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Berlin intern

Der Tod der letzten Anti-Kommunisten

Mit Alexander Solschenizyn hat die Welt jemanden verloren, der wusste, was Kommunismus und Unfreiheit bedeuten. Das Wegsterben solcher Personen hilft der Sozialismus-Renaissance.

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Natürlich ist der russische Dichter und Nobelpreisträger Solschenizyn kein Marktliberaler gewesen. Aber er war Kronzeuge für die Vernichtungswelt des Kommunismus und verdeutlichte die Unterscheidung zwischen kollektivistisch-sozialistischer Unfreiheit und dem Wert der Freiheit.

Wo diese Persönlichkeiten aussterben, drängt, wie nach einer Ebbe, die neue Flut sozialistisch-utopistischer Schönredner in das Leben zurück. Es scheint so, als habe nicht die freiheitlich-demokratische Tradition und das dazugehörige wirtschaftliche Modell der sozialen Marktwirtschaft nach dem Ende des Kalten Krieges gesiegt, sondern heute feiert ein nur neu ettikettierter, nicht mehr ganz so brutal-hässlicher Sozialismus fröhliche Urständ. Dass weite Teile der SED-PDS-Linkspartei-Vertreter so denken und handeln, verwundert niemanden. Das eigentlich Fatale aber ist: Diese Gruppierung wird nicht inhaltlich auseinandergenommen und dahin katapultiert, wo sie hingehört – auf den Müllhaufen der Geschichte –, sondern das sozialistische Gift hat auch die klassischen Volksparteien erreicht, die den Wert der Freiheit in Politik und Wirtschaft kaum noch offensiv verteidigen.

Schon lange gewinnen die DDR-Verharmloser an Zuspruch. Kaum noch jemand wagt die DDR als das zu bezeichnen, was sie war: die zweitmieseste Diktatur auf deutschem Boden. Stattdessen fördert nun eine Studie der FU Berlin erschreckendes Unwissen deutscher Schüler über den Unrechtscharakter des SED-Regimes zu Tage – mit großen regionalen Unterschieden: So wissen bayrische Hauptschüler mehr über dieses System als brandenburgische Gymnasiasten. Auch im Alltag ist jeder zwar wach, wenn es gegen „rechts“ geht, aber über anderes regt sich kaum jemand auf. Dass zum Beispiel bei der Verkehrserziehung an brandenburgischen Schulen von Polizei und ADAC immer noch alte DDR-Zertifikate verteilt werden. Dort steht wörtlich: „Es entspricht dem humanistischen Grundanliegen der sozialistischen Gesellschaft, Leben und Gesundheit der heranwachsenden Generation vor allen Gefahren zu schützen.“

Es stört sich auch niemand daran, dass es im Osten Deutschlands immer noch 500 Karl-Marx-Straßen gibt oder der ehemalige KPD-Chef Ernst Thälmann mit 613 Straßen, der stalinistische Gleichschalter Wilhelm Pieck noch immer mit 90 und der Niederschläger des Volksaufstands vom 17. Juni 1953, Otto Grotewohl, mit 17 Straßen gefeiert werden. Soziale Romantik bestimmt das Bild in Deutschland. Weil das Bürgertum schweigt, die Wirtschaft den Streit verweigert, dürfen sich Gysi, Lafon-taine und Co. im Superwahljahr 2009 auf reiche Ernte freuen.

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