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Berlin Intern

Die FDP schlägt um sich

Christian Ramthun
Christian Ramthun Redakteur Wirtschaft & Politik (Berlin)

Unsere Volksvertreter sind im Umgang untereinander nicht zimperlich, erst recht nicht die Liberalen. Da bringt ein neues Buch einen Schimmer von Hoffnung.

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Der ehemalige Landesvorsitzende der schleswig-holsteinischen FDP Jürgen Koppelin Quelle: dpa

Die Steigerung von Feind ist bekanntlich Parteifreund. Was aber ist die Steigerung von Parteifreund, quasi der Superlativ? Die Antwort lautet: FDP-Mitglied. Beim laufenden Mitgliederentscheid zu den Euro-Hilfen scheint endgültig auseinanderzuwachsen, was bei den Liberalen nicht zusammengehört.

Hochemotional geht es auf den annähernd 200 Info-Veranstaltungen her, ausgezählt werden die Stimmen (und die FDP?) nach dem 13. Dezember.

Aber auch im Tagesgeschäft tun sich individualistische Liberale schwer, einander zu ertragen. Manche werden dabei richtig kreativ. Jürgen Koppelin, seit fast 50 Jahren FDP-Mitglied, bringt nun ein Buch mit Werken seines Parteifreundes Volker Wissing heraus.

Das langsame Sterben der FDP
Unterstützer von Christoph Meyer auf einer FDP-Veranstaltung
FDP-Mitglieder auf einer Wahlveranstaltung
Christoph Meyer
Christoph Meyer & Philipp Rösler
Wahlkampfplakate der FDP-Gegner
CDU-Plakate in NRW
Christoph Ahlhaus

Zweite Auflage mit zehn Büchern

Auf mehr als 200 Seiten dokumentiert der liberale Bundestagsabgeordnete die gesammelten Pressemitteilungen seines Kollegen und schreibt: „Mir war es ein Bedürfnis, endlich zu zeigen, dass unser Land keine Sorge um seine Zukunft haben muss, wenn täglich um 10.27 Uhr wie eine Morgenandacht der große Liberale Volker Wissing klar und verständlich nicht vor der Verantwortung davonläuft.“

Inzwischen bereitet Koppelin die zweite Auflage vor und schreibt dort: „Wenn der Autor Volker Wissing am 07.11.2011 schreibt: ,SPD und Grüne üben Verrat an den Interessen der Beschäftigten‘, so ist das von ihm sehr genau und fein beobachtet.“

Der aufmerksame Leser mag sich seinen Teil denken, wenn er liest, wie hier ein Liberaler den anderen in die Pfanne haut. Die erste Auflage vom September bestand übrigens aus einem Buch, die zweite mit zehn Exemplaren ist schon vorab vergriffen.

Elefanten gegen Rebellen

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP, v.l.), der Fraktionsvorsitzende der FDP im Bundestag, Rainer Brüderle, und FDP-Generalsekretär Christian Lindner Quelle: dapd

Ernster geht es zu beim FDP-Mitgliederentscheid „Für ein Europa mit solidem Fundament: Recht, Rechtsstaatlichkeit und Marktwirtschaft“.

Gegen die sogenannten „Euro-Rebellen“ mit Frank Schäffler und Burkard Hirsch an der Spitze gehen die alten Elefanten Hans-Dietrich Genscher und Klaus Kinkel besonders rabiat vor und schreiben: „Die FDP sollte sich mit aller Kraft denjenigen entgegenstellen, die in der Stunde schwerster Probleme Europa Stillstand und damit den Anfang vom Rückschritt zumuten wollen.

Wir sind nicht bereit, aufs Spiel zu setzen, was Jahrzehnte europäischer Friedenspolitik... geschaffen haben.“ Schäffler und Co. als Kriegstreiber – hinzustellen, das wirkt wie Schläge auf Kinn, Leber und Nieren.

So heftig langen die heutigen Parteiführer Philipp Rösler, Christian Lindner und Rainer Brüderle nicht zu. Sie stellen sich den Mitgliedern und versuchen differenziert zu argumentieren – für die Euro-Rettungsfonds. Man müsse die EFSF „richtig machen“, sagt Brüderle, nach dem kaufmännischen Grundsatz von Leistung und Gegenleistung, sprich harten Sparauflagen.

Mehrheiten und Siege

Und dann folgt noch ein echter Brüderle: „Wenn ich rausgehe aus dem Veranstaltungssaal, ist die überwältigende Mehrheit für mich.“ Glorreich verlaufene Schlachten vermeldet indes auch die andere Seite. Schäffler: „Wir gewinnen die meisten Veranstaltungen.“

Was aber, wenn sich die Liberalen am Ende basisdemokratisch zu Tode siegen? Wenn es zu einem knappen Ergebnis kommt, das die Partei spaltet? Rebell Schäffler schlägt bereits versöhnliche Töne an. Nach dem 15. Dezember, wenn das Ergebnis des Mitgliederentscheids feststeht, müsse die Partei wieder zusammengeführt werden. „Das ist mir wichtig, dafür werde ich werben.“

Und dann ist erst einmal Weihnachten, das Fest der Liebe.

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