WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Bessere Verzinsung als am Kapitalmarkt Geld verdienen mit der Rentenversicherung

Wer früher in Rente geht, muss Abschläge hinnehmen – oder er zahlt Sonderbeiträge. Zudem: Freiwillige Beiträge in die Rentenversicherung bringen derzeit eine gute Rendite. Aber auch Nachteile für das Rentensystem.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Seit Juli können über 50-Jährige mit freiwilligen Beiträgen ihre spätere Rente aufstocken. Quelle: dpa

Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) hat sich seit 1997 als „Denkfabrik“ in Fragen der gesetzlichen, betrieblichen und privaten Altersversorgung durchaus einen guten Ruf erworben. Aber bei manchen Hinweisen und Mitteilungen des DIA bemerkt man dann eben doch, dass die Gesellschafter des privatwirtschaftlich organisierten Instituts Banken und Finanzinstitute sind. So weist das Institut in einer aktuellen Pressemitteilung darauf hin, dass gesetzlich Rentenversicherte seit Anfang Juli bereits ab einem Alter von 50 die Möglichkeit hätten, zusätzliche Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung zu überweisen.

Damit können sie der Rentenversicherung die Abschläge abkaufen, die bei einem vorzeitigen Rentenbezug fällig werden. Bisher ging das erst ab 55. Das DIA findet es gut, dass man sich die Sache nun schon ab 50 überlegen könne. Schließlich gehe es um hohe Beträge und es gebe auch die Alternative, die Rentenlücke mit einer privaten Vorsorge zu schließen, so DIA-Sprecher Klaus Morgenstern. Doch ist die angesichts der niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt wirklich attraktiv?

Rentenexperte Werner Siepe ärgert diese tendenziöse Positionierung des DIA zugunsten einer Kapitalanlage. Weitaus wichtiger für Rentenversicherte sei nämlich das, was das DIA hier offenbar bewusst verschweige: „Zumindest zurzeit sind Zahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung zum Ausgleich von Rentenabschlägen ein sehr gutes Geschäft. Das Mehr an gesetzlicher Rente schlägt angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase eine vergleichbare Rürup-Rente oder auch Rente aus der privaten Rentenversicherung“, so Siepe. 

Wann Europäer in den Ruhestand dürfen
Stand heute arbeiten die Portugiesen am längsten. Quelle: REUTERS
Auch für die Iren zieht sich die Zeit bis zur Rente hin Quelle: AP/dpa
Nur Portugiesen und Iren arbeiten länger als die Deutschen. Quelle: dpa
Polnische Männer arbeiten mit 65,25 Jahren nur drei Monate weniger als aktuelle Neurentner in Deutschland Quelle: REUTERS
Unsere holländischen Nachbarn haben es da auch nicht viel besser Quelle: REUTERS
Gleich vier Länder haben nach OECD-Daten den 65. Geburtstag als Renteneintrittsalter festgelegt Quelle: dpa
Auch in Spanien dürfen Frauen wie Männer erst mit 65 in den Ruhestand. Quelle: AP

Bestätigt wird diese Sicht auch von Michael Huber vom VZ Vermögenszentrum. Er kommt in einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe von „Focus Money“ zu folgendem Ergebnis: Selbst wenn man konservativ bis zum Ruhestandsbeginn mit 63 nur ein Prozent Rentenanpassung pro Jahr unterstellt, kommt bei einer Einzahlung in die Rentenversicherung mehr heraus als bei einer privaten Police. Zumindest, was die erreichbare monatliche Brutto-Rente betrifft.

Siepe teilt diese Einschätzung. Doch wehrt er sich gegen die Aussage von Focus Money, dass es sich bei den freiwilligen Einzahlungen in die Rentenkasse um einen Trick handele. „Es ist kein ‚Trick‘, Ausgleichszahlungen zu leisten, sondern vom Gesetzgeber ausdrücklich so gewollt.“ Das gelte auch für den Fall, in dem der Versicherte sich entscheidet, am Ende doch erst mit der Regelaltersgrenze auszuscheiden und sich die eingezahlten Beiträge in Form einer Zusatzrente auszahlen zu lassen. von z.B. 3,6 Prozent der Rentenanwartschaft.

Außerdem verschwiegen sowohl das DIA als auch Focus Money, dass Versicherte den Ausgleichsbetrag für die Rentenabschläge, der leicht 50.000 Euro erreichen kann, nicht unbedingt in einer Summe an die Rentenversicherung überweisen müssen. Gezahlt werden könne auch in zwei Raten pro Jahr. „Für einen heute 50-Jährigen mit geplanter Rente ab 63 bedeutet dies, dass er die Ausgleichssumme in 26 Teilbeträgen leisten kann.“

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%