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Berlin intern Einstecken kann Christian Wulff

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Nur zwei Personen kennen den Wortlaut

2010: Niedersachsens damaliger Ministerpräsident Christian Wulff (l) mit dem damaligen Regierungssprecher Olaf Glaeseker Quelle: dpa

Nur zwei Quellen kommen für diese ebenso delikaten wie detaillierten Informationen infrage: der entlassene Wulff-Sprecher Olaf Glaeseker oder der „Bild“-Chefredakteur selbst. Denn nur diese beiden können den Wortlaut des hitzigen Präsidentenanrufs kennen. Beide Möglichkeiten sind für Wulff alles andere als komfortabel:

Wäre Glaeseker die Quelle, könnte sich das Staatsoberhaupt nicht mehr auf die Verschwiegenheit seines langjährigen Vertrauten und Medien-Steuermanns verlassen. Vielleicht, weil dieser sich für seine Entlassung rächen will? Schließlich bestehen immer noch Zweifel, ob Glaeseker freiwillig aus dem Dienst schied.

Eindeutiges Signal

Hätte Diekmann die Gesprächsfetzen elegant an die Kollegen anderer Medien weitergespielt, so wäre dies ein eindeutiges Signal an Wulff: Herr Präsident, Sie sind jetzt im Hause Springer zum Abschuss freigegeben. Eine Drohung, über die schon länger mit Gerüchten über weitere Details aus dem Privatleben des Ehepaares Wulff spekuliert wurde.

Vorgänger Horst Köhler trat zurück, weil er sich nach seinen Äußerungen zur möglichen militärischen Durchsetzung deutscher Wirtschaftsinteressen durch journalistische Angriffe des Spiegel („Horst Lübke“) und oppositionelle Pöbeleien durch den Grünen Jürgen Trittin („Kanonenbootpolitik“) in seinem Ansehen beschädigt fand. Einen derart empfindsamen Umgang mit der Würde des Amts und der eigenen Ehre kann man Christian Wulff nicht vorwerfen. Sein politischer Aufstieg und sein Umgang mit wohlhabenden Freunden zeigen: Einstecken kann er.

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