BDI-Schwenk Industrieverband sieht stärkere Rolle des Staates

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Der bislang ausgesprochen wirtschaftsliberale Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) steht offenbar vor einer politischen Neuorientierung und sieht den Staat in einer immer wichtigeren Rolle auch im Wirtschaftsleben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Tag der Deutschen Industrie in Berlin (2009) Quelle: dpa

Der bislang ausgesprochen wirtschaftsliberale Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) steht offenbar vor einer politischen Neuorientierung und sieht den Staat in einer immer wichtigeren Rolle auch im Wirtschaftsleben. Das geht aus einem 100-seitigen Diskussionspapier hervor, das unter anderem der globale Forschungschef des Siemens-Konzerns, Reinhold Achatz, erarbeitet hat und zu dem sich intern bereits BDI-Hauptgeschäftsführer Dieter Schweer und BDI-Präsidiumsmitglied Andreas Barner bekannt haben.

In dem Papier, das ein 15-köpfiges Projektteam mit Vertretern von Konzernen wie Volkswagen, RWE, Bayer, EADS und BASF erarbeitet hat und das der WirtschaftsWoche vorliegt, fordern die Manager vom Staat künftig eine deutlich aktivere Rolle. Andernfalls drohe Deutschland wichtige Teile der Wertschöpfung – der hier erwirtschafteten Gewinne, Löhne und Gehälter sowie Kapitaleinkünfte – zu verlieren. Um diese langfristig zu sichern, sei künftig ein „intelligentes und effizientes Zusammenwirken der Akteure aus Gesellschaft und Politik unverzichtbar“.

Um die bis 2030 vorhersehbaren Umbrüche etwa in der Verkehrs-, Gen-, Nano-, IT-und Kommunikationstechnik sowie der Energieversorgung wirtschaftlich zu nutzen, brauche man einen „Paradigmenwechsel“. Da einzelne Unternehmen allein „tendenziell nicht mehr in der Lage“ seien, „die entscheidenden Innovationen am Markt durchzusetzen“, komme dem Staat hier künftig eine wichtige Aufgabe zu. Vorbild sei die Nationale Plattform Elektromobilität, zu der die Bundesregierung etwa Autobauer, Chemiefirmen und Energiekonzerne zusammenschweißte, damit Deutschland beim Elektroauto nicht den Anschluss verliert.

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