Berühmte letzte Worte

Die drei sinnlosesten Kartelle

Verzweifelte Manager bilden Kartelle. Verzweifelte Politiker gewähren Monopole. Zusammen verbünden sie sich zu Kartellen der Dummheit und Einfalt. Ein Teufelskreis.

Millionenbuße gegen Briefumschlag-Hersteller
BriefumschlägeVerbraucher in Europa haben jahrelang zu viel für Briefumschläge gezahlt. Wegen unerlaubter Zusammenarbeit mit Konkurrenten müssen der Heilbronner Briefumschlag-Hersteller Mayer-Kuvert und vier weitere Firmen ein Bußgeld von insgesamt fast 19,5 Millionen Euro zahlen, entschied die Brüsseler EU-Kommission am 11. Dezember 2014. Auf Mayer-Kuvert entfallen dabei knapp 5 Millionen Euro. Ebenfalls an dem Kartell beteiligt waren die schwedische Firma Bong, der spanische Hersteller Tompla sowie GPV und Hamelin aus Frankreich. Mayer-Kuvert hat inzwischen GPV übernommen. Die Firmen haben sich nach Erkenntnissen der EU-Kommission von Oktober 2003 bis April 2008 abgesprochen - Hamelin stieß allerdings erst im November 2003 dazu. „Mehr als vier Jahre lang haben diese Umschlaghersteller, anstatt in fairen Wettbewerb zu treten, künstliche Preiserhöhungen in einer Reihe von Mitgliedsstaaten vereinbart“, so EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. „Das Kartell wurde von Top-Managern betrieben.“ Quelle: dpa
LebensmittelkonservenVerbraucher in ganz Europa haben mehr als ein Jahr lang zu viel für Pilzkonserven bezahlt. Die Hersteller Bonduelle, Prochamp und Lutèce haben ab September 2010 Preise abgesprochen und den Markt untereinander aufgeteilt. Die EU-Kommission verhängte deshalb im Juni 2014 gegen die französische Firma Bonduelle eine Geldstrafe in Höhe von 30,2 Millionen Euro, auf Prochamp aus den Niederlanden entfallen zwei Millionen Euro - das Unternehmen profitiert von einer Minderung der Strafe um 30 Prozent, weil es mit der EU-Kommission kooperierte. Lutèce aus den Niederlanden kommt ungeschoren davon, da es die Wettbewerbshüter auf die unerlaubte Zusammenarbeit aufmerksam machte. Betroffen waren Pilze in Dosen und Gläsern, die als Eigenmarken des Handels verkauft wurden. Quelle: Screenshot
BiermarktDas Kartellamt hat im April 2014 entschieden: 231,2 Millionen Euro Bußgeld müssen die Brauereien zahlen. Mitte Januar 2013 hatte das Bundeskartellamt bereits Bußgelder in Höhe von 106,5 Millionen Euro verhängt. Kartellamtspräsident Andreas Mundt sagt, es sei sehr unwahrscheinlich, dass sich Brauereien nach diesem Verfahren noch einmal in Absprachen wagen würden. Es geht um Vorgänge aus den Jahren 2006 bis 2008. Betroffen sind unter anderem Bitburger, Krombacher, Veltins und Warsteiner. Die Branche soll Preiserhöhungen für Fass- und Flaschenbier abgesprochen haben. Bei Flaschenbier sei dabei der Preis für einen Kasten Bier 2008 um einen Euro gestiegen. Das Kartellverfahren geht auf Informationen des Beck's-Herstellers Anheuser-Busch InBev Germany zurück, der als Kronzeuge ohne Geldbuße bleibt. Mit dem neu verhängten Bußgeld addiert sich die Summe auf fast 340 Millionen Euro auf - eine der höchsten Strafe in der Geschichte des Kartellamtes. Die auf Ernährung spezialisierte Verbraucherschützerin Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg bezifferte den Schaden allein durch die Absprachen über das Flaschenbier in einem Jahr - grob geschätzt - auf über 400 Millionen Euro. Quelle: dpa
KugellagerDie EU-Kommission hat im März 2014 gegen den Autozulieferer Schaeffler und mehrere andere Firmen wegen verbotener Preisabsprachen bei Kugellagern ein Bußgeld von insgesamt fast einer Milliarde Euro verhängt. Die höchste Strafe entfalle auf Schaeffler mit 370,5 Millionen Euro, teilten die Wettbewerbshüter mit. Der schwedische Konzern SKF müsse 315,1 Millionen Euro zahlen. Zudem seien mehrere japanische Firmen verdonnert worden. Das Kartell habe von 2004 bis 2011 Preise abgesprochen. Quelle: dpa
Preisabsprachen bei TapetenHeimwerker haben nach Ermittlungen des Bundeskartellamtes von Ende Februar 2014 jahrelang zu viel Geld für Tapeten bezahlt. Die Bonner Wettbewerbsbehörde verhängte gegen vier Hersteller und ihren Verband wegen unerlaubter Preisabsprachen Bußgelder in Höhe von 17 Millionen Euro. Zwischen 2005 und 2008 hätten die in Deutschland führenden Unternehmen zu Lasten ihrer Kunden auf Verbandstagungen Preiserhöhungen abgesprochen, erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Auf den Marktführer A.S. Création Tapeten AG entfällt allein eine Summe von 10,5 Millionen Euro. In einer Pflichtmitteilung an die Börse kündigte das Gummersbacher Unternehmen an, beim Oberlandesgericht in Düsseldorf Einspruch gegen den Bescheid des Kartellamtes einzulegen. Die Behörde habe die Argumente, die gegen kartellrechtliche Verstöße sprechen, nicht ausreichend gewürdigt. Außerdem sei die Höhe der Bußgelder unangemessen, hieß es zur Begründung. Die Tapetenfabrik Rasch, die den Fall als Kronzeuge ins Rollen gebracht hatte, kam in den Genuss der Bonusregelung und damit ohne Geldbuße davon. Neben A.S. Création wurden auch gegen die Marburger Tapetenfabrik Schaefer, Erismann (Breisach), Pickhardt + Siebert (Gummersbach) und den Verband Deutscher Tapetenfabriken Geldbußen verhängt. In dem Fall sei eine Funktion dazu missbraucht worden, die Absprache der Hersteller aktiv zu unterstützen, betonte Mundt. Quelle: dpa
Preisabsprachen bei Haushalts- und Industriezucker Das Bundeskartellamt hat im Februar 2014 gegen drei große deutsche Zuckerhersteller wegen verbotener Absprachen Bußgelder in Höhe von rund 280 Millionen Euro verhängt. Die Wettbewerbsbehörde wirft den Unternehmen Pfeifer & Langen, Südzucker und Nordzucker vor, sich über viele Jahre hinweg über Verkaufsgebiete, Quoten und Preise abgesprochen zu haben. Ziel sei es gewesen, möglichst hohe Preise für Haushalts- und Industriezucker zu erzielen. Teilweise sei es durch die Kartellrechtsverstöße nach Aussagen von Industriekunden zu erheblichen Preissteigerungen und sogar zu Versorgungsengpässen gekommen. Quelle: dpa
Preisabsprachen bei GummiteilenWegen jahrelanger Preisabsprachen bei Gummiteilen muss der Autozulieferer Bridgestone eine Strafe von 425 Millionen Dollar (311 Millionen Euro) zahlen. Das Justizministerium geht seit einiger Zeit scharf gegen Kartelle in der Autozulieferbranche vor. Insgesamt 26 Firmen haben sich schuldig bekannt oder angekündigt, dies zu tun. Die Strafen summieren sich mittlerweile auf mehr als zwei Milliarden Dollar. Bridgestone trifft es nun besonders hart, weil das Unternehmen vor zweieinhalb Jahren schon einmal für Absprachen belangt wurde und damals mit 28 Millionen Dollar büßte. Bridgestone verdient sein Geld zwar weiterhin überwiegend mit Reifen, produziert jedoch unter anderem auch Fahrwerkskomponenten. Im Fall von Februar 2014 ging es um Gummiteile, die zur Schwingungsdämpfung im Auto eingesetzt werden. Die Absprachen zwischen verschiedenen Herstellern haben nach Erkenntnissen der US-Justiz von Anfang 2001 bis Ende 2008 gedauert. Zu den Geschädigten gehörten demnach unter anderem die Autobauer Toyota und Nissan. Sie haben auch Werke in den USA. Bridgestone kündigte an, dass die beteiligten Mitarbeiter zur Rechenschaft gezogen würden. Zugleich versicherte das Unternehmen, dass das Management nichts gewusst habe. Führungskräfte würden auf einen Teil ihres Gehalts verzichten, „um das aufrichtige Bedauern für diesen Vorfall zu unterstreichen“, wie Bridgestone erklärte. Quelle: dapd
SiemensDie EU-Kommission hatte Siemens und zehn andere Unternehmen aus Europa und Japan im Januar 2007 wegen eines Kartells für gasisolierte Schaltanlagen zu Geldbußen von insgesamt 750 Millionen Euro verdonnert. Siemens hatte dabei die höchste Buße kassiert. Den Unternehmen wurde vorgeworfen, Ende der 80er Jahre in diesem Marktsegment Auftragskontingente aufgeteilt und Preise abgesprochen zu haben. Siemens blieb 2013 endgültig an seiner Strafe von fast 400 Millionen Euro hängen. Der Europäische Gerichtshof schmetterte am 19. Dezember die Berufung des Industriekonzerns gegen das Urteil der Vorinstanz ab. Schon 2011 hatte das EU-Gericht die Klage von Siemens gegen die Kartellstrafe abgewiesen. Der Münchener Konzern war daraufhin vor den EuGH gezogen. Mit dem Urteil des EuGH ist die Strafe rechtskräftig. Quelle: REUTERS
Heidelberg Cement Quelle: AP
NestléIm Kartellverfahren gegen zahlreiche Lebensmittelkonzerne ist das Marktschwergewicht Nestle glimpflich davongekommen. Das Bundeskartellamt verhängte im März 2013 unter anderem wegen unerlaubter Preisabsprachen mit dem Wettbewerber Kraft gegen Nestle ein Bußgeld von 20 Millionen Euro. Grund für den vergleichsweise geringen Betrag sei die Kooperation des Schweizer Nahrungsmittelkonzerns mit den Behörden bei der Aufklärung der Vorwürfe. Quelle: REUTERS
Haribo2012 wurde Haribo Bundeskartellamt mit einem Bußgeld in Millionenhöhe bestraft. Der Gummibärchen-Hersteller und ein verantwortlicher Vertriebsmitarbeiter mussten wegen eines verbotenen Informationsaustauschs mit Konkurrenten insgesamt rund 2,4 Millionen Euro zahlen, wie die Wettbewerbshüter mitteilten. Haribo-Mitarbeiter sollen sich mit drei anderen Süßwarenherstellern regelmäßig informell über Verhandlungen mit dem Einzelhandel etwa über Rabattforderungen der Händler ausgetauscht haben. Quelle: dpa/dpaweb
SchokokartellIm Jahr 2011 wurden gegen Kraft Foods Deutschland, Unilever Deutschland und die Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG Bußgelder in einer Gesamthöhe von rund 38 Millionen Euro verhängt. Angeleiert wurde das Verfahren seinerzeit aufgrund eines Kronzeugenantrags der Mars GmbH, die daher ohne Geldbuße davonkam. "Hochrangige Vertriebsmitarbeiter der Unternehmen haben sich über mehrere Jahre in einem regelmäßigen Gesprächskreis getroffen und gegenseitig über den Stand und den Verlauf von Verhandlungen ihres Unternehmens mit verschiedenen Einzelhändlern, teilweise auch über beabsichtigte Preiserhöhungen informiert", erklärte Kartellamts-Präsident Andreas Mundt. Im klassischen Sinne seien das keine Kartellabsprachen gewesen, der Wettbewerb sei aber dadurch stark beeinträchtigt worden. Betroffen waren vor allem Süßwaren, Heißgetränke, Tiernahrung und Tiefkühlpizza. Quelle: dpa

Jürgen Markus' Songtitel 'Auf dem Karussell fahren alle gleich schnell' ist längst zur perfiden Vision aller Kartelle mutiert - gegen uns Konsumenten, die Aktionäre, unsere Gesellschaft und unser aller Zukunft.

Kartelle sind geronnene gestrige Erfolge. Betoniertes Denken und Handeln. Kartelle sind die Waffe des Establishments gegen die Jugend und das Anderssein, die Innovation und Revolution, die Vielfalt und den Fortschritt. Kartelle sind Spaßbremsen. Der Verrat an der freien Marktwirtschaft.

Warum sind sie in Managerkreisen trotzdem so überaus beliebt? Nun, sie erleichtern das Leben ungemein. Sie gaukeln Politik, Konsumenten, Aktionären schlicht Leistung, Wachstum und bonuswerte Strategie vor. Vor allem, wenn Manager ansonsten auf ganzer Linie versagen. Einfacher kann man Erfolg nicht vortäuschen. Einfacher kann man sein Geld nicht verdienen - ob als ganzes Unternehmen oder einzelner Manager.

Wobei 'verdienen' mehr als ein Euphemismus ist, denn das Gegenteil ist der Fall. Kartelle zerstören Unternehmen. Zerstören Unternehmenskulturen. Zerstören individuelle Motivation und Engagement. Zerstören die freie Wirtschaft. Rauben die Luft zum kreativen Atmen und den Verstand für relevante Investitionen.

1. Das Kartell der Gier

Das langweiligste und am wenigsten ambitionierte Kartell ist das der materiellen Gier. Preisabsprachen sind hier das Mittel der Wahl, um Umsätze zu halten, Marktanteile zu zementieren, kreatives Denken und Innovation zu ersetzen.

Die Wiwo hat ganze Bilderstrecken solch gescheiterter Existenzen, die wohl noch stolz auf ihr unternehmerisches Versagen sind: Bier, Tapeten, Autoersatzteile, Aufzüge, Beton, etc.

2. Das Kartell der Macht

Aus Gier wird Machtgier. Macht hilft ungemein, die kumulierte Gier mit noch weniger Aufwand zu befriedigen. Klingt fast wie ein ökonomischer Grundsatz!

Das Kartell der Macht ist nah am Monopol. Das Kartell der Macht wird forciert von Leuten, die zu schwach, zu feige, zu inkompetent für ein wirklich cooles Monopol basierend auf herausragend distinktiver Leistung sind.

Kartelle der Macht sind 'artifizielle Monopole'. Monopole, die durch Gesetze geschaffen werden, die nicht auf der Leistung des Anbieters beruhen, sondern auf seinen Beziehungen. Um diese zu identifizieren müsst Ihr einfach der Spur des Lobbyisten folgen.

Die Deutsche Bahn bildet, neben Deutscher Telekom und Deutscher Post, ein artifizielles Monopol. Berlin schöpft Gewinne ab, um Löcher anderswo zu stopfen, statt beispielsweise die Bahn - und ihr Management - von Grund auf zu restaurieren bzw. den Nahverkehr durch kostenlose Nutzung zu revolutionieren.

Von Berlin geschützte Kartelle

Die spektakulärsten Kartellfälle
Verdacht verbotener Preisabsprachen im Großhandel mit Pflanzenschutzmitteln Quelle: dpa
Jemand fährt Fahrrad auf einem gepflasterten Weg Quelle: dpa/dpaweb
Magna Quelle: AP
Anna Kurnikova Quelle: dpa
U-Bahn Quelle: AP
Schriftzug von Villeroy und Boch Quelle: dpa
Bratwürste Quelle: dpa
Logo von Thyssen-Krupp Quelle: dpa
Firmengelände von Dow Chemical Quelle: AP
Jemand hält eine Kartoffel Quelle: dpa
Fahne von Eni Quelle: AP
Hersteller von Kugellagern für die Autoindustrie stehen unter dem Verdacht illegale Preisabsprachen getroffen zu haben Quelle: AP
Jemand kratzt Eis von einer Scheibe Quelle: dpa
Logo von Intel Quelle: dapd
Kaffeetasse Quelle: dpa
Gasflammen Quelle: dpa/dpaweb
Rolltreppen Quelle: ZB
Gemüse Quelle: AP
Leute stoßen mit Bier an Quelle: dpa
Zementsäcke von HeidelbergCement Quelle: dpa/dpaweb

Berlin nimmt den Ärmsten, denen, die auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind, und gibt den Reichsten, zB Elbphilharmonie, den Inkompetentesten, zB Flughafen Berlin, den eigenen Komplizen, zB Stuttgart 21. Eine gigantische Umverteilung, die die Ungleichheit Deutschlands weiter forciert.

So sind auch unsere Banken Kartelle, die niemand bremst, artifizielle Monopole, die ungestraft einen himmelschreienden Zynismus zu ihrem Geschäftsmodell machen: 'Hohe Überziehungszinsen sollen die Menschen vor Überschuldung schützen'.

Da wird normal empfindenden Menschen schlecht, allein die Vorstandsmillionäre lachen sich beim Geldzählen kaputt. Die Banken haben sich inzwischen meilenweit von ihrem wahren Sinn entfernt und sich längst einen neuen Un-Sinn gegeben. Kartelle der Macht. Geschützt von Berlin.

Hierhin gehören auch unsere deutschen Automobilkonzerne, die sich ihre Abgasnormen und Spritverbrauchsmessungen via Berlin und Brüssel selbst auf den Leib schneidern.

Noch stärker allerdings sind sie definiert durch die folgende Dimension:

3. Das Kartell der Dummheit & Einfalt

An der Schnittstelle von Macht und Einfalt liegt das Meinungskartell. Parteien sind hier Vorreiter, weshalb meine vorige Kolumne 'Das Ende der Parteien' betitelt war.

Das Kartell der Einfalt beruht einerseits auf der alleinigen Konzentration auf erfolgreiche Prozesse der Vergangenheit. Prozesse aus einer nicht mehr aktuellen, nicht mehr zielführenden Zeit.

Im Zweifel haben diese damals erfolgreichen Prozesse erst unsere aktuellen Probleme geschaffen. Denkt da mal drüber nach!

Andererseits beruht das Kartell der Einfalt auf dem Ausblenden anderer Meinungen, des kritischen Denkens und der Vielfalt. "Wo alle gleich denken, denkt keiner wirklich", formulierte dies ein bekannter Journalist, dessen Name mir entfallen ist.

Dies trifft sehr schön für unsere Autokartelle der Einfalt zu, die zu allem Überfluss sich gegenseitig die gleichgeschalteten Top-Manager abspenstig machen, um ewig gleiches jetzt an anderer Stelle zu denken. Wow.

Da holt man sich also einen Top-Manager, der den anderen Konzernen ebensowenig zum Durchbruch verhelfen konnte, ins eigene Unternehmen, um hier auch keinen Durchbruch zu erleben. Wie traurig.

Übrigens: Wer dieses Vorgehen nicht für absolut abstrus hält, der stelle sich bitte vor, Steve Jobs hätte das iPhone damals mit Managern von Telekom, Vodafone und Nokia entwickeln wollen. Oder das iPad mit Managern von Microsoft und HP oder gar Siemens. Versteht Ihr jetzt, was ich meine? Kartelle der Einfalt.

Sportliches Leistungsdenken könnte helfen

„Der gegenseitige Wettbewerb ist sehr gesund“

Da passt gut ins Bild, dass der BMW-Chef auch noch behauptet, "der gegenseitige Wettbewerb ist sehr gesund".

Im Kartell drehen sich alle gleich schnell. Und das finden auch noch alle gut. Das kann man mal 125 Jahre ohne wirkliche Innovation aushalten.

Was ist also zu tun?

Ein wenig Bildung könnte nicht schaden. Ein wenig sportliches Leistungsdenken. Den Markt als sportlichen 'Gegner' sehen, mit dem man sich misst, dem man voraus sein möchte, an dem man über sich selbst hinauswachsen kann. Nicht als Feind, den man austricksen muss.

So, wie wir alle zwei Gehirnhälften besitzen und idealerweise beide nutzen, und damit innovativ, gar disruptiv sein können, so benötigen Unternehmen zwei Hirne, zwei Herzen, zwei Seelen, die idealerweise eins sind. Benötigen dringend Reibung, Austausch, Luftveränderung.

Keine Scheu vor Vielfalt

Unternehmen und Manager müssen in einem ersten Schritt dringend auf ihre Renegaten hören, wie dieser Wiwo-Artikel sie so treffend tituliert.

Bei Qoros treffen sich nicht die Ja-Sager der Industrie, die ausgelaugten Bequemlichkeits-Kartell- und Monopol-Manager, sondern die Jungs, die noch was bewegen wollen. Ein guter Start.

Den Markt aufmischen werden sie natürlich nicht, denn auch sie haben nur das durchschnittlichste aller möglichen Automobile entwickelt. Wie sollten sie auch etwas anderes wagen als das Bestehende zu perfektionieren, statt es disruptiv komplett infrage zu stellen, so einfalts-domestiziert wie sie sind!?

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Aber hier könnte die zweite Hirnhälfte aktiviert werden. Hier besteht keine Scheu vor Vielfalt und kritischem Denken. Hier besteht ein offener Geist, der Neues wagt.

Über das Produkt, den Markt, das geliebte Kartell hinausdenken, Monopole des Nutzens, der Leistung schaffen, statt Kartelle der profanen Gier, Macht oder Einfalt, das ist das Gebot der Stunde. Inspirierend vorangehen, statt ignorant und fast trotzig den dringend notwendigen Fortschritt auszubremsen. Sich selbst übertreffen, wenn es schon sonst keiner tut. Allüberall.

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