Berlin intern

Verschwiegene Runde im Hotel Adlon

Henning Krumrey Ehem. Redakteur

Kaum ein Club ist so verschwiegen – und daher so nützlich für Politiker und Unternehmer. Ein Blick hinter interkontinentale Kulissen.

Türklinken der Präsidentensuite des Hotel Adlons Quelle: dpa/dpaweb

Politik geht durch den Magen, also trifft man sich zum Reden zum Essen. Und alles bleibt geheim: die Speisekarte wie das Gespräch. Die Zusammenkünfte der „Trilateralen Kommission“ sind „off the record“, also vertraulich. Zuhören und diskutieren ist erlaubt, weitertratschen nicht.

Die verschwiegene Runde, die alle paar Wochen im Kaminzimmer des Hotels Adlon am Pariser Platz sitzt, ist die deutsche Gruppe eines Eliteclubs, der Politik, Wirtschaft und Wissenschaft über drei Kontinente verbindet. 1973 erfanden der Unternehmer David Rockefeller und der Politikwissenschaftler Zbigniew Brzezinski (der spätere Sicherheitsberater von US-Präsident Jimmy Carter) den Zusammenschluss, um das Verständnis zwischen den Transatlantikern und der aufstrebenden Wirtschaftsmacht Japan zu vertiefen, kurz: um zu lernen, wie die anderen denken. Welthandel, Energiekrise, Währungsprobleme hießen damals die Themen – aktueller könnte die Agenda heute nicht sein.

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Auf 400 Mitglieder weltweit ist die Truppe limitiert, da kann gerade noch jeder fast jeden kennen und ansprechen. Die größte Gruppe stellen die Europäer (170 Mitglieder), gefolgt von Nordamerika (120) und Asien (110). Es ist ein wahres World Wide Web. Von Wirtschaftsseite sind unter anderen Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen und Walzwerk-Matador Heinrich Weiss dabei, dazu die Aufsichtsräte Klaus-Peter Müller (Commerzbank) und Manfred Bischoff (Daimler).

Linke Kritiker prangern die Trilaterale Kommission deshalb als eine Art konspirative Weltregierung an, als Geheimloge der Globalisierung. Dabei ist es genau umgekehrt: „Wer in eine Regierung wechselt, muss bei uns ausscheiden“, sagt Bernhard May, Generalsekretär der deutschen Sektion. „Alle Teilnehmer sollen frei sprechen und nicht zwei Herren dienen.“

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