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Berlin intern

Der Preis der Politik

Henning Krumrey Ehem. Redakteur

Auch Parteileute und Regierungspersonal sehnen sich nach Zuneigung und Anerkennung. Der Politik Award pflegt die geschundene Seele des Volksvertreters.

Bundesumweltminister Peter Altmaier beim Beginn des Bundeskongresses der Energiegenossenschaften Quelle: dpa

Deutschland sucht den Superstar, das Supertalent, Leute mit dem X-Factor. Alles Auszeichnungen für echte oder eingebildete Stars. Da will die politische Klasse nicht leer ausgehen. Früher gab es kaum Ehrungen für Abgeordnete und Regierungspersonal. Das "goldene Mikrofon" für die beste Rhetorik verlieh die Deutsche Rednerschule, ansonsten blieb nur Folkloristisches wie der "Oldenburger Grünkohlkönig", der "Orden wider den tierischen Ernst" oder der "Ritter der Coprayer Hofrunde". Und der Titel "Pfeifenraucher des Jahres". Doch seit sich Politiker nicht mehr gern mit Pfeifen zeigen, ist der tabu.

Umso schöner, dass der Politik Award das politische Geschäft prämiert (Denglisch muss sein, sonst macht er nix her): Jedes Jahr kürt eine Jury den Politiker und den Aufsteiger des Jahres, den Nachwuchsstar und den Lebenswerk-Senior.

"Ich hätte das Ego von Steinbrück nicht ertragen"

Diesmal geriet die Preisverleihung zur kurzweilig-interessanten Sause. Politik-Berater Klaus-Peter Schmidt-Deguelle nutzte seine Aufsteiger-Laudatio auf Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten Torsten Albig zu Attacken aufs Personal ihrer gemeinsamen Partei, der SPD. Schmidt-Deguelle, der dem Finanzminister Hans Eichel diente, aber im Gegensatz zum damaligen Pressesprecher Albig vor dessen Nachfolger Peer Steinbrück flüchtete, lobte die ausgleichende Art des Preisträgers. "Ich hätte das Ego von Steinbrück nicht ertragen, du hast es für die Mitarbeiter in der Wilhelmstraße erträglich gemacht." Albig habe Steinbrück auch von der Kanzlerkandidatur abgeraten. "Heute würden manche sagen: ‚weitsichtig‘."

Nicht weniger bunt war das Interview des Abend-Moderators Hajo Schumacher mit dem "Politiker des Jahres", obwohl der nur vom Deutschland Dinner des "Handelsblatts" im fernen Hamburg zugeschaltet wurde: Peter Altmaier, das fröhliche Schwergewicht der Union. Der berichtete, er habe schon einmal eine Auszeichnung erhalten, als Schüler: den Scheffelpreis für seinen Aufsatz über das Thema: "Es ist ein selbstverständliches Anliegen der Jugend, die Ordnung der Autoritäten zu provozieren." Und heute "sagt mir mein Pressesprecher, dass ich jetzt auch zu den Autoritäten gehöre".

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