WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen
Berühmte letzte Worte

Andrea Nahles: "Also meine Rente ist sicher"

Erst die Kopplung der Schicksale von Politikern und Bürgern ermöglicht die nachhaltige Optimierung von Politik und unserer wirtschaftlichen Situation.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
So viel verdienen Politiker
Erst im Januar 2013 sind die Diäten deutscher Bundestagsabgeordneter um rund 300 Euro auf 8252 Euro erhöht worden. Jetzt hat Bundespräsident Joachim Gauck eine weitere umstrittene Diätenerhöhung für Bundestagsabgeordnete passieren lassen. Die Diäten steigen damit rückwirkend zum Juli auf 8667 Euro. Für Januar 2015 ist eine weitere Erhöhung auf 9082 Euro geplant. Ab 2016 sollen sich die Diäten dann an die Lohn- und Gehaltsentwicklung automatisch anpassen. Damit sind Bundestagsabgeordnete aber noch immer himmelweit von den Verdiensten der EU-Abgeordneten entfernt. Quelle: dapd
Im Februar 2013 hatte der Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler (FDP) eine Gehaltsdebatte um die Besoldung von EU-Beamten angestoßen: Rund 4400 von insgesamt 46.000 EU-Beamten verdienen mehr Geld im Monat als die Bundeskanzlerin. Im Folgenden ein Blick auf die Top-Verdiener: Quelle: dapd
So verdient ein EU-Beamter der Besoldungsstufe AD 13 in Kommission, Rat oder Parlament nach vier Dienstjahren 12.500 Euro netto pro Monat, wenn er zwei Kinder hat (660 Euro steuerfreie Kinderzulage pro Kind) und im Ausland arbeitet (16 Prozent des Gehalts gibt es als steuerfreie Auslandszulage). Quelle: dpa/dpaweb
Zu den höheren - und finanziell lukrativeren - Besoldungsstufen AD14 bis AD16 gehören in der EU 79 Beamte. Sie sind Direktoren oder Generaldirektoren und verdienen pro Monat bis zu 16.500 Euro netto. Quelle: AP
ESM-Leiter Klaus Regling (324.000 Euro)Er verteilt nicht nur viel Geld, sondern erhält auch viel: Klaus Regling leitet den ständigen Euro-Rettungsschirm ESM ("Europäischer Stabilisierungsmechanismus") und verdient dafür 324.000 Euro brutto jährlich. Damit verdient also auch Klaus Regling mehr als die Bundeskanzlerin, deren Grundbezüge 190.000 Euro jährlich betragen - auch mit Sonderbezügen kommt Angela Merkel nicht über 290.000 Euro. Quelle: dpa
EZB-Chef Mario Draghi (370.000 Euro)Das Gehalt des ESM-Leiters wird trotzdem nicht an dem des Präsidenten der Europäischen Zentralbank herankommen. Der Italiener Mario Draghi verdient jährlich 370.000 Euro plus Zulagen. Quelle: dpa
Kommissionspräsident José Manuel Barroso (298.500 Euro)Näher ans Gehalt der Kanzlerin rückt der Präsident der Europäischen Kommission. José Manuel Barroso verdient jährlich rund 298.500 Euro. Quelle: dapd

Ihr Vater hat noch sein Leben lang hart gearbeitet. Das wollte sich Andrea Nahles nicht antun, also ging sie in die Politik. Da sitzt sie nun und denkt an sich und an weiter nichts (böses).

Das ist schon eine seltsame Politikwelt, die kein Problem damit hat, sich selbst diametral besser zu versorgen als das Volk dessen Diener sie ist.

"Obwohl alle Erträge der Farm brüderlich geteilt werden, beanspruchen die Schweine die von den Kühen gewonnene Milch und die Äpfel alleine für sich. ... Da die Schweine gewissermaßen die Leitung der Farm übernommen haben, sei dieses Privileg im Interesse aller Tiere. Würde es den Schweinen nämlich nicht gut gehen, könnten sie ihre Aufgabe nicht richtig erfüllen ..." - George Orwell, Animal Farm.

So aber funktioniert die Farm, der Staat nicht mehr für alle, sondern so richtig gut nur noch für die herrschenden Schweine.

Aber das ist ja nur ein Buch. Mit einer gewissen Logik. Einerseits geht es nur wenigen richtig gut und andererseits scheint es egal, dass die vielen anderen ihre Aufgaben nur suboptimal erfüllen können.

Schauen wir uns drei Themenbereiche an und entwickeln einfach mal vollkommen un/vernünftige, naiv-blauäugige Denkansätze:

  • Pension vs Rente,

  • Diät vs Gehalt,

  • Nebentätigkeiten vs Hartz-IV-Sanktionen.

Ja, das klingt nach Neiddebatte, nach Populismus gar. Aber der Vergleich ist wichtig. Er zeigt sehr schön die Schieflage unseres kompletten Systems zugunsten einiger weniger Selbstbediener.

1. Pension vs Rente

  • Wer Glück hat, geht nach 45 anrechenbaren Jahren, im Alter von 63 und durchschnittlich knapp 1.000 Euro in Rente.

  • Der Politiker geht nach 23 Jahren Bundestagszugehörigkeit, im Alter von 55 Jahren und 4.836 Euro in Pension.

Statt die Rente für ihren Vater auf unser aller Kosten durchzuboxen, sollte Andrea Nahles ihm einfach die Hälfte ihrer eigenen Pension abgeben. Da bekäme er locker mehr als das Doppelte der ihm nun in Aussicht stehenden Rente und Deutschland könnte zig Milliarden Euro sinnvoller in die Zukunft dieses Landes investieren.

Überhaupt sollte jeder Politiker ein oder zwei Rentner alimentieren, oder? Und sei es nur, um diese beiden Schicksale zu koppeln. Sei es, um das Verständnis zu wecken, dass man heute von der Rente nur schlecht leben kann, wenn man nicht zufällig schon ein kleines Häuschen für den Eigenbedarf abgezahlt hat.

Warum nicht die Politikerpension analog der deutschen Durchschnittsrente anpassen und später erhöhen?

Dann würde es uns allen besser gehen. Die Politik würde sich zumindest mehr Mühe geben, die Rentensysteme von Grund auf zu reformieren.

2. Diät vs Gehalt

Andrea Nahles und Friends erhöhten sich ihre Diäten und lassen diese nun analog eines durchschnittlichen Richters am Bundesgerichtshof wachsen. Klar. Eine Nummer kleiner geht's nicht.

Warum nicht direkt die Diäten analog der Profis der Fußballbundesliga steigen lassen, da beide doch in einer Liga spielen? Oder wie die Honorare der Formel-I-Fahrer? Stimmt, das ist kurzfristig pietätlos.

Fast unverdächtig wären da Diätensteigerungen analog der Kostensteigerungen und Realisierungswahrscheinlichkeiten von Elbphilharmonie, Berliner Flughafen, Stuttgart21.

Diäten und Gehälter werden auch in Zukunft brutal auseinanderlaufen. Nicht zuletzt, weil die Rente (mit 63) nicht finanzierbar ist!

Aus der Armut in die Armut

So viel Rente bekommen Sie
DurchschnittsrentenLaut den aktuellen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung bezogen Männer Ende 2014 eine Durchschnittsrente von 1013 Euro. Frauen müssen inklusive Hinterbliebenenrente mit durchschnittlich 762 Euro pro Monat auskommen. Quellen: Deutsche Rentenversicherung; dbb, Stand: April 2016 Quelle: dpa
Ost-Berlin mit den höchsten, West-Berlin mit den niedrigsten RentenDie Höhe der Rente schwankt zwischen den Bundesländern. Männer in Ostberlin können sich mit 1147 Euro Euro über die höchste Durchschnittsrente freuen. In Westberlin liegt sie dagegen mit 980 Euro am niedrigsten. Aktuell bekommen männliche Rentner: in Baden-Württemberg durchschnittlich 1107 Euro pro Monat in Bayern durchschnittlich 1031 Euro pro Monat in Berlin (West) durchschnittlich 980 Euro pro Monat in Berlin (Ost) durchschnittlich 1147 Euro pro Monat in Brandenburg durchschnittlich 1078 Euro pro Monat in Bremen durchschnittlich 1040 Euro pro Monat in Hamburg durchschnittlich 1071 Euro pro Monat in Hessen durchschnittlich 1084 Euro pro Monat in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 1027 Euro pro Monat in Niedersachsen durchschnittlich 1051 Euro pro Monat in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 1127 Euro pro Monat im Saarland durchschnittlich 1115 Euro pro Monat in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 1069 Euro pro Monat in Sachsen durchschnittlich 1098 Euro pro Monat in Schleswig-Holstein durchschnittlich 1061 Euro pro Monat in Thüringen durchschnittlich 1064 Euro pro Monat Quelle: AP
Frauen mit deutlich weniger RenteFrauen im Ruhestand bekommen gut ein Drittel weniger als Männer. Auch sie bekommen in Ostberlin mit durchschnittlich 1051 Euro die höchsten Bezüge. Am wenigsten bekommen sie mit 696 Euro in Rheinland-Pfalz. Laut Deutscher Rentenversicherungen beziehen Frauen inklusive Hinterbliebenenrente: in Baden-Württemberg durchschnittlich 772 Euro pro Monat in Bayern durchschnittlich 736 Euro pro Monat in Berlin (West) durchschnittlich 861 Euro pro Monat in Berlin (Ost) durchschnittlich 1051 Euro pro Monat in Brandenburg durchschnittlich 975 Euro pro Monat in Bremen durchschnittlich 771 Euro pro Monat in Hamburg durchschnittlich 848 Euro pro Monat in Hessen durchschnittlich 760 Euro pro Monat in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 950 Euro pro Monat in Niedersachsen durchschnittlich 727 Euro pro Monat in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 749 Euro pro Monat im Saarland durchschnittlich 699 Euro pro Monat in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 964 Euro pro Monat in Sachsen durchschnittlich 983 Euro pro Monat in Schleswig-Holstein durchschnittlich 744 Euro pro Monat in Thüringen durchschnittlich 968 Euro pro Monat Quelle: dpa
Beamtenpensionen deutlich höherStaatsdienern geht es im Alter deutlich besser. Sie erhalten in Deutschland aktuell eine Pension von durchschnittlich 2730 Euro brutto. Im Vergleich zum Jahr 2000 ist das ein Zuwachs von knapp 27 Prozent. Zwischen den Bundesländern schwankt die Pensionshöhe allerdings. Während 2015 ein hessischer Staatsdiener im Ruhestand im Durchschnitt 3150 Euro ausgezahlt bekam, waren es in Sachsen-Anhalt lediglich 1940 Euro. Im Vergleich zu Bundesbeamten geht es den Landesdienern dennoch gut. Im Durchschnitt kommen sie aktuell auf eine Pension von 2970 Euro. Im Bund sind es nur 2340 Euro. Quelle: dpa
RentenerhöhungIm Vergleich zu den Pensionen stiegen die normalen Renten zwischen 2000 und 2014 deutlich geringer an. Sie wuchsen lediglich um 15,3 Prozent. Quelle: dpa
Reserven der RentenkasseDabei verfügt die deutsche Rentenversicherung über ein sattes Finanzpolster. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung betrug die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage Ende 2014 genau 35 Milliarden Euro. Das sind rund drei Milliarden Euro mehr als ein Jahr zuvor. Rechnerisch reicht das Finanzpolster aus, um fast zwei Monatsausgaben zu bezahlen. Nachfolgend ein Überblick, mit welcher Rente die Deutschen im aktuell im Durchschnitt rechnen können: Quelle: dpa
Abweichungen vom StandardrentnerWer 45 Jahre in den alten Bundesländern gearbeitet hat und dabei den Durchschnittslohn verdiente, bekommt pro Monat 1314 Euro ausgezahlt. Bei 40 Arbeitsjahren verringert sich die monatliche Auszahlung auf 1168 Euro. Wer nur 35 Jahre im Job war, bekommt 1022 Euro. Quelle: Fotolia

Andrea Nahles muss dafür sorgen, dass die Menschen weniger verdienen. Denn je weniger die Menschen verdienen, desto geringer ihre Rente. Strafe muss sein. Das sichert darüber hinaus die Arbeitsplätze der Vorstände. Und damit Andreas eigene Karriere nach der Politik.

Ihre Ideen, und die der Politik:

  • Mindestlohn ab 18, oder 21, oder 25 - je nachdem mit wem man heute spricht. Damit die jüngeren Jugendlichen nicht zu früh anfangen, Rentenanwartschaften anzusammeln. Offiziell: damit sie nicht aus der Schule/Ausbildung in den Job flüchten.

Dabei hatte ich bisher gedacht, wir lassen die Klassenräume und Toiletten und Turnhallen absichtlich verrotten, damit die Kids sich schneller einen Job suchen, sobald sie die gefühlte Orthographie beherrschen.

Natürlich kann man derartiges als Politiker nur über Gesetze lösen. Weise Menschen würden den Schülern die Relevanz von Bildung über die Schule vermitteln.

  • Kein Mindestlohn fürs Praktikum. Praktikanten geht es eh zu gut. Folge: es wird noch mehr Praktikums-, statt Azubi-Stellen geben.

  • Mehr Teilzeitjobs, Minijobs, (sach-)grundlos befristete Verträge, damit eine Probezeit endlich zwei Jahre und nicht mehr nur sechs Monate dauert, und niemand sich in seinem Job mit seiner Performance wirklich sicher fühlt. Gesund macht das nicht gerade.

Alles wundervolle Mechaniken, die Menschen in ihren prekären Verhältnissen zu halten, sie aus der Arbeits-Armut, über eine Arbeitslosigkeits-Armut in die Alters-Armut zu führen - während die dafür verantwortlichen Politiker sich dumm und dämlich verdienen.

3. Nebentätigkeiten vs Hartz-IV-Sanktionen

Und als ob dies alles noch nicht reichen würde, kann der Politiker so viel nebenher verdienen wie er möchte. Aus verfassungsrechtlichen Gründen, so die Entschuldigung, kann der Nebenverdienst nicht mit der Diät verrechnet werden. Klar.

Bei Hartz-IVlern dagegen drohen sofort brutale Sanktionen. Besitzen darf man sowieso nichts mehr.

Man muss komplett nackt am Boden liegen, ehe der Sozialstaat sich gnädig erweist.

Deutschland



Alles blauäugig, naiv, un/vernünftig, populistisch, klar, ich weiß. Aber es wird Zeit, einmal jenseits der 'Vernunft' und 'Effizienz' dieses Staates und seiner vielen Monarchen zu fragen, ob diese Vernunft und diese Effizienz uns alle noch retten kann ...

Die Menschen werden noch abhängiger vom Staat und den Almosen der Politik. Wir sind dann ungebildet und arm und süchtig nach Instant Gratification. Das ist das Bermuda-Dreieck menschenverachtender, repräsentativer Demokratie. Barbarei. Animal Farm ist nichts dagegen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%