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Berliner Einfluss Bundesbank am Scheideweg

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Der Präsident der Quelle: dpa

Dass dies Webers Aussichten schmälert, im Oktober 2011 EZB-Chef Trichet zu beerben, ist denkbar, aber nicht sicher. Schließlich bekam auch Trichet den Job, obwohl er zuvor monatelang ein Verfahren im Zusammenhang mit der Bank Credit Lyonnais ausfechten musste, das dann letztlich zu seinen Gunsten entschieden wurde. Webers bisheriger Hauptkonkurrent, Italiens Notenbankchef Mario Draghi, gilt seit der Berufung von Vitor Constancio zum EZB-Vizepräsidenten als ausgeschaltet. Denn zwei Südländer an der Spitze der Zentralbank würden von den nördlichen Euro-Staaten kaum akzeptiert werden.

Ein Konkurrent weniger?

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy haben sich – entgegen aller Gerüchte – noch nicht auf einen Kandidaten für die Trichet-Nachfolge im nächsten Jahr geeinigt. Erst im Frühjahr 2011 soll das Thema wieder auf die Tagesordnung kommen. Bis dahin kann noch viel passieren – in die eine oder andere Richtung.

Webers geldpolitischer Ruf als Falke im EZB-Rat hat durch Sarrazin jedenfalls noch nicht gelitten. Aber dass das Verhältnis von Weber zu Merkel und Schäuble sich weiter verschlechtern könnte, ist nicht unwahrscheinlich. Das Drohszenario, dass Sarrazin ein langwieriges Arbeitsgerichtsverfahren gegen seinen Arbeitgeber zelebriert, ist nach seinem überraschenden Rücktritt zwar vom Tisch. Doch das Vertrauen der Bundesbürger in die Seriosität ihrer Bundesbank hat einen Knacks. Entweder billigten sie nicht Sarrazins Thesen – oder sie fanden den Umgang mit ihm ungebührlich. Auf Dauer sind 50 Prozent Gegenstimmen nur schwer auszuhalten.

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