WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen
Berlin intern

Schau gegen Scheu

Seite 2/2

Bildung, Bildung, Bildung

Wirtschaftsminister Philipp Roesler (FDP) spricht in Berlin beim Deutschen Arbeitergebertag 2011 Quelle: dapd

Dem wartenden FDP-Vorsitzenden Philipp Rösler empfiehlt er, der solle sich vorsorglich „Oropax in die Ohren stopfen“, denn die Steuerbeschlüsse der Koalition seien „verteilungspolitischer Schwachsinn“. Die Entlastung um sechs Milliarden Euro mache für den Einzelnen gerade mal eine Tasse Kaffee aus, an der kalten Progression ändere sich wenig.

„Das halten Sie für richtig?“, fragt er rhetorisch das Publikum, „ich nicht!“ Da rührt sich keine Hand zum Beifall, vielleicht auch, um den FDP-Chef nicht zu düpieren. Aber gleich darauf klatschen die Arbeitgeber, als Steinbrück vorschlägt, der Bund solle die sechs Milliarden „besser investieren in die drei wichtigsten Themen: Bildung, Bildung, Bildung“.

Als Nachredner, wenn auch nicht als übler, hat es der amtierende Wirtschaftsminister schwer. Neben einem Dauerbekenntnis zur Marktwirtschaft geht Rösler so richtig in die – Defensive. Steinbrück habe ja schon die „kritischen Themen des Koalitionsgipfels“ aufgezählt, er nenne „die positiven Beschlüsse“.

Mehr als Steuersenkung

Und beschränkt sich dann auf die geringere Gehaltsschwelle für einwanderungswillige Facharbeiter. Dass seine Weigerung, die „kritischen“ Steuerbeschlüsse offensiv zu verteidigen, keine Ironie war, beweist Rösler einige Minuten später: „Ich habe meiner Partei so etwas wie eine Abklingphase in Sachen Steuerpolitik verordnet.“ Schließlich sei soziale Marktwirtschaft mehr als Steuersenkung.

Auch Rösler erwähnt das deutsche Geschäftsmodell der Ausfuhrmaximierung. „Ich werde mich nicht in der Welt für die Exporterfolge der deutschen Wirtschaft entschuldigen“, ruft er unter Beifall.

Und schiebt dann zum Erschrecken des Publikums nach, statt den deutschen Weg der Stärke zu kritisieren, sollten am besten doch auch die anderen Länder Exportüberschüsse erzielen. Wie das funktionieren soll, bleibt der Minister freilich schuldig.

In der Medizin, Röslers angestammtem Feld, ist das einfacher: Da können alle gleichzeitig gesund sein.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%