Berlin intern

Kurswechsel der großen Koalition

Henning Krumrey Ehem. Redakteur

Schon wieder eine Energiewende: Die Kraft-Wärme-Kopplung, einst Umweltministers Liebling, kommt aufs Abstellgleis.

Energiepolitik Quelle: Werner Schüring für WirtschaftsWoche, dpa

Philosophen sinnieren gern: Das einzig Beständige ist der Wandel. Die Bundesregierung überträgt diese Ewigkeitserkenntnis in die praktische Energiepolitik: Auf ihre Sprunghaftigkeit ist Verlass.

Jahrelang war die Kraft-Wärme-Kopplung Umweltministers Liebling: Weil hier neben dem Strom auch die bei seiner Erzeugung im Kraftwerk automatisch anfallende Hitze gleich mit genutzt wird, ist diese Form der Energieumwandlung besonders effizient. Oder umgekehrt: Wo Prozessdampf gebraucht wird, lässt sich nebenbei auch Strom produzieren. Deshalb hatte die Politik schon vor 15 Jahren auch hier eine hübsche Förderung ausgeworfen, um die sogenannten KWK-Anlagen flugs in den Markt zu drücken. Und alle machten mit.

Mit der Forcierung der Energiewende bekam die Technik noch weiteren Auftrieb. Wenn schon fossile Energieträger verfeuert werden müssen, dann doch bitte so rationell wie möglich. Ein Viertel der gesamten Stromversorgung, so das neue Ziel, sollte aus den Kombi-Kraftwerken kommen.

Aus diesen Gründen schwitzt die Erde

Die gibt es in allen Größenklassen – vom kleinen „Zuhausekraftwerk“ im Heizungskeller von Ottilie Normalverbraucherin bis zur großen Industrieanlage. Etliche Betriebe, beispielsweise Stahlkocher oder Chemiefabriken, setzen diese Technik ein. Mal fließt der Strom in den Betrieb, die Abwärme heizt die Werkswohnung; mal nutzt die Fabrik Hitze und Elektrizität.

Im Zuge der Reform der Förderung für die erneuerbaren Energien hatte die Bundesregierung die Eigenversorgung im vergangenen Jahr mit der EEG-Umlage belastet. In der Tat war gerade für gewerbliche Betreiber der besondere Reiz, dass für selbst erzeugten und genutzten Strom keine Abgabe fällig wurde. Mit der Umlage freilich wurde die staatlich geliebte KWK unrentabel. Entsprechend versprach Energie-Staatssekretär Rainer Baake bei der Reform des EEG, dass in einem zweiten Schritt auch die KWK-Förderung erhöht werden müsse, damit die effizienten Anlagen erhalten und neue zugebaut werden.

Doch plötzlich soll schon wieder alles anders sein: Nach Atomausstieg, -umstieg und -wiederausstieg kommt nun das Aus für die Kraft-Wärme-Kopplung. Schwarz-Rot buchstabiert aus dem Kürzel KWK nun: Koalition wechselt Kurs.

Neuausrichtung - So steht es um die Energiekonzerne

Was normal denkende Bürger und insbesondere Stromkunden aufregen muss: Der Wahnsinn hat Methode: Wurden in der Vergangenheit gern die teuersten Formen der Energieerzeugung besonders forciert – die Solarmodule und die Erdwärmenutzung –, wird nun die besonders effiziente Erzeugung ausgebremst.

Wirtschaftsministerium und Kanzleramt sind sich einig: Allenfalls die bestehenden Anlagen sollen mit verbesserter Förderung über Wasser gehalten werden, damit nicht jene Investitionen scheitern, die der Staat mit seinen Subventionen angelockt hat. Aber das 25-Prozent-Ziel, es gilt nicht mehr. Der Grund ist einfach: Den Zuschlag müsste der Stromkunde bezahlen, und nach dem Horror der explodierenden EEG-Umlage möchte die Koalition steigende Strompreise auf jeden Fall vermeiden.

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Um politisch nicht ganz blank dazustehen, wollen die Energieexperten der Regierung nun einfach das Ziel umdefinieren: Nicht mehr ein Viertel der Stromerzeugung soll aus KWK-Anlagen kommen, sondern nur noch ein Viertel des Reststroms – also jener Energie, die aus fossilen Brennstoffen gewonnen wird. Das rückt immer näher, je mehr die erneuerbaren Energien bringen.

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