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Berühmte letzte Worte

Diese Frauen-Quote ist eine Zote!

Wenn schon Quote, dann wenigstens frauenfeindlich! Eindrucksvoller als die Koalition kann man die Gleichstellung der Business-Frau nicht zu Grabe tragen, meint unser Kolumnist.

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Füße Quelle: dpa

Gut, die Euphemismen der Regierenden, ihre Nebelkerzen und Potjemkinschen Dörfer sind immer leicht durchschaubar. Aber mit der Quote schießen sie wirklich den Vogel ab. Genial. Von Frauen erdacht!

Schauen wir uns kurz die wenigen Fakten an:

Ich darf dies kurz kommentieren:

- "Aufsichtsrat" (AR): trifft sich alle paar Monate, um den Vorstand zu beaufsichtigen, der die eigentliche Führungsarbeit erledigen sollte. Im Vorstand sitzen meist die besten Freunde des AR - vice versa. Siehe den sogenannten Aufsichtsrat von Bayern München in der Causa Hoeneß.

Aufsichtsräte werden meist erst Jahre, nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist, aktiv. Aus Freundschaft. Siehe ThyssenKrupp, Siemens, et al.

Aufsichtsräte sind von Aktionären alimentierte bessere Burschenschaften, sind überflüssige Wurmfortsätze. Der Treffpunkt alter Männer und Gewerkschaftler. Das beweist die Realität deutscher Konzerne eindrucksvoll.

Die besten Zeiten der Aufsichtsräte sind vorbei.

- "... die ab 2016 neu besetzt ...": Dies ist das Signal der Politik an alle ARs, sich spätestens 2015 neu und männlich zu bestücken. Denn AR-Mitglieder treten ausschließlich auf eigenen Wunsch zurück, wenn sie sich zum Sterben zurückziehen an die Biegung des Flusses. Oder draußen ein RTL-Team mit dem Staatsanwalt steht, weil man Steuern hinterzogen, Politiker bestochen oder gegen sonstige Gesetze verstoßen hat.

Bis 2021-30 wird sich also wenig ändern in den Aufsichtsräten.

- "... mindestens 30 Prozent Frauen ...": Ich war in Mathematik immer schlecht, aber ein paar Grundregeln der Prozentrechnung konnte ich mir aneignen. Ich weiß also, dass 30 Prozent nicht die Hälfte von 100, sondern nur die Hälfte von 60 ist.

Gleichberechtigung, Gerechtigkeit, Balance, Augenhöhe - oder?

So ist es um die Frauenquote in Dax-Konzernen bestellt
Deutsche PostAn den Schaltern und als Zusteller arbeiten viele Frauen für die Deutsche Post, nur in den Führungsetagen findet man kaum welche. In Deutschland sind 36 Prozent der Mitarbeiter weiblich, im mittleren und oberen Management sind dagegen nur 19,5 Prozent Frauen tätig. Weltweit ist der Anteil noch niedriger. Weltweit sind nur 18,5 Prozent der Top-Manager bei der Deutschen Post weiblich. Im Rankin der Dax-Konzerne ist das allerdings keine schlechte Platzierung. Die Deutsche Post belegt damit Platz 13. Einen mitunter deutlich geringeren Frauenanteil in Führungspositionen haben die Deutsche Börse, Continental, Daimler, Heidelberg Cement, BASF, E.On, Linde, Infineon, Siemens, ThyssenKrupp, RWE, SAP, BMW und die Lufthansa. Quelle: dpa
Deutsche BankDeutschlands größte Bank landet derzeit in puncto Frauenanteil in Top-Positionen nur auf Platz zwölf. In den nächsten Jahren will das Unternehmen aber einiges tun: Bis Ende des Jahres 2015 sollen 25 bis 35 Prozent aller Managing Directors und Directors bei Deutschen Bank Frauen sein. Derzeit sind nur 18 Prozent der Banker, die etwas zu sagen haben, weiblich. In Deutschland sind es noch weniger: Obwohl 47 Prozent der Mitarbeiter in Deutschland Frauen sind, sitzen nur 16 Prozent Frauen auch in den Führungsetagen. Quelle: REUTERS
Bayer30 Prozent der Mitarbeiter bei Bayer Deutschland sind Frauen. International sind 36 Prozent der Angestellten weiblich. In den Führungsetagen des Chemie- und Pharmakonzerns treffen sich dagegen überwiegend Männer: In Deutschland sind zwar 36 Prozent der Topmanager weiblich, weltweit sind es dagegen nur 23 Prozent. Bis Ende des Jahres 2030 soll dieser Anteil auf 30 Prozent steigen. Quelle: dpa
Deutsche Telekom Die Deutsche Telekom will weltweit den Anteil an Frauen im mittleren und oberen Management auf 30 Prozent erhöhen. Ende 2015 soll ein Drittel der Führungspositionen mit Frauen besetzt sein. Noch sind es deutschlandweit bloß 14,6 Prozent, weltweit schafft es der Telekommunikationskonzern immerhin auf 24 Prozent Frauen in Führungspositionen. Quelle: dpa
MerckWas den internationalen Anteil von Frauen in Führungspositionen anbelangt, liegt die Telekom gleich auf mit dem Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck KGaA. Auch bei Merck sind weltweit 24 Prozent der Topmanager weiblich. Nur bezogen auf Deutschland überholt Merck die Telekom sogar: 20 Prozent der deutschen Führungskräfte bei dem Chemieriesen sind Frauen. Bei einem Gesamtanteil von nur 38 Prozent an der Belegschaft ist das keine schlechte Quote. Bis Ende 2016 möchte das Unternehmen dafür sorgen, dass an allen Standorten 25 bis 30 Prozent der Führungskräfte Frauen sind. Quelle: dpa
BeiersdorfBeim Hersteller von Nivea, Tesa und Labello sind zwar etwas mehr als 50 Prozent Frauen beschäftigt, in Deutschland sind allerdings nur 22,5 Prozent der leitenden Angestellten weiblich. Bis Ende 2020 will der Konsumgüterkonzern den Frauenanteil auf 25 Prozent erhöhen. Weltweit sind bereits 25 Prozent der leitenden Angestellten bei Beiersdorf Frauen. Im Vergleich mit anderen Dax-Konzernen liegt das Unternehmen damit im mittleren Drittel. Quelle: dpa
CommerzbankAuch die Commerzbank will ihren Frauenanteil in Führungspositionen erhöhen. Bis 2015 soll ein Drittel der Vorstände und Topmanager weiblich sein. Derzeit sind es deutschlandweit noch nur 24 Prozent, obwohl die Hälfte der Belegschaft Frauen sind. International erreicht die Coba einen Frauenanteil von 25,7 Prozent in den oberen Etagen. Quelle: REUTERS

Wer also sind diese freien 40 Prozent? Schließlich ist die Idee der Quote doch Gleichberechtigung, Gerechtigkeit, Balance, Augenhöhe, oder? Oder dürfen Frauen und Männer ab 2016 ihre Kids mit in die Aufsichtsratssitzungen bringen? Das wäre natürlich ein wesentlicher Fortschritt.

Was also soll diese schwachsinnige 30? Ein Kompromiss, der ekligen Realität geschuldet? Mann, Mann, im wahrsten Sinne: Mann.

Diese Quote ist ein schlechter Witz. Das Papier nicht wert, auf dem sie steht. Ich dachte, wenn es ernst wird, kommt natürlicherweise die 50, alles andere wäre eine Farce. Es ist doch schlimm genug, dass wir überhaupt eine Quote brauchen. Schlimm genug, dass Männer zwar zu Hause Frauen lieben, aber anscheinend im Business nicht genügend respektieren, um sie gleichberechtigt neben sich zu dulden.

Und, ja, es ist falsch, dass es zu wenig gute Frauen gibt. Das Gegenteil ist der Fall: Es gibt zu wenig gute Männer, die sich trauen, gute (und bessere) Frauen neben und über sich agieren zu lassen.

Diese Quote ist eine Zote. Sie beleidigt nicht nur die (Intelligenz, den "gesunden Menschenverstand" und die Weisheit der) Frau. Sie signalisiert dem Manager - und dies nicht nur unterschwellig, sondern äußerst plakativ - die wahre Stellung der Frau: 30 Prozent. Du bist weniger als gleichberechtigt. Du verdienst 20 Prozent weniger, also kannst Du auch 20 Prozent weniger oft vorkommen in meiner Welt.

Deutschland



Diese Quote institutionalisiert Minderheiten. Sie etabliert Zweiklassengesellschaften in Aufsichtsräten - und darüberhinaus, denn sie liefert das denkbar schlechteste Vorbild für die 'ab 2015 zu definierenden Ziele für Vorstände und Führungsetagen' (siehe oben). Ab 2015 zu definieren, nicht umgesetzt zu haben.

Sie präjudiziert 'Klassenkämpfe'. Sie nimmt den Frauen jede Chance, machtvolle Netzwerke - analog ihrer männlichen Kollegen - zu bilden.

Gebt 50 Prozent vor! Nicht nur in diesen unsäglichen Aufsichtsräten, sondern genau dort, wo Frau etwas bewegen kann: in Vorständen und Geschäftsführungen, dort wo die Entscheidungen getroffen werden. Dort wo gehandelt werden muss, nicht nur geschwatzt! Etabliert nicht, was Ihr eigentlich bekämpfen wollt!

Dem Autor auf Twitter folgen: @leadculture

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