Berlin intern

Zweifelhafte Hilfe für die Solarbranche

Henning Krumrey Ehem. Redakteur

Der Siegeszug der Erneuerbaren ist teuer. Wer das zahlt, steht nicht im Bundeshaushalt, sondern auf einem anderen Blatt.

Die größten Solarhersteller der Welt
Die größten Solarhersteller der WeltPhoton Consulting, eine Forschungs- und Beraterfirma, die sich auf den Solarmarkt spezialisiert hat, hat sich die Hersteller von Solarmodulen einmal genauer angesehen. Aufgrund der Vorjahreszahlen erstellten die Solarexperten eine Prognose, wer 2011 die Top Ten Hersteller sein werden. Die Prognose basiert auf den Produktionskapazitäten - allerdings gaben bereits einige Hersteller an, ihre Kapazitäten doch nicht wie geplant weiter auszubauen. Quelle: dapd
Platz zehn der größten Modulhersteller im Jahr 2011 ist laut Photon-Prognose das japanische Unternehmen Kyocera. Im vergangenen Jahr stand es gleichauf mit dem deutschen Hersteller Solar World. Beide hatten eine Modulkapazität von 800 Megawatt. Zum Vergleich: Ein durchschnittliches Atomkraftwerk produziert um die 1200 Megawatt.
Wie auch im letzten Jahr wird das 2005 in China gegründete Unternehmen LDK Solar auf Platz neun der Liste stehen. 2010 waren die Chinesen in der Lage, 910 Megawatt zu fertigen. Der Umsatz lag bei rund 1,2 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Einen Rang eingebüßt hat der ebenfalls chinesische Modulhersteller Hareon Solar. 2010 reichte eine Produktkapazität von 1.025 Megawatt noch für Rang sieben in der Liste, 2011 wird es damit wohl nur Platz acht. Auf den siebten Platz rückt das japanische Unternehmen Sharp, obwohl die Produktionskapazitäten im vergangenen Jahr noch geringfügig niedriger waren als die der chinesischen Konkurrenz. Der Elektronikriese Sharp wurde 1912 von Tokuji Hayakawa gegründet und hat bereits in den 1960er Jahren begonnen, auch intensiv die Herstellung von Solarzellen zu erforschen.
Auch der sechste Platz des Rankings ist in asiatischer Hand. Dort steht unverändert Jinko Solar aus Hongkong mit einer geschätzten Kapazität von 1.100 Megawatt. Auf Platz fünf steht ebenfalls ein chinesisches Unternehmen: Hanwha SolarOne aus Qidong ist das Ergebnis einer strategischen Partnerschaft des südkoreanischen Konglomerats Hanwha und des chinesischen Unternehmens Solarfun Power Holdings. Obwohl das Unternehmen Hanwha SolarOne erst 2010 entstanden ist, startete es direkt mit einer Fertigungskapazität von 1.350 Megawatt. Quelle: dapd
2010 belegte Canadian Solar aus Kitchener in Ontario Platz fünf im Ranking, laut Photon-Prognose erreicht es in diesem Jahr Platz vier. Das Unternehmen wurde 2001 von Dr. Shawn Qu gegründet und produziert seitdem Standard- und Spezialmodule in China. Quelle: dpa
Unverändert auf Platz drei dagegen steht Yingli, ein chinesischer Hersteller mit einer geschätzten Maximalleistung von 1.650 Megawatt pro Jahr. Yingli wurde auch durch das Sponsoring bei der Fußball-Weltmeisterschaft einem breiten Publikum bekannt. Quelle: dapd
Auf den ersten beiden Plätzen hat sich ebenfalls nichts bewegt. Auf Rang zwei bleibt der Hersteller Trina aus dem chinesischen Changzhou mit einer Kapazität von 1.800 Megawatt. Die Goldmedaille bekommt Suntech mit geschätzten Kapazitäten von 2.250 Megawatt. Das Unternehmen mit Sitz in Wuxi in China, wurde 2001 von Zhengrong Shi gegründet und ist der weltgrößte Produzent von Photovoltaikmodulen aus kristallinem Silizium.
Bei den Herstellern von Maschinen zum Bau von kompletten Photovoltaik-Anlagen sind die Chinesen nicht ganz so überpräsent wie bei den Modulherstellern. In die Top Ten haben es sogar drei deutsche Unternehmen gebracht. Eines davon ist Rena, ein 1996 gegründetes Familienunternehmen aus Cuxhaven/Altenbruch. Heute ist Rena Fachpartner von SolarWorld, SMA-Partner sowie Fronius Service Partner. Rena hat seinen Umsatz in der Zeit von 2009 auf 2010 mehr als verdoppelt: von 130 Millionen Dollar ging es rauf auf 276 Millionen Dollar. Quelle: dpa
Auf Platz 9 - nach Umsätzen - steht das chinesische Unternehmen 48th Research Institute of China Electronics. Auch hier gab es einen enormen Umsatzanstieg von 122 auf 296 Millionen Dollar binnen eines Jahres. Sowohl 2009 als auch 2010 auf Platz acht steht das Unternehmen Roth & Rau, das mittlerweile zum Schweizer Solarzulieferer MeyerBurger gehört. Roth & Rau machte 2009 226 Millionen Dollar, im darauf folgenden Jahr waren es 300 Millionen. Quelle: dpa
Die Apollo Solar Energy Technology katapultierte sich von Null auf Platz sieben. Von 40 Millionen Dollar in 2009 ging es rauf auf 385 Millionen Dollar im Jahr 2010. Das 1952 in Japan gegründete Unternehmen ULVAC Technologies bleibt dagegen beständig auf Platz sechs. Wobei sich auch bei den Japanern der Umsatz gesteigert hat. 2010 verkaufte das Unternehmen Maschinen für 410 Millionen Dollar, das sind immerhin 30 Millionen mehr als noch im Jahr zuvor. Quelle: dpa
Die deutsche Schmid Group schafft es dank 600 Millionen Dollar Umsatz im Jahr 2010 auf Platz fünf, im Jahr 2009 stand das Unternehmen jedoch noch auf Platz vier. Ebenfalls einen Platz runter ging es für GT Solar International, die ihren Umsatz zwar von 488 auf 813,2 Millionen steigerten. Im Jahr 2009 reichte das Ergebnis allerdings noch für Platz drei, letztes Jahr gab es nur den vierten.
Bronze gibt es für die Deutschen von Centrotherm Photovoltaics, die allerdings letztes Jahr noch Platz zwei erreicht haben. Und das, obwohl Centrotherm Photovoltaics ebenfalls seine Umsätze von 677 auf 860 Millionen Dollar steigerte. Die Silbermedaille ging im letzten Jahr dann an die Konkurrenz aus der Schweiz. MeyerBurger schoss von Platz sieben auf Platz zwei. Die Umsätze in 2010 betrugen 862 Millionen Dollar. Quelle: dpa
Weltmarktführer bei den Solar-Maschinenbauern war 2010 die amerikanische Firma Applied Materials. 1.4 Milliarden Dollar nahm der Hersteller 2010 ein, im Jahr davor waren es noch 1,16 Milliarden. Damit reichte es auch 2009 für Platz eins im Ranking. Quelle: dpa

Manchmal wurde Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) verspottet, weil er als Arzt statt der Gesundheitspolitik plötzlich die Volkswirtschaft kurieren sollte. Aber in einem Punkt profitiert er von seiner medizinisch-ministeriellen Erfahrung: Wer die Pharmabranche kennt, ist auf die Solar-Lobby bestens vorbereitet. Gemeinsam mit seinem CDU-Umweltkollegen Norbert Röttgen verwaltet er das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).

Gerade erst jubelten Hersteller und Ökofans in trauter Eintracht: Im vergangenen Jahr wurden Fotovoltaikanlagen mit einer Leistung von 7500 Megawatt installiert – ein neuer Jahresrekord. Allein 3000 MW kamen im Dezember dazu, bevor die Förderung zum Jahreswechsel gesenkt wurde.

Der Siegeszug der Erneuerbaren ist teuer: 14 Milliarden Euro Hilfe veranschlagt der Bundesverband der Elektrizitäts- und Wasserwirtschaft (BDEW) für dieses Jahr – die Hälfte davon fließt an die Sonnenfreunde, obwohl nur ein Fünftel der Ökokraft vom Himmel kommt. Woher das Geld stammt, steht nicht im Bundeshaushalt, sondern auf einem anderen Blatt: der Stromrechnung. Es zahlen private Verbraucher und kleine Gewerbetreibende, von vielen unbemerkt.

Meist sind Subventionen Hilfen für kleine Gruppen zulasten der großen Mehrheit. Wenn da der Euro rollt, ist es der Erfolg einer Branche und weniger Fachpolitiker, die trickreich die Stütze durch den Bundestag bugsiert haben. Immer wieder schaffte es beispielsweise die legendäre „Küsten-Mafia“, der informelle Kampfbund von Nord- und Ostsee-nahen Abgeordneten, Förderprogramme für Werften, Seehäfen oder das platte Land drum herum aufzulegen. Der Haken beim EEG: Das Stützkorsett für den Ökostrom ist so gestrickt, dass ganz viele politische Akteure größtes Interesse daran haben. Das macht eine Kürzung oder gar eine marktwirtschaftliche Reform so schwierig.

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