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Bayern Vom Atomfreund zum Ökoprimus

Mit Investitionen von einer Milliarde Euro will Bayern Technologieführer bei grüner Energie werden.

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Bayern belegt durch den starken Anteil an grüner Wärmeerzeugung sowie dem Bau von zahlreichen Gaskraftwerken den dritten Platz im Bundesländer-Ranking. Im Bild: Ein Bauernhof im Allgäu.

Lange galt Arno Zengerle, CSU-Bürgermeister der bayrischen Gemeinde Wildpoldsried bei Kempten im Allgäu, den eigenen Partei-Granden in München als „grüner Spinner“. Hatte doch das 2.500-Seelen-Dorf auf seine Initiative hin Ende der Neunzigerjahre beschlossen, sich so schnell wie möglich ausschließlich aus grünen Quellen mit Energie zu versorgen. Dafür erlaubte Zengerle sogar Windräder – damals so etwas wie ein Sünde im atomgläubigen Bayern.

Heute speist Wildpoldsried drei Mal mehr Ökostrom ins Netz, als die Bürger und Unternehmen verbrauchen. Erzeugt wird die Energie mit Solaranlagen, Windrädern und einem Biomasse-Heizkraftwerk. Und die Gemeinde ist zur Pilgerstätte für Kommunalpolitiker aus dem ganzen Land geworden. Sie alle wollen studieren, wie die Energiewende funktionieren kann.

Die zehn größten Solarzellenhersteller
Solaranlage von Suntech Quelle: dapd
Platz 3 - JA SolarDrittgrößter Solarzellenhersteller ist JA Solar. Der chinesische Hersteller produzierte 2011 1700 Megawatt. Ein Plus von rund 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Quelle: Reuters
Platz 2 - First SolarDer zweitgrößte Hersteller ist First Solar. Das US-Unternehmen produzierte Solarzellen mit einer Leistung von 1981 Megawatt. Das waren rund 40 Prozent mehr als im Vorjahr (1412 Megawatt). Quelle: dpa
Platz 4 - YingliDen vierten Platz nimmt der Hersteller Yingli aus China ein. Mit 1604 Megawatt produzierte Yingli 2011 rund 51 Prozent mehr als im vorangegangenen Jahr (1060 Megawatt). Quelle: dapd
Platz 5 - TrinaTrina ist der fünftgrößte Solarzellenhersteller. Die Produktion der Chinesen nahm gegenüber dem Vorjahr um knapp 48 Prozent zu. Trina produzierte im Jahr 2011 1550 Megawatt Leistung. Quelle: dapd
Platz 13 - Q-CellsDer deutsche Hersteller Q-Cells war früher Weltmarktfrüher. Mittlerweile ist das Unternehmen auf Rang 13 abgerutscht. Am 3. April 2012 hat der Hersteller aus Bitterfeld-Wolfen Insolvenz angemeldet. Im vergangenen Jahr produzierte Q-Cells Zellen mit einer Leistung von 790 Megawatt. Im Jahr 2010 waren es noch 1014 Megawatt. Quelle: pr
Solaranlage von Motech Industries Quelle: Presse

Bayern investiert in intelligente Stromnetze

Auch die Parteioberen in der Landesregierung unter Ministerpräsident Horst Seehofer würdigen Zengerle seit der Nuklearkatastrophe in Fukushima als Vorbild und propagieren in einer atemberaubenden Abkehr vom bisherigen Atomkurs jetzt selbst die grüne Energiezukunft. Natürlich reklamieren sie dabei – wie üblich – die Spitzenposition. Der dritte Platz in diesem Ranking ist da schon mal ein Anfang. Eine Milliarde Euro will Seehofers Kabinett in den nächsten fünf Jahren in die Entwicklung intelligenter Stromnetze und Speichertechnologien sowie in neue Gaskraftwerke und die Dämmung von Gebäuden stecken – so viel Geld wie kein anderes Bundesland. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Elektromobilität: 2020 sollen in Bayern 200.000 Elektroautos fahren.

Der Kernenergie den Rücken zukehren

Was Sie über Solarenergie wissen sollten
Gigantisches Potenzial Quelle: Sascha Schuermann/dadp
Sonnentage in Deutschland Quelle: Wolfgang Langenstrassen dpa/lno
Solarthermie Quelle: Bausparkasse/dpa/gms
Photovoltaik Quelle: David Ebener dpa/lby
Anteil erneuerbarer Energien Quelle: Jens Büttner dpa/lmv
Das größte Solarkraftwerk Deutschlands Quelle: Werner Schüring für WirtschaftsWoche
Das größte Solarkaftwerk der Welt Quelle: Reed Saxon, File/AP/dapd

Am Ende der grünen Aufholjagd im Jahr 2022 will die Landesregierung die Hälfte des bayrischen Stromverbrauchs mit erneuerbaren Energie decken – doppelt so viel wie heute. Der Anteil der lange verpönten Windkraft soll von nicht einmal einem auf bis zu zehn Prozent steigen. Zugleich wird die Technologieführerschaft bei der Energiewende angestrebt. „Wir wollen die Kernenergie so schnell wie möglich hinter uns lassen“, sagt Seehofer.

Wer die meisten neuen Gaskraftwerke plant (zum Vergrößern bitte Bild anklicken).

Weg frei für den grünen Aufbruch

Dabei fangen die Bayern nicht bei null an. Bürger, Landwirte und Solarparkbetreiber haben schon Solarstromanlagen mit 8.300 Megawatt aufgestellt – das entspricht einem Drittel der insgesamt in Deutschland installierten Leistung.

In Arbeit
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Und nirgendwo sonst wärmen die Menschen ihre Stuben so häufig mit klimaschonenden Pelletheizungen, Wärmepumpen und Kleinkraftwerken für den Keller wie zwischen Aschaffenburg und Garmisch-Partenkirchen. Dem grünen Aufbruch steht also nichts mehr im Weg.

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