WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen
Berlin intern

Ursula von der Leyen - die filigrane Frau Rambo

Henning Krumrey Ehem. Redakteur

Ursula von der Leyen steht an einer Weggabelung ihrer Karriere: Wenn es weiter nach oben gehen soll, muss sie sich endlich um Verbündete bemühen.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen Quelle: dapd

Breitbeinig steht die zierliche Frau da, mit verschränkten Armen, trotzig und entschlossen. Nein, ändern werde sie sich nicht. "Zwei Drittel haben mich gewählt, für die mache ich jetzt weiter Politik." Ursula von der Leyen will sich nicht beugen.

Die Arbeits- und Sozialministerin hat auf dem CDU-Parteitag die schwerste Niederlage ihrer so steilen Karriere erlitten. Klar, auch bisher hatte sie nicht jede Abstimmung gewonnen. Aber früher ging es um Sachfragen, diesmal um Machtfragen: um sie selbst. Gerade mal 69 Prozent hat sie bei der Wahl der stellvertretenden CDU-Vorsitzenden eingeheimst, satte 16 Prozentpunkte weniger als beim letzten Mal.

Die Talkshowkönige des Jahres 2012
Das Online-Medienmagazin Meedia hat die Talkshowkönige des Jahres 2012 ermittelt. Auf Platz 6 befindet sich Norbert Blüm, ehemaliger Arbeitsminister unter der Regierung Kohl. Er ist vor allem dann im Fernsehen zu sehen, wenn es um sein Lieblingsthema Rente geht, über die er nicht müde wird zu sagen, dass sie sicher sei. Blüm war daher sechs Mal Gast in einer Talkshow. 2011 waren es nur drei Mal. Quelle: REUTERS
Platz 6 Heiner Geißler, ehemaliger CDU-Generalsekretär, schaffte es auch auf sechs Auftritte im Fernsehen. Er ist ein gern gesehener Gast, der in der Öffentlichkeit stets seine Meinungen zu diversen Themen lautstark vertritt. Im Jahr 2011 war er daher auch schon vier Mal in Talkshows zu sehen. Quelle: REUTERS
Platz 6Sie legte sich mit der obersten Stelle an: Gertrud Höhler, Unternehmerin und Publizistin, veröffentlichte 2012 ein Buch über Angela Merkel. Darin rechnete Höhler mit der Politik und dem Politikstil der Kanzlerin ab. Ihre Thesen wollte sie in der Öffentlichkeit streuen und verteidigen. Die Talkshows boten ihre die beste Bühne dazu: sechs Mal war sie dort zu sehen. Quelle: dapd
Platz 6Politiker der FDP waren dieses Jahr oft bei Fernsehgesprächsrunden zu sehen. Der ehemalige Generalsekretär und Spitzenkandidat für die NRW-Wahl Christian Lindner zum Beispiel. Er legte gleich sechs Auftritte hin. Lindner musste einiges erklären. Allein die Tatsache, dass er nach der NRW-Wahl auf jeden Fall die Partei im bevölkerungsreichsten Bundesland weiterführen wollte und dafür den Sitz des Generalsekretärs aufgab, sorgte für Gesprächsstoff. Genau so viel Gesprächsstoff erzeugten im übrigen der ehemalige Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) und der politische Geschäftsführer der Piratenpartei, Johannes Ponader (beide rechts von Lindner). Quelle: dpa
Platz 6Die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles trat sechs Mal in Talkshows auf - im vergangenen Jahr war es dagegen nur ein Mal. Die SPD muss ein Jahr vor der Bundestagswahl ihre Präsenz in den Medien erhöhen - und einiges erklären: Wer wird nun endlich der Spitzenkandidat? Und wie ist das mit der Rente mit 67? Und warum stimmt die SPD gegen das Steuerabkommen mit der Schweiz? Nahles übernahm den Job. Quelle: dpa
Platz 5Der Verleger und Journalist Jakob Augstein schaffte es im Jahr 2012 auf sieben Auftritte in verschiedenen Talkshows. Der Sohn des verstorbenen Spiegel-Herausgebers Rudolf Augstein ist der einzige Journalist unter den Top-ten Talkshowkönigen. Quelle: dpa
Platz 3Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach aus Bergisch-Gladbach tauchte insgesamt acht Mal in den TV-Gesprächsrunden auf. Ein möglicher Grund: Bosbach ist ein prominenter Kritiker der EU-Schuldenkrisenpolitik und hatte sich deshalb bereits im Vorjahr vom Parteikollegen und Leiter des Kanzleramts Roland Pofalla anschnauzen lassen. Dieses Jahr machte Bosbach auch aus menschlichen Gründen von sich reden: Im August 2012 kündigte er an, trotz seiner Krebserkrankung wieder für den Bundestag kandidieren zu wollen. Quelle: dpa

Egoistisch, ideologisch und uneinsichtig

Die Gründe für ihren Absturz sind nicht schwer zu finden, sie wurden auf den Gängen des Parteitags offen besprochen: zu egoistisch, zu ideologisch, zu uneinsichtig.

  • Zu egoistisch: Jedes Thema muss bei ihr in der Inszenierung der Protagonistin enden. Die Arbeitslosenzahlen kommentierte sie schon mal, bevor die Experten von der Bundesagentur für Arbeit die Daten überhaupt veröffentlicht hatten. Der Novizin Kristina Schröder, ihrer Amtsnachfolgerin im Familienministerium, ließ sie anfangs keinen Raum, behielt einfach ihre alten Ressortthemen besetzt. Erst mühsam – und mit Merkels Hilfe – konnte sich die junge Frau aus Hessen gegen die Medienmatadorin aus Hannover durchsetzen.
  • Zu ideologisch: Mit dem umgetauften Mindestlohn verprellte sie den Wirtschaftsflügel der Partei. Der Armutsbericht der Bundesregierung kam schon an die Öffentlichkeit, bevor das Dokument überhaupt mit den Kollegen der übrigen Ressorts abgestimmt war. Und auf wundersame Weise fanden die vorinformierten Journalisten genau jene Punkte berichtenswert, die zu den politischen Plänen der Ministerin passten.
  • Zu uneinsichtig: Schon früher hatten ihr Wohlgesinnte geraten, sich Verbündete zu suchen und zu sichern – im Kabinett, in der eigenen Partei und Fraktion, beim Koalitionspartner. Doch die Tochter des früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten setzt weiter auf Alleingänge. Selbst die Förderin und Chefin Angela Merkel hat mehrmals die Geduld mit ihr verloren, ihr Niederlagen bei Zuschussrente oder Frauenquote zugefügt. Nicht mal die eigenen Landsleute hat von der Leyen geschlossen hinter sich. „Ist doch kein Wunder“, brummt ein niedersächsischer Bundestagsabgeordneter, „die ist ja auch nur zwei- oder dreimal im Jahr bei uns in der Landesgruppe.“
Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%