Berlin intern

Ein Sozi kann mit Geld umgehen

Gregor Peter Schmitz
Gregor Peter Schmitz Ehem. Leiter Hauptstadtbüro WirtschaftsWoche (Berlin)

Jörg Asmussen, SPD-Finanzexperte, flieht vor Andrea Nahles zur KfW. Ein Machtverlust? Von wegen.

Jörg Asmussen wechselt ab 2016 als Generalbevollmächtigter zur staatlichen KfW Bankengruppe. Quelle: dpa

Sein neuer Job ist mit rund 500 000 Euro pro Jahr entlohnt, er bietet Aufsicht über eine Bilanzsumme von fast 599 Milliarden Euro, also die drittgrößte im deutschen Bankensektor, zudem die Mitzuständigkeit für beinahe 6000 Mitarbeiter. Ein Traumjob? Von wegen, glaubt man den politischen Auguren in der Hauptstadt. Die bewerten die Entscheidung von Jörg Asmussen, bislang SPD-Staatssekretär im Arbeitsministerium, ab 2016 als Generalbevollmächtigter zur staatlichen KfW Bankengruppe zu wechseln, wahlweise als Abstieg, als Kapitulation, als Machtaufgabe, als Flucht. „Damit ist er doch politisch abgemeldet“, sagte ein führender SPD-Mann hämisch.

Dazu passt kaum, dass Asmussen, 49, in diesen Tagen zutiefst zufrieden und in sich ruhend wirkt. Was ist also dran an der betont negativen Analyse? Eigentlich nur der Fluchtaspekt. Denn dass Asmussen – der sich erst als Staatssekretär unter Finanzminister Wolfgang Schäuble und dann als EZB-Präsidiumsmitglied einen Ruf als glänzender Analytiker und fachkundiger Finanzexperte erwarb – im von Andrea Nahles regierten Arbeitsministerium fremdelte, war eines der weniger gehüteten Berliner Geheimnisse. Dorthin schickte ihn SPD-Chef Sigmar Gabriel, als Asmussen seiner Familie die ständige Pendelei zum EZB-Job in Frankfurt nicht länger zumuten wollte und eine Anschlussverwendung in Berlin suchte.

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Der kühle Volkswirt sollte auch auf das Budget von Nahles aufpassen, einer mitunter feurigen Germanistin. Nahles setzte Asmussen zwar ab und an als Unterhändler bei Schäuble ein, aber installierte zugleich so viele Gefolgsleute im Ministerium, dass im engsten Machtzirkel für Asmussen schlicht kein Platz war. Warum ihm das gerade jetzt aufgefallen ist? Ist ihm gerade jetzt gar nicht aufgefallen. Es war wieder Parteichef Gabriel, der über Asmussens Zukunft entschied. Rechtzeitig vor Wahlkampfbeginn wollte der seine glücklose Generalsekretärin Yasmin Fahimi loswerden, musste ihr dafür aber eine neue Stelle anbieten. Der Posten von Asmussen bot sich an, schließlich steht Fahimi sowohl Arbeitsthemen als auch dem Gewerkschaftsmitglied Nahles nahe. Also sprach Gabriel bei Finanzminister Schäuble vor, ob Asmussen zur KfW rotieren könne. Damit hatte Schäuble – ohnehin ein Asmussen-Förderer und zugleich Verwaltungsratschef der KfW – kein Problem. Auch Asmussen selbst schätzt den vielfältigen Charakter der KfW-Arbeit, zu der übrigens die nationale Umsetzung des Juncker-Investitionsplans für Europa gehören wird.

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Aber war da nicht mal was mit einer SPD-Karriere, auf die sich Asmussen durch den Job im sozialdemokratisch angehauchten Arbeitsministerium besser vorbereiten sollte – und der Drang zu mehr Familienfreundlichkeit, schließlich wollte er den Frankfurter EZB-Job der kleinen Kinder wegen nicht mehr machen? Auch beides gelöst. Die KfW-Zentrale liegt zwar ebenfalls in Frankfurt, aber Asmussen kann zunächst weitgehend von Berlin aus arbeiten. SPD-Stallgeruch braucht er ohnehin nur bedingt. Aus der Parteispitze ist zu vernehmen, ein solches Talent in Bank- und Finanzfragen müsse man hegen und pflegen. Sollte die SPD mal wieder einen Spitzenposten in diesen Bereichen zu vergeben haben, könnte Asmussen zurückkehren. Und dass dieser größtmögliche Jobflexibilität gezeigt hat, als Sigmar Gabriel rief, wird ihm der SPD-Chef nicht vergessen.

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