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Berenberg-Chefvolkswirt Schmieding„Wir können uns eine Regierungskrise leisten“

Wegen der Unionskrise wird Deutschland seit Wochen nicht wirklich regiert. Der Wirtschaft scheint das nicht zu schaden. Im Interview erklärt Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding, wieso eine Regierung manchmal stört.Kristina Antonia Schäfer 03.07.2018 - 10:30 Uhr

Angela Merkel und Horst Seehofer schauen auf ihre Armbanduhren. Tut es der Wirtschaft vielleicht sogar gut, wenn die Politik still steht?

Foto: AP

Die deutsche Regierung kämpft sich seit Wochen durch eine Krise, doch die Finanzmärkte reagieren kaum. Wie kann das sein?
Deutschland geht es so gut, dass wir uns wirtschaftlich gesehen sogar eine Regierungskrise leisten können. Es gibt kein ökonomisches Problem, das akut gelöst werden müsste. Hinzu kommt, dass die Streitpunkte zwischen den Parteien keine wirtschaftlich relevanten Fragen betreffen. Ob Asylbewerber, die schon in Italien registriert sind, direkt an der Grenze zurückgeschickt werden oder möglicherweise erst nach einem längeren Verfahren, hat praktisch keinerlei Konsequenzen für die deutsche Wirtschaft.

Ist es also letztlich egal, wer Deutschland gerade regiert – oder ob es überhaupt regiert wird?
Es ist natürlich nie ganz egal, wer das Land regiert. Aber in Deutschland sind die politischen Ränder wie die AfD oder die Linkspartei, also die mit einer komplett anderen wirtschaftlichen Agenda, weiterhin relativ klein im internationalen Vergleich. Das Risiko, dass nach einer politischen Krise die politischen Ränder bei uns die Politik bestimmen könnten, ist zum Glück praktisch null. Und die anderen großen Parteien sind in Wirtschaftsfragen hinreichend nah beieinander, dass keine Koalition, die in Deutschland denkbar ist, eine wirtschaftspolitische Revolution bedeuten würde.

Wirtschaftspolitisch herrscht seit Monaten Stillstand, trotzdem laufen Finanzmarkt und Konjunktur auf sehr hohem Niveau. Es wirkt fast, als gehe es der Wirtschaft besser, wenn niemand hineinregiert.
In gewissem Sinne stimmt das sogar. Dem Land geht es gut. Die Chance, dass durch wirtschaftspolitisches Handeln etwas erheblich besser wird, ist leider gering. Das Risiko, dass sich durch wirtschaftspolitisches Handeln hingegen etwas verschlechtert, ist durchaus vorhanden. Deshalb ist eine Periode, in der das Land ordentlich verwaltet wird, aber nicht kraftvoll in die eine oder andere Richtung gesteuert wird, aus wirtschaftlicher Sicht durchaus verkraftbar. Natürlich hat Deutschland auf Dauer erheblichen Reformbedarf, beispielsweise bei Pflege, Rente oder Digitalisierung. Aber erstens gehen würde wirtschaftspolitisches Handeln gerade bei der Rente wohl bedeuten, dass zusätzliche Belastungen für die Wirtschaft geschaffen werden. Und zweitens sind diese Probleme nicht so akut, dass sie nicht noch ein paar Monate warten könnten.

Verhandlungsexperte zur Koalitionskrise

„Kein Gewinner, nur Überlebende“

Seehofer, Dobrindt und Söder ziehen im Streit um die Asylpolitik nicht an einem Strang, glaubt Verhandlungsexperte Thorsten Hofmann. Am Ende würden alle Beteiligten verlieren, inklusive Angela Merkel an Glaubwürdigkeit.

von Ferdinand Knauß

Könnte die Regierungskrise so eskalieren, dass es die Märkte erschüttert? Oder sind tatsächlich alle Optionen schon eingepreist?
Nachhaltige Auswirkungen auf unsere Finanzmärkte sehe ich aktuell nicht. Aber die Folgen einer politischen Instabilität in Deutschland wären möglicherweise auf europäischer Ebene sichtbarer als in Deutschland selbst. Ob es jetzt einige Reformen der Eurozone oder der EU gibt, ist für Deutschland relativ unwichtig. Für Italien etwa ist es möglicherweise von größerer Bedeutung.

Was könnte passieren? Erste Beobachter orakeln, dass der Euro scheitern könnte.
Nein, der Euro als solches steht nicht auf dem Spiel. Was aber im Extremfall auf dem Spiel stehen könnte, ist die Mitgliedschaft Italiens im Euro. Zwar halte ich einen Euro-Austritt Italiens für sehr unwahrscheinlich. Doch so merkwürdig es klingen mag: Italien ist durch die Auswirkungen einer politischen Krise in Deutschland gefährdeter als Deutschland selbst. Theoretisch könnte ein ausufernder Streit mit Italien über Migration dort radikalen Euro-Gegnern Auftrieb geben. Die Finanzmärkte könnten dann unruhiger werden.

Die Reaktionen auf die Unions-Einigung im Asylstreit
„Ein Auseinanderbrechen der deutschen Regierung, knapp 100 Tage nach ihrem Amtsantritt, wurde zwar fürs Erste verhindert, aber die Spannungen innerhalb des Regierungslagers sind damit keineswegs aus dem Weg. Dies schadet Deutschland nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich. Diese Spannungen schädigen die Handlungsfähigkeit der Bundesregierung - und dies gerade in Zeiten, in denen diese viele wichtige Entscheidungen treffen muss. Die Krise schafft eine enorme Unsicherheit für die Wirtschaft, was bereits jetzt zu einem Rückgang der Investitionen und des Wirtschaftswachstums beiträgt. Die Spannungen zwischen den Regierungsparteien schaden nicht nur Deutschland, sondern auch Europa, da die Glaubwürdigkeit der deutschen Regierung und der Bundeskanzlerin dadurch beschädigt wird“, so Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).
„Die große Koalition muss endlich aus dem Krisenmodus der vergangenen Wochen herausfinden und ihrer Verantwortung für das Land gerecht werden. Die Flüchtlingsfrage ist bei weitem nicht das einzige Problem“, sagt Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands Mittelständischer Wirtschaft (BVMW). „Denn: Die Konjunktur trübt sich bedenklich ein, bei der Digitalisierung liegen wir deutlich zurück, der Fachkräftemangel kostet Wachstum und die aufkommenden Handelskonflikte bedrohen unsere Exporte. Auch auf europäischer Ebene stehen große Aufgaben an, wie der Brexit. Angesichts dieser Herausforderungen braucht Deutschland dringend eine handlungsfähige, stabile Regierung.“
„Aus wirtschaftlicher Sicht ist es zunächst erfreulich, dass die Regierungskrise überwunden scheint. Doch es bleibt erschreckend, wie wenig an inhaltlicher Substanz dazu gehört, eine derartige Krise auszulösen. All dies sind Menetekel eines Verfalls des politischen Systems, wie wir es kennen. Insofern bleibt die Unsicherheit trotz lautstarker Kompromissverkündung letztlich bestehen. Deutschland und Europa gehen ungewissen Zeiten entgegen“, sagte Gustav Horn, Leiter des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung.
„Eine europäisch koordinierte Asylpolitik hat ökonomische Vorteile. Im Konflikt um die deutsche Asylpolitik stand die Frage im Mittelpunkt der politischen Debatte, ob das Land die Ziele seiner Asylpolitik auch im nationalen Alleingang erreichen könnte. Abgesehen von den Kosten von Grenzkontrollen im Binnenmarkt, trägt eine funktionierende europäische Flüchtlingsaufnahme zur Stabilisierung überlasteter Staaten wie Libanon und Jordanien bei. Diese Stabilisierung ist auch von erheblichem ökonomischen Nutzen für Europa. Hinzu kommt, dass ein europäischer Ansatz den EU-Mitgliedstaaten eine Versicherung gegen hohe Kosten zukünftiger neuer Flüchtlingskrisen bieten kann“, meint Friedrich Heinemann, Ökonom am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.
Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Reiner Hoffmann, kritisiert die von der Union angestrebten Transitzentren. Diese würden „kaum die Lösung sein“, sagt er dem Wirtschaftsnachrichtenportal Business Insider. „Es ist dringend notwendig, dass die Fluchtursachen endlich wirksam bekämpft werden.“
„Ich begrüße die Einigung von CDU und CSU ausdrücklich und hoffe, dass die Koalition dies jetzt aber auch sehr zügig mit der erforderlichen Rechtssicherheit umsetzt“, sagte Gewerkschaftschef Ernst Walter dem „Handelsblatt“. Er sei außerdem „sehr froh“ darüber, dass CSU-Chef Horst Seehofer „Haltung gezeigt hat, nicht zurückgetreten ist und weiter unser Innenminister bleibt“.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bewertete die geplante Einrichtung von Transitzentren für Flüchtlinge an der deutsch-österreichischen Grenze skeptisch. „Das ist ein alter Hut“, sagte der stellvertretende Gewerkschaftsvorsitzende Jörg Radek der „Mitteldeutschen Zeitung“. Auch beschränke sich das Vorhaben nur auf die deutsch-österreichische Grenze. Radek fügte hinzu: „Meine Befürchtung ist, dass der Grenzschutz zur Symbolpolitik missbraucht wird. Das gilt auch für Transitzentren.“
Die SPD zeigt sich offen für den Einigungsvorschlag der Union, sieht laut Fraktionschefin Andrea Nahles aber noch „erheblichen Beratungsbedarf“. Die von der Union geforderten Transitzentren für Flüchtlinge an der deutsch-österreichischen Grenze seien „nicht derselbe Sachverhalt, nicht dieselbe Gruppe“ wie auf der Höhe des Flüchtlingszuzugs 2015/2016, sagt Nahles nach einer Fraktionssitzung in Berlin. „Deshalb lehnen wir den Begriff auch ab.“
Die von CDU und CSU vereinbarten Regeln läuten aus Sicht der AfD keine Trendwende in der Asylpolitik ein. Parteichef Jörg Meuthen sagte der Deutschen Presse-Agentur, Seehofer habe von der CDU „nur ungedeckte Schecks erhalten“. Deutschland werde sich auch in Zukunft schwer damit tun, Asylbewerber, die einmal die Grenze passiert haben, wieder außer Landes zu bringen. Auch durch die Unterbringung in grenznahen Transitzentren von Menschen, die eigentlich in einem anderen EU-Land ihr Asylverfahren durchlaufen müssten, werde dieses grundlegende Problem nicht gelöst. Er könne sich zudem nicht vorstellen, dass die österreichische Regierung eine Zurückweisung von Ausländern an der Grenze akzeptieren werde, sagte Meuthen.
Die Grünen haben den Kompromiss massiv kritisiert. Der Vorsitzende Robert Habeck sieht darin einen Aufguss alter Ideen: „CDU und CSU haben einen Vorschlag von 2015 rausgekramt und verkaufen das als Einigung“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Diesen alten Kram kippen sie nun der SPD vor die Füße und sagen: Super, das ist es jetzt. Dabei hat die SPD Transitzonen explizit als Massenlager abgelehnt. Arme SPD.“ Nach dem „Theater“ der vergangenen Wochen, mit dem Deutschland und Europa destabilisiert worden seien, „ist das einfach hanebüchen.“ Habecks Amtskollegin auf dem Parteivorsitz, Annalena Baerbock, nannte in der Nacht zu Dienstag die geplanten Transitzentren „Internierungslager“. Die Union „verabschiedet sich vom Wertekompass unseres Landes“, schrieb sie im Internetdienst Twitter. „Einen Innenminister zu halten, der sein Amt für CSU-Rechtsruck missbraucht, ist kaum zu ertragen.“
Von der Linkspartei kommt Kritik: „Der Machtkampf in der Union ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten“, erklären die Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger. „Nach dem Rücktritt vom Rücktritt belohnt Bundeskanzlerin Merkel das Schmierentheater der CSU mit weiteren Zugeständnissen und rückt damit die Politik weiter nach rechts.“

Nun ist ja nicht nur die Lage in Europa instabil. Weltweit nimmt die Unsicherheit zu, wir schlittern geradewegs in einen Handelskrieg. Wie kommt es, dass selbst das kaum Auswirkungen hat?
Gewisse Bremsspuren des Handelsstreits sehen wir schon. Das Geschäftsklima hat sich sichtbar eingetrübt. Wir haben zudem eine Korrektur an den Finanzmärkten. Dramatisch würde ich das aber nicht nennen. Die wirtschaftliche Expansion hatte voriges Jahr ein so hohes Tempo erreicht, dass das Abbremsen nur dazu führt, dass wir jetzt mit normaler Geschwindigkeit weiterfahren. Bisher ist im Handelskonflikt zum Glück noch wenig passiert. Es sind kaum Zölle verhängt worden. Aber die Angst vor einem Handelskrieg wiegt schwer.

Offenbar muss viel geschehen, bis die Märkte reagieren. Täuscht der Eindruck, oder haben die Finanzmärkte sich ein Stück vom politischen Geschehen entkoppelt?
In einer akuten Finanzkrise oder einer echten Wirtschaftskrise hängen Finanzmärkte und Politik sehr eng aneinander. Das war 2008 sichtbar und besonders während der Eurokrise. Aber in einer guten konjunkturellen Lage, wie wir sie momentan nahezu weltweit genießen, sind Finanzmärkte und Konjunktur nicht ganz so abhängig von einzelnen politischen Entscheidungen und kleineren Krisen. Das ändert sich, wenn es um grundsätzliche Fragen gehen sollte wie den Zusammenhalt des Euro oder die künftige Welthandelsordnung. Dann gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen Finanzmärkten und Politik.

Sixt ist bekannt für seine Werbemotive. Doch nicht aus jeder frechen Idee wird eine Anzeigenkampagne. Dieses Motiv zum Beispiel wurde verworfen. Der Entwurf thematisiert den Rücktritt von Reinhard Grindel als DFB-Präsident. Grindel war Anfang April wegen der Annahme einer Luxus-Uhr von einem ukrainischen Oligarchen als Präsident des Deutschen Fußballbunds zurückgetreten, am 10. April gab er auch seine Ämter bei der Fifa und der Uefa ab. Eine hohe Schadenersatzzahlung wollte Sixt nicht riskieren – denn Grindel wehrt sich gegen die Korruptionsvorwürfe.

Foto: WirtschaftsWoche

Wegen des Motiv einer von einer Cabriofahrt zerzausten Angela Merkel gab es schon einmal Ärger für die Familie Sixt. Erich Sixt präsentierte sich im Februar 2019 vor dem Bild. Das Unternehmen testet seit längerem die Anmietung und Abholung von Mietautos per App.

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Rücktritt? Oder nicht Rücktritt? Das Hin und Her um einen Rückzug Horst Seehofers als Bundesinnenminister im vergangenen Sommer war dem Autovermieter Sixt einen ironischen, aber schon fast zahmen Seitenhieb wert.

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Nach dem Wirbel um die Äußerungen des AfD-Vizes Alexander Gauland über den deutschen Fußballnationalspieler Jérôme Boateng ("Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.") im Sommer 2016 kommt Autovermieter Sixt gut eine Woche später mit einer humorvollen und passenden Werbung daher - für Umzugswagen.

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Der Autovermieter nutzt das #Merkelmeme, dass nach dem G7-Gipfel durch die sozialen Netzwerke geisterte, für sich: Anlässlich der Hauptversammlung verspricht Sixt eine dicke Dividende. An der Behauptung entzündet sich Kritik: Im Verhältnis zum aktuellen Aktienkurs am 10. Juni 2015 zahlt Sixt eine Dividendenrendite von etwas über drei Prozent. Das ist ordentlich, aber im SDAX – dem Vergleichsindex, in dem der Wert notiert ist – gibt es andere Werte, die glänzen.

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Auch, als im April 2015 zum siebten Mal der Bahnstreik die Republik lahm legte, war das Grund genug für Sixt, Claus Weselsky erneut zum Mitarbeiter des Monats zu ernennen.

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Zum neunten Mal kommt es im Mai 2015 im Tarifkonflikt zwischen Deutscher Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL zum Arbeitskampf. Auf Twitter kursiert ein Bild, das eine witzige Reaktion des Autovermieters Sixt darauf zeigt: Ein Miet-Lkw der aussieht, als ob er einen Bahn-Waggon an Bord hätte, zusammen mit dem Spruch: "Die Bahn kommt".

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Nachdem der EZB-Präsident Mario Draghi Anfang 2015 die Geldschleusen geöffnet hat und damit die Kritik vieler deutscher Ökonomen auf sich zog, zeigt auch Sixt sich einfallslos. „Lieber Herr Draghi, bei diesen Summen fällt selbst uns nix mehr ein!“ –allerdings stapelt der Autovermieter tief. Denn eingefallen ist ihm doch noch etwas...

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„Zwei Italiener, die schlaflose Nächte verursachen. (Einen davon gibt's günstig bei Sixt)“ – geschickt spielt Sixt mit der Angst der Deutschen um ihre Ersparnisse nach der EZB-Geldschwemme und der Vorliebe des ein oder anderen für schnelle Autos, in diesem Fall ein Maserati GranCabrio in sportlichem Rot. Der kostet neu immerhin rund 130.000 Euro, was gegen die Billionen, die die EZB in die Märkte spült, wie Kinkerlitzchen anmutet. Mieten kann man ihn sogar noch günstiger.

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Im Zuge der GDL-Verhandlungen mit der Deutschen Bahn hat sich Sixt einen Slogan einfallen lassen, der aufhorchen lässt. Der Spruch "HDGDL" steht vermutlich nicht dafür, dass das Unternehmen den Streik der Lokführer unterstützt. Vielmehr scheint sich Sixt bei der GDL bedanken zu wollen. Statt sich auf die Deutsche Bahn zu verlassen, möchten viele Kunden nicht das Risiko von Verspätungen in Kauf nehmen und mieten stattdessen auch mal ein Auto.

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Auf diesem Motiv aus dem Jahre 2009 ist die damalige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt zu sehen. Der Werbespruch "Versprochen: Nächstes miete ich bei Sixt" bezog sich auf die Kritik, ihren Dienstwagen in den Jahren 2004 bis 2008 im Urlaub genutzt zu haben.

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Pleite ist er, der Roberto Blanco. Das stand schon im Juni groß in den Boulevard-Zeitungen. Im neuen Werbe-Film von Sixt macht der 77-Jährige aus seiner Not eine Tugend und schlägt gleich noch ein bisschen Geld raus. Im Video rappt er Zeilen wie “Roberto ist blanco, nix mehr auf der Banko” und macht Werbung für die Cabrio-Angebote des bekannten Autovermieters. Denn: "Ein bisschen spar'n muss sein" - zumindest wenn die Ex-Frau angeblich das ganze Geld hat.

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Wer den Schaden hat, braucht für den Spott bekanntlich nicht zu sorgen. So findet sich denn auch auf der Facebook-Seite des Autovermieters dieser Tage eine Anspielung auf das Ende der ZDF-Unterhaltungsshow "Wetten, dass..?" mit den Worten: "Unsere Außenwette". Der Show-Klassiker soll im Dezember nach fast 34 Jahren Laufzeit eingestellt werden. Zuletzt wollten immer weniger Zuschauer die Sendung mit Moderator Markus Lanz sehen, der in die Fußstapfen des Entertainers Thomas Gottschalk getreten war.

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"Wir finden: Auch ohne macht er eine gute Figur" schreibt der Autovermieter auf Sixt und spielt darauf an, dass der US-Schauspieler Leonardo Di Capri bei der Oscar-Verleihung wieder leer ausgegangen ist. Er war schon mehrfach nominiert - das erste Mal 1994 als bester Nebendarsteller in "Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa". Nun für seine Rolle in „Wolf of Wall Street“.

Foto: Sixt

Mit seiner Kampagne im September 2013 veräppelte Sixt die FDP, die bei der Bundestagswahl ein Fiasko erlebte. Die Liberalen flogen aus dem Bundestag - und damit hat der Mercedes nun in der Tat mehr Sitze als die FDP. Dieses Motiv veröffentlichte der Autovermieter auf seiner Facebook-Seite mit den Worten: "Bei uns kann man Sitze anmieten. Wir sind da ganz liberal."

Foto: Screenshot

Der nach sieben Jahren aus der Psychiatrie entlassene Gustl Mollath macht unfreiwillig Werbung. Eine Anzeige des Autovermieters Sixt in der „Süddeutschen Zeitung“ zeigt ein Porträt des 56-Jährigen mit dem Text „Wenn hier jemand verrückt ist, dann der Sixt mit seinen Preisen“. Das Zitat sei frei erfunden und die Werbeaktion nicht abgesprochen, sagte Mollaths Anwalt Gerhard Strate der dpa und kündigte presserechtliche Schritte an. Vor allem die Verwendung des Begriffs „verrückt“ halte er im Zusammenhang mit seinem Mandanten für höchst problematisch. Es ist nicht das erste Mal, dass Sixt Menschen ohne deren Wissen vor seinen Werbekarren spannt.

Foto: WirtschaftsWoche

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit einer Bemerkung über das Internet für heitere und spöttische Reaktionen im Netz gesorgt. „Das Internet ist für uns alle Neuland“, sagte Merkel am Mittwoch auf eine Frage zum Internet-Spähprogramm „Prism“ bei einer Pressekonferenz mit US-Präsident Barack Obama im Kanzleramt. Nutzer des Online-Netzwerkes Twitter griffen die Bemerkung hundertfach auf. Das Schlagwort „#Neuland“ wurde zum meistdiskutierten Begriff auf Twitter in Deutschland. Auch der Autovermieter Sixt zieht mit und nutzt den Hype kurzerhand für eine Werbung für einen Miet-SUV: "Für alle, die #Neuland entdecken wollen."

Foto: Screenshot

"Habemus Sixt. Reservieren Sie Ihr Papamobil zu Ostern.“ Kaum hat sich die Konklave auf Papst Franziskus geeinigt, reagiert der Münchner Autovermieter auf seiner Website auf die Wahl des neuen katholischen Kirchenoberhauptes. Dazu ein Bild einer schwarzen Limousine, aus deren Auspuff weißer Rauch aufsteigt - eine Anspielung auf das Ritual zur Papstwahl, bei der weißer Rauch anzeigt, dass der neue Papst feststeht.

Foto: Presse

Mit dieser Werbekampagne aus dem Jahr 2007 bedankt sich bei der Lokführer-Gewerkschaft GDL für die Kunden, die nun statt mit der Bahn, mit einem Leihwagen von SIXT fahren.

Foto: dpa

"Liebe Griechen, Sixt akzeptiert wieder Drachmen!" - mit diesem Slogan warben die Münchner für die Ausleihe eines BMW-Cabrios. Längst nicht alle Griechen konnten darüber lachen.
Doch der Autovermieter hat Erfahrung mit provokanten Kampagnen. Es ist nicht die erste umstrittene Werbe-Aktion des Autovermieters.

Foto: Sixt

Immer wieder eines der prominentesten Opfer: Die damalige CDU-Bundesvorsitzende und heutige Kanzlerin Angela Merkel.

Foto: Sixt

... Sixt verpasst ihr im Jahre 2001 eine neue Frisur.

Foto: Sixt

Der Sänger Matthias Reim musste im Jahre 2007 Privatinsolvenz anmelden. Sixt nahm den Sänger mit ins Boot und bewarb in einer Werbeanzeige eine leicht abgewandelte Version des Reim-Hits "Verdammt, ich lieb Dich".

Foto: Sixt

Mit einem Tritt mitten in die Männlichkeit warb Sixt für schnelle Cabrios.

Foto: Sixt

Sixt will Politikern helfen und deren Fuhrparkkosten senken.

Foto: Sixt

Auch der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder wurde "Opfer" einer Sixt-Werbeanzeige.

Foto: Sixt

Klare Sache: Sixt hat Autos für Ärzte. Und zwar auch noch ... nach der Gesundheitsreform!

Foto: Sixt

Was Sixt mit der Vorher/Nachher-Aktion um Heino und Roberto Blanco sagen wollte, ist stark interpretationsfähig.

Foto: Sixt

Nur auf den ersten Blick eine Shampoo-Werbung: Mit viel Frau und viel Haar warb Sixt für seine zu mietenden BMW Cabrios.

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Sixt bleibt stets aktuell, so auch als der Vulkanausbruch des isländischen Eyjafjallajökull so manchem Urlauber die Ferien zu verderben drohte.

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Der Autovermieter und Leasingsanbieter Sixt wurde bereits im Jahre 1912 als "Sixt Autofahrten und Selbstfahrer" gegründet. Heute erinnern Anzeigen des Unternehmens an den Geist der vergangenen Zeit.

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Einen Mercedes-Benz gab es anno 1940 für 49 Reichsmark zur Miete. Im Hintergrund besang Zarah Leander das Wunder.

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Im Jahre 1954 ist das deutsche Wirtschaftswunder im vollen Gange. Den passenden Mietwagen gibt es von Sixt, zum Beispiel einen Mercedes SL, da staunen sogar die Schäfchen im Hintergrund.

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Piloten sind als Werbeträger bei Sixt schon immer gern gesehen. Schon 1959 steigt der Pilot aus der Lufthansa-Maschine und in den Mercedes SL - natürlich von Sixt - rein.

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Knappe Kleider, knappe Preise: Schon in den 1960er Jahren setzt Sixt auf sexy Werbung.

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Dieses Zitat hätte Karl Marx den Werbern von Sixt nicht abgenommen.

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Diese Werbung wird dem einen oder anderen Herren gefallen haben.

Foto: Sixt

Nicht nur die Werbeanzeigen von Sixt strotzen von Humor, auch dem Internetauftritt des Unternehmens lässt sich der eine oder andere Spaß entlocken.

Foto: Sixt

Sixts Antwort auf den Pilotenstreik: "Unterbezahlt? Werden Sie Chauffeur bei Sixt!"

Foto: Sixt

Holger Jung und Jean-Remy von Matt von der Werbeagentur Jung von Matt sind für die Werbekampagnen von Sixt verantwortlich. Hier nehmen sie sich selbst aus Korn.

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Nun sollen ja immer mehr neue Zölle in Kraft treten. Wann ist ein kritischer Punkt erreicht?
Kritisch würde es dann, wenn die USA weit über die bislang diskutierten Zölle hinausgehen. Zölle auf Autoeinfuhren aus Europa würden bereits zeigen, dass ein Handelskrieg begonnen hat. Aber der Schaden dadurch wäre wahrscheinlich selbst für die deutsche Wirtschaft noch begrenzt. Wir sprechen von weniger als 0,2 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung. Wenn es jedoch darüber hinausgeht, müssen wir uns auf längere und stärkere Wirtschaftseinbußen einstellen, und zwar auf beiden Seiten des Atlantiks. Aus weltwirtschaftlicher Sicht ist dieses Thema deutlich wichtiger als die Frage, ob die CSU in Berlin mitregiert oder nicht.

Holger Schmieding ist Chefvolkswirt bei der Berenberg Bank in London.

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