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Berlin intern

SOS im Kinderdorf bei der FDP

Henning Krumrey Ehem. Redakteur

Vor dem Parteitag fragte sich die FDP, wie sie ihren Vorsitzenden nach gescheiterten Landtagswahlen loswerden kann. Jetzt ist sie einen Schritt weiter.

Er sagte keinen Satz dazu, und doch gab Rainer Brüderle sein Misstrauensvotum wortreich zu Protokoll. Das Wie genügte. Erst erwähnte er die „sehr grundsätzliche“ Rede Philipp Röslers (im Klartext: lang und -weilig), dann empfahl er kurz und knapp die Konzentration auf drei Themen: soziale Marktwirtschaft, Bürgerrechte, Bildung. Nicht neu, aber erprobt. „Ich nenne sie Brot-und-Butter-Themen, Christian Lindner nennt sie FDP ohne Schnickschnack, Wolfgang Kubicki nennt sie unseren Markenkern“, donnerte er in den Karlsruher Saal. Rösler kam gar nicht mehr vor.

Aber nach vorn, um dem Redner zuzuklatschen – und schuf so jenes Foto, das den nächsten Parteitag vorwegnimmt: der neue Chef, umringt von jubelnden Hintersassen. Tagungspräsident Hartfried Wolff brachte es in seinem Dank an Brüderle auf den Punkt: „Das nenne ich einen liberalen Mutmacher“, lobte er den Mainzer. „Diese Rede hat gezeigt, wie viel Mut noch in diesem Saal ist!“ Rösler wirkte als Angstmacher. Das ist Rösler gegenüber durchaus ungerecht. Denn die Partei hatte nach zehn Jahren die Ohren voll gehabt vom aggressiven Zuspitzungstrommelfeuer. Doch schon beim zweiten Rösler-Parteitag vor ein paar Monaten wuchsen die Zweifel, ob die weiche Welle statt Westerwelle Stimmen für die FDP in die Wahlurnen spülen könnte. Nun versuchte es Rösler mit einer Verbal-Kopie des Vorgängers – es funktionierte nicht.

Vor dem Parteitag fragte sich die FDP, wie sie Rösler loswird, falls die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und NRW schiefgehen. Jetzt ist sie einen Schritt weiter: Nun grübelten etliche Delegierte, wie man sich des Vormanns entledigen kann, auch wenn die FDP wieder in beide Parlamente zurückkehrt. Eine 16-monatige Zitterpartie bis zur Bundestagswahl wollen sich nicht nur die Abgeordneten ersparen, die um ihr politisches Überleben kämpfen. Alarmsignal für Rösler: Neben Älteren, die schon immer an der Jugendgruppe in Führungsverantwortung zweifelten, sagen nun auch etliche nachwachsende Rohlinge: „Mit Rösler als Spitzenkandidat können wir nicht in den Bundestagswahlkampf gehen.“

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