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Berlin intern

Die Angst der Freien Wähler vor der AfD

Henning Krumrey Ehem. Redakteur

Die Freien Wähler auf Tingeltour durch die Hauptstadt. Der Machtfaktor in süddeutschen Kommunen fühlt sich bundespolitisch vernachlässigt.

Der Bundes- und Landesvorsitzende der Freien Wähler, Hubert Aiwanger Quelle: dpa

Überraschend kommt zuerst die Mail, dann der Besuch: Der Vorsitzende möchte sich gern bekannt machen und die Ziele seiner Partei vorstellen. Er ist die Alternative – nicht die für Deutschland, sondern zur Alternative für Deutschland, zur AfD.

Hubert Aiwanger hat erkannt, dass allein eine starke Stellung in Kommunen und Erfolge bei der bayrischen Landtagswahl nicht ausreichen, um bundesweit Prozente zu machen. Also geht der Chef der Freien Wähler Klinkenputzen. Ein mühsames Geschäft, aber bisweilen auch einträglich. Immerhin bringt es den Platz in dieser Kolumne.

Der Start des Gesprächs ist ungewöhnlich. Aiwanger packt nicht als Erstes seine stärksten Argumente aus, sondern Kugelschreiber und Werbekarten mit seinem Konterfei. Am Stehtisch in der Fußgängerzone immer ein Renner, gegenüber Politikjournalisten eher ungewöhnlich.

Betrübt hat Aiwanger registriert, dass seine Truppe bundespolitisch kaum Aufmerksamkeit erringt, während die AfD auf Titelseiten kam und deren Chef Bernd Lucke schon in fast jeder Talkshow saß. Und das, obwohl die Freien Wähler zuerst da waren mit der Euro-Rettungsskepsis und noch das realistischere Konzept hätten. Sie wollen nämlich weder Deutschland noch arme Sünder wie Griechenland aus der Währungsgemeinschaft entfernen, sondern mittels einer Parallelwährung für Ordnung sorgen. „Wir können diesen Weg des radikalen Populismus nicht vertreten“, kritisiert Aiwanger die AfD.

Deshalb scheiterte auch die Zusammenarbeit der beiden bürgerlichen Protestbewegungen. Zudem passte es auch nicht so recht zwischen den beiden Alpha-Männchen. „Der hätte ja gleich Co-Vorsitzender werden wollen“, argwöhnt der Bayer über den Hamburger. „Ich glaube immer mehr, die AfD ist von Banken und CSU-Kreisen gesteuert, um uns mit deren radikaleren Forderungen klein zu halten.“ Nach dem Auftauchen der AfD seien etliche Euro-Skeptiker der Freien Wähler dorthin weitergezogen.

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