. Mit einem Index von 97,9und einer Kaufkraft on 20.190 Euro pro Einwohner gibt es in unserem Ranking Platz 8. (Foto: Die Kuppel vom Neuen Rathaus in Hannover.) Quelle: dpa
Auch Rheinland-Pfalz liegt noch knapp unter dem deutschen Schnitt in Sachen Kaufkraft. Das Land weist einen Index von 99,9 auf und eine Kaufkraft pro Einwohner von 20.600 Euro. Der deutschlandweite Schnitt liegt bei 20.621 Euro. Dafür gibt´s Platz 7 . (Foto: Die Rheinfähre „Loreley VI“) Quelle: dpa
Mehr Geld für Konsum werden 2013 die Nordrhein-Westfalen haben. Mit 20.685 Euro pro Einwohner und einem Index von 100,3 liegen sie knapp über dem deutschen Durchschnitt. Platz 6 für NRW. (Foto: Die Rheinpromenade in Düsseldorf.) Quelle: dpa
Platz 5 geht an Schleswig-Holstein. Auch dort haben die Menschen ein wenig mehr als der Schnitt für Konsum zur Verfügung – und zwar 20.769 (Index: 100,7, das Bild zeigt Kiel.) Quelle: dpa
Die knapp 6,1 Millionen Hessen landen auf Platz 4 und zwar mit einer Kaufkraft von 22.084 Euro und einem Index von 107,1. Im Vorjahr lag das Land noch auf Platz 3. Doch den Platz sichert sich… (Das Foto zeigt die Skyline von Frankfurt am Main.) Quelle: dpa
...Baden-Württemberg – mit 22.115 Euro Kaufkraft pro Einwohner und einem Kaufkraft-Index von 107,2 schafft es das Land auf Platz 3. (Foto: Der Mercedes-Stern auf dem Bahnhofsturm des Hauptbahnhofs in Stuttgart.) Quelle: dpa
Platz 2 für Bayern – ebenso wie im Jahr zuvor. Der Kaufkraft-Index liegt dort bei 109,2 (2012: 108,7) – oder 22.508 Euro. Nur noch ein Land hat mehr Geld für den Konsum übrig und zwar…. (Foto: De Zwiebeltürme der Frauenkirche in München.) Quelle: dapd
… Hamburg. Die 1,79 Millionen Einwohner des kleinen Bundeslandes sind die privilegiertesten Bewohner Deutschlands. 22. 769 Euro werden sie für Konsum zur Verfügung haben. Zum Vergleich: Deutschlandweit sind es laut Untersuchung 20.621 Euro. Damit liegt Hamburg auf Platz 1 – genau wie im Vorjahr. Da allerdings lag der Kaufkraft-Index des Landes 109,8. 2013 liegt der Index bei 110,4. (Foto: Containerschiffe im Hamburger Hafen.) Quelle: dpa

Bayern und Hessen drücken aufs Tempo: Die beiden schwarz-gelb geführten Landesregierungen wollen noch im Februar Klage gegen den Länderfinanzausgleich beim Bundesverfassungsgericht einreichen. Das berichtet die „Süddeutschen Zeitung“ in ihrer Montagsausgabe auf Basis der Beschlussvorlage für die gemeinsame Kabinettssitzung an diesem Dienstag in Wiesbaden.
Dort soll die angekündigte Verfassungsklage formell beschlossen werden. „Die Bayerische Staatsregierung und die Hessische Landesregierung halten das geltende System des bundesstaatlichen Finanzausgleichs für verfassungswidrig“, zitiert die Zeitung aus dem ihr vorliegenden Papier. Die Situation der armen Bundesländer habe sich trotz der Milliardenzahlungen „weitgehend verfestigt, ohne konkrete Aussicht zur nachhaltigen Verbesserung“.

So viel zahlen oder bekommen die einzelnen Länder

Berlin beispielsweise habe für das Jahr 2005 2,5 Milliarden Euro erhalten, mittlerweile würden 3,3 Milliarden Euro an die finanzschwache Bundeshauptstadt überwiesen. Die Last würde von immer weniger Schultern getragen - 2012 schied Hamburg aus dem Kreis der Geberländer aus und erhielt stattdessen etwa 21 Millionen Euro aus dem Ausgleichstopf, obwohl der Stadtstaat als sehr finanzstark gilt. Gemeinsam mit Baden-Württemberg sind es lediglich Bayern und Hessen, die zu den Geberländern zählen.

„Ein solches Ausgleichssystem ist in sich nicht mehr stimmig und ungerecht“, argumentieren Hessen und Bayern dem Bericht zufolge. Die Länder stimmten daher überein, „den gemeinsamen Normenkontrollantrag bis Ende Februar 2013 zum Bundesverfassungsgericht einzureichen“.

Diese Regionen drohen zu verarmen
Fireworks are seen at the World Heritage Site 'Zeche Zollverein' in Essen Quelle: REUTERS
Das Gebäude des JenTower in Jena Quelle: dpa
Letzte Restarbeiten werden am 19.12.2012 auf dem Kupferdach des Landtagsneubaus in Potsdam (Brandenburg) durchgeführt. Quelle: dpa
Litfasssaeulen mit ueberdimensionalen Muetzen stehen auf dem Dresdner Postplatz unweit des Zwingers Quelle: dapd
Mit einem speziellen Kommunalfahrzeug wird am 09.12.2012 der Breite Weg in Höhe des Hundertwasserhauses "Grüne Zitadelle" in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) von Eis und Schnee befreit. Quelle: dpa
Ein Obdachloser, der die Obdachlosenzeitung "Strassenfeger" verkauft, bittet am 20.12.2012 in Berlin in der Friedrichstraße um Spenden. Quelle: dpa
Mit Mützen und einem Schal ist am 13.12.2012 die Skulptur "Drei schwatzende Weiber" an einem Brunnen der Altstadt von Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern) eingekleidet. Quelle: dpa
An einer langen Tafel auf der Havenplaza von Bremerhaven werden kostenlose Menüs aus Lebensmitteln mit kleinen Mängeln von Besuchern der Aktion "Zu gut für die Tonne" gegessen. Quelle: dpa

Die Klage stößt partei- und länderübergreifend auf heftigen Widerstand. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hält davon ebenso wenig wie sein Schweriner SPD-Amtskollege Erwin Sellering oder Thüringens CDU-Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht. Zu dem werden in Bayern wie auch in Hessen im Herbst der Landtag neu gewählt. Kritiker verweisen auch darauf, dass im Jahr 2019 ohnehin eine Neuordnung der Finanzbeziehungen ansteht. Baden-Württemberg ist seit dem Regierungswechsel zu Grün-Rot 2011 als möglicher Mitkläger ausgeschieden und setzt auf Verhandlungen.
Die Unionsfraktionschefs aus Baden-Württemberg, Bayern und Hessen halten den Vorstoß dagegen für „dringend geboten“. Sie sei der letzte Ausweg, weil die Verhandlungen auf der Ministerpräsidentenkonferenz über viele Monate hinweg erfolglos geblieben seien, heißt es in einer Erklärung einiger CDU/CSU-Politiker.

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2012 zahlten erstmals nur noch drei Länder in das Ausgleichssystem ein, das seit sechs Jahrzehnten für gleiche Lebensverhältnisse überall in Deutschland sorgen soll. 7,93 Milliarden Euro wurden im vergangenen Jahr umverteilt. Größter Profiteur war erneut Berlin, das 3,32 Milliarden Euro erhielt. Bayern trug mit 3,9 Milliarden Euro den Löwenanteil, Baden-Württemberg steuerte 2,69 Milliarden Euro bei. Für Hessen waren es knapp 1,33 Milliarden Euro, wobei die Belastung je Einwohner Jahr für Jahr in Hessen am höchsten ist.

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