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Betriebsrenten Industrie-Versorgungswerke auf Erfolgskurs

Trotz Niedrigzinsphase haben die Altersvorsorgeangebote in den großen Industriezweigen Metall und Chemie weiter viel Zulauf. Auch die betriebseigene Rente entwickelt sich positiv - das könnte sich in der Zukunft ändern.

BerlinDas 2001 als gemeinsame Einrichtung der beiden großen Sozialpartner Gesamtmetall und IG Metall gegründete Versorgungswerk Metallrente sieht sich weiter auf Erfolgskurs. „Wir verzeichnen auch 2017 in allen Bereichen starkes Wachstum“, so Geschäftsführer Heribert Karch. Auch das 2008 als gemeinsame Initiative der Gewerkschaft IG BCE und des Bundesarbeitgeberverbands Chemie mit der R+V-Versicherung gegründete Chemieversorgungswerk, berichtet über neue Rekorde zumindest bei der Mitgliederentwicklung. Die Metallrente meldete für 2017 rund 49.000 neue Verträge über eine kapitalgedeckte Altersversorgung. Mit über 3.000 Neuzugängen stieg die Zahl der Kundenunternehmen auf 40.000.

Auch 2018 bleibe die Verzinsung auf hohem Niveau stabil. Die hohe Gesamtverzinsung von 3,65 Prozent bei der Direktversicherung und dem Vorsorgekonzept Profil, solle unverändert beibehalten werden, so Karch. Besonders gut entwickelte sich der Metall-Pensionsfonds: Im vergangenen Jahr haben sich 23 Prozent mehr Beschäftigte dafür entschieden als noch 2016. Er habe für Sparer bis 55 Jahren in den vergangenen fünf Jahren eine Wertentwicklung von 7,8 Prozent pro Jahr erzielt. „Wer in der Vergangenheit seine Altersvorsorge über den Betrieb in unseren Pensionsfonds gesteckt hat, darf sich also heute über eine kräftige Rendite freuen“, lobt Karch sein Unternehmen.

Allerdings war das in den vergangenen Jahren angesichts einer stetigen Aufwärtsentwicklung an den Aktienmärkten auch kein allzu großes Kunststück. Tatsächlich liegt Metall-Rente mit dieser Performance im oberen Bereich anderer betrieblicher Altersversorgungen, die auf Direktversicherungen basieren. Durch die Anlageverordnung sind Versicherer gezwungen, überwiegend in mager rentierende Zinspapiere zu investieren. Die laufende Verzinsung von zehn großen bAV-Versicherern liegt daher aktuell nach Informationen des Beratungsunternehmens Towers Watson noch zwischen drei und 3,6 Prozent in diesem Jahr. Bei fünf Versicherern sind die Renditen schon um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr gesunken.

Auch das Chemieversorgungswerk sieht sich weiter auf Erfolgskurs, wenn auch auf insgesamt kleinerem Level, was die Zahl der Versicherten und der beteiligten Unternehmen angeht. Mit mehr als 200.000 Versicherten und mehr als einer Milliarde Euro Anlagevermögen habe das Versorgungswerk 2017 gleich zwei Rekordmarken geknackt, meldete jetzt die Gewerkschaft IG BCE. Mit über 1000 teilnehmenden Unternehmen sei inzwischen immerhin mehr als jedes zweite Chemieunternehmen beteiligt. Besonders erfolgreich sind laut R+V die Produkte, die im Rahmen des Chemie-Pensionsfonds angeboten werden. „Seit Auflegung im Jahr 2002 bis zum Jahr 2016 haben wir beispielsweise für diesen fondsgebundenen Teil einen jährlichen Zuwachs von 5,4 Prozent per Anno erzielt“, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. Ein wichtiges Angebot bei Metallrente und Chemieversorgungswerk ist auch die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit zu bezahlbaren Konditionen, da wegen der großen Zahl der Versicherten auf eine Gesundheitsprüfung verzichtet werden kann. Über 23.000 Beschäftigte haben 2017 eine private Metallrente-Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen. Damit steigt die Zahl auf insgesamt 80.000 Verträge.

Beim Chemieversorgungswerk sind es 30.000 Beschäftigte, die von einem vergleichbaren Angebot Gebrauch gemacht haben. Zum Angebot des Chemie-Versorgungswerks gehört außerdem das Segment der Lebensarbeitszeitkonten für aktuell mehr als 70.000 Beschäftigte. „Das Chemie-Versorgungswerk ist zu einem wichtigen Baustein für die Gestaltung des demografischen Wandels geworden. Es ist ein gutes Beispiel für die Chancen sozialpartnerschaftlicher Tarifpolitik“, lobte BAVC-Hauptgeschäftsführer Klaus-Peter Stiller die Entwicklung.“

Er kündigte an, dass die Chemiearbeitgeber nun gemeinsam mit der IG BCE auch die Möglichkeiten des im Januar in Kraft getretenen neuen Betriebsrentengesetzes nutzen wollten. Dies macht vor alledem deshalb Sinn, weil die Niedrigzinsphase von Jahr zu Jahr größere Schleifspuren bei der Renditeentwicklung hinterlassen wird. IG BCE-Chef Michael Vassiliadis will denn auch die neuen Möglichkeiten des Betriebsrentenstärkungsgesetzes nutzen. Mit dem neuen Gesetz haben die Tarifvertragsparteien erstmals die Möglichkeit, den Beschäftigten Betriebsrentenmodelle ohne Garantien anzubieten. Statt eines fixen Versorgungsversprechens wird nur eine Zielrente vereinbart.

Der Chef von Metall-Rente, Heribert Karch sprach sich vehement dafür aus, diese neuen Möglichkeiten offensiv zu nutzen. „Die Tarifparteien haben nun viel neuen Spielraum für die Ausgestaltung der Betriebsrenten. Die Möglichkeiten sind gewaltig, bedingen aber durch die Erweiterung der Steuerungsaufgaben auch eine neue Rolle der Sozialpartner,“ sagte Karch.

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