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Besser als Libra Warum Deutschland den digitalen Euro braucht

Thomas Heilmann auf der re:publica 2018. Quelle: imago images

Der CDU-Bundestagsabgeordnete und Digitalunternehmer Thomas Heilmann erklärt, warum elektronisches Geld von der Zentralbank besser als die Facebook-Währung Libra wäre. Die Unions-Bundestagsfraktion hat sich nun für einen solchen E-Euro ausgesprochen, wie er in einem Positionspapier von Heilmann und anderen Digitalpolitikern beschrieben wird.

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WirtschaftsWoche: Herr Heilmann, die Unionsfraktion fordert einen digitalen Euro, ausgegeben von der Zentralbank. Was ist der Vorteil zu bisherigen Währungen?

Thomas Heilmann: In allen bisherigen Blockchain-Währungen schwankt der Wert sehr stark, bei der bekanntesten, der Bitcoin-Währung besonders. Ein E-Euro wäre eine stabile Währung, die immer den gleichen Wert wie ein Euro auf dem Konto oder die Euromünze hätte. Das wäre also eine so genannte Stable Coin. Dieses Geld hätte vor allem im grenzüberschreitenden Handel viele Vorteile. Transaktionen von Krypto-Geld können günstiger und schneller durchgeführt werden als klassische Bank-Überweisungen, und das Ganze wenn gewünscht auch ohne Zwischenstufen wie eine Geschäftsbank. Die Zentralbank würde den Wert des Tokens, also des digitalen Geldes, gewährleisten. So wie bisher bei einem 100-Euro-Schein garantiert wird, dass der Gegenwert 100 Euro beträgt, obwohl man nur eine Geldnote in der Hand hält.

Der Plattform-Konzern Facebook hat just seine eigenen Pläne für eine weltweite digitale Währung vorgestellt – die Libra. Die soll auf stabil sein. Was ist der grundlegende Unterschied zu dem, was Sie fordern?

Facebook will mit 100 Unternehmen gemeinsam so etwas schaffen – die internationale Währung Libra. Wenn ihnen das gelingen sollte oder irgendjemand anderem, dann bekommen wir eine Weltwährung, die ausschließlich privat verwaltet wird. Wir glauben aber, dass es der Welt gutgetan hat, dass wir Inflationen und finanziellen Schocks bisher durch Zentralbanken begegnet sind. Das wäre dann nicht mehr möglich.

Ist Eile geboten, um eine Alternative zu etablieren?

Man sollte zügig überlegen, ob man eine solche stabile Währung von den Zentralbanken in Europa einführen lässt. Wenn ein Anbieter erstmal den Markt dominiert, ist es nicht mehr so einfach, überhaupt mit einem Gegenangebot hinein zu kommen. Es gibt nicht so viele Wege, wie – abgesichert von einer Zentralbank – eine stabile Weltwährung geschaffen werden kann. Das könnte der E-Dollar sein, aber eben auch der E-Euro. Es ist auch denkbar, dass China so etwas schafft. Wenn es aber Privatunternehmen werden, die eine Weltwährung anbieten, wird es mit der Regulierung ganz schön schwer oder gar unmöglich. Das dürfen wir nicht unterschätzen. Wir wollen mit unserem Papier erreichen, dass die Zentralbanken über das Thema schnell und verschärft diskutieren. Sie müssen aber am Ende entscheiden, was sie tun.          

Facebook will mit Libra schon 2020 auf den Markt kommen. Welche Schritte wären beim Modell E-Euro noch nötig?

Technisch ist das alles nicht so kompliziert. Das ginge innerhalb weniger Monate. Aber wir brauchen erstmal eine Entscheidung der Zentralbanken, dass wir das wollen. Die Bundesregierung wird sich da offiziell wohl  weniger positionieren, weil es unüblich ist, dass eine Regierung bei solchen Themen Vorgaben macht.

Wie wichtig ist eine elektronische Währung wie der E-Euro für die Unternehmen, die in Deutschland die Blockchain-Technologie vorantreiben?
Wenn es eine solche stabile elektronische Währung gäbe, eine Stable Coin, die auch breite Akzeptanz findet, dann ist das für die Branche gut. Das müsste aber nicht mal ein E-Euro sein, es könnte aus Sicht der Blockchain-Wirtschaft auch Libra werden. Ein stabiles digitales Geld würde auf jeden Fall sehr helfen, zwischen heute gängigen Währungen und der Blockchain-Wirtschaft zu wechseln. Immerhin hat Deutschland als internationales Kompetenzzentrum einen sehr guten Ruf in der Szene.

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