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Berlin intern Wankas neuester Fördertopf

Eine Milliarde Euro lobt der Bund für Projekte aus, die die Innovationen von morgen finden sollen. Bundesforschungsministerin Johanna Wanka wird derzeit mit Geld überhäuft.

Massenproduktion zurückholen: Grillo, Wanka, Neugebauer, Bsirske (von links) Quelle: dpa

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka ist die Goldmarie des Kabinetts. Die Bundeskanzlerin überhäuft sie gegenwärtig geradezu mit Geld. Kein Ressort darf mehr verteilen als die ostdeutsche Mathematik-Professorin Wanka. Das erzeugt Neider. Doch die sind still, weil sie wissen, dass die promovierte Physikerin Angela Merkel – mit Chemie-Professor Joachim Sauer von der Humboldt-Universität zu Berlin verheiratet – ihre schützende Hand über die Forschung hält. Drei Milliarden Euro gibt es allein in dieser Legislaturperiode extra. Seit Merkel regiert, stieg der Forschungsetat von Jahr zu Jahr.

Wanka hat schon ein neues Ausgabenfeld für sich entdeckt, mit dem sie das viele schöne Geld sinnvoll verprassen kann: fürs Forschen übers Forschen. Denn: Wo geforscht wird, rollen Köpfe. Die Fortschritte in der Digitalisierung der Alltagswelt locken Menschen erstens in schnell ergreifbare, aber nicht sehr lukrative Minigewerbe wie Chauffeursdienste über Taxi-Apps.

Zweitens sorgt die ständige Erreichbarkeit über diverse Kanäle wie Handy und E-Mail für eine 24/7-Standby-Verfügbarkeit der Mitarbeiter. Und drittens werden Menschen gefeuert, wo Computer es besser können. Die Frage, die sich Wanka stellt: Wie kann die Gesellschaft von der Digitalisierung profitieren ohne unnötig großen Kollateralschaden? Arbeitsforscher sollen künftig diese schädlichen Verquickungen rechtzeitig erkennen, damit Politik reagieren kann.

Eckdaten des Bundeshaushalts 2014 bis 2018

Dafür gibt es Geld. Eine Milliarde Euro lobt der Bund für Projekte aus, die bis 2020 zu „Innovationen für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit von morgen“ führen sollen. Der Startschuss fiel letzte Woche im Berliner Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik. Wankas neuester Fördertopf ist Teil der High-Tech-Strategie der Regierung, die in diesem Jahr elf Milliarden Euro verschlingt.

Rationalisierung soll also der Belegschaft zugutekommen. Diese neue Stoßrichtung gefällt sogar den Gewerkschaften. Früher zogen die noch die Fortschrittsbremse, weil sie Strukturwandel wegen des Jobabbaus befürchteten. Heute sehen sie „die Chance der Gestaltung“, sagt Frank Bsirske, Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Es sind ganz neue Töne der Arbeitnehmervertreter.

Werden die einstigen Gegner der Industrialisierung so zu engen Buddies der forschungsfrenetischen Kanzlerin? Die Arbeitgeberseite frohlockt schon längst: Unternehmen stehen vor „radikalen Veränderungen“, vor einer 4.0-Revolution und ganz neuen Chancen.

In Arbeit
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Das sagt Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie. Und spricht vom Turnschuh. Wenn Sportkonzerne wie Adidas und Puma jeden einzelnen Kundenwunsch etwa nach Größe, Farbe und Design direkt in die Produktion einfließen lassen könnten, ließe sich die Fertigung „wieder zurück nach Europa holen“. Grillo fordert alle auf, „gemeinsam an der Zukunft für das Industrieland Deutschland“ zu arbeiten.

Forschungsgelder, um der Massenproduktion in China Paroli zu bieten? Textilproduktion in Herzogenaurach statt in Bangladesch? Das klingt aus deutscher Arbeitnehmersicht wie ein schönes Märchen. Und selbst wenn am Ende die große High-Tech-Strategie der Forschungsministerin floppt: Der Öffentlichkeit wird das nicht weiter auffallen. Denn die Gelder fließen in diverse kleine, unauffällige Projekte. So kann Wanka sicher sein: Die Pechmarie wird sie so nie.

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