Bettina Röhl direkt

Was hinter der Marke Alice Schwarzer steckt

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Alice Schwarzer war der Cohn-Bendit des Feminismus

Ja sie, die junge Alice, hatte ihre Simone im Paris der frühen siebziger Jahre kennengelernt und mag sich im Glanz des berühmten Un-Paares, Jean-Paul Sartre/Simone de Beauvoir, jener gigantischen Fix-Sterne der modernen französischen Gesellschaft, selber ein bisschen für erleuchtet gehalten haben, für feministisch erleuchtet. Jedenfalls erwähnt Schwarzer ihre Simone, wann immer sie es für opportun hält und sie hält es oft für opportun. Das war die marxistisch-leninistische Phase im Leben von Schwarzer, die dort in Paris praktisch ihre Kaderausbildung im politischen Nahkampf erhielt.

Sich selbst und natürlich ihren Feminismus im veröffentlichten Raum und auch hinter den Kulissen subversiv durchzusetzen, gehörte seitdem zu ihrem Repertoire, zu ihrem Handwerkszeug. Sie war gleichsam der Cohn-Bendit des Feminismus. So wie der kleine Dany le Rouge 1968 in Frankreich mit seinem revolutionären Kampf und der kommunistischen Partei Frankreichs im Rücken den europäischen Giganten Charles des Gaulles heraus forderte, träumte Schwarzer davon, den deutschen Mann und überhaupt den Mann (das Patriarchat) quasi abzuschaffen oder mindestens überflüssig zu machen.

Seit ihren frühen Jahren in Paris machte Alice Schwarzer  Politik, in dem sie Kampagnen organisierte. Man erinnert sich an die eigentlich vom Nouvel Observateur inspirierte Abtreibungskampagne in Paris.

Die größten Steuersünder
Uli HoeneßMitte März 2014 wurde der Präsident des FC Bayern, Uli Hoeneß, wegen seiner millionenschweren Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Hoeneß hat dem Fiskus mit seinem Schweizer Geheimkonto mindestens 28,5 Millionen Euro an Steuern vorenthalten. Quelle: REUTERS
Anton HofreiterDer Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, hat jahrelang keine Steuern für seine Zweitwohnung in Berlin abgeführt und muss nun mit einer Geldbuße rechnen. „Das ist ein Fehler, den ich bedaure“, sagte Hofreiter über das Steuervergehen. „Ich kann ihn leider nicht ungeschehen machen, sondern nur schnellstmöglichst beheben.“ Quelle: dpa
Niels AnnenAuch der Hamburger SPD-Bundestagsabgeordnete Niels Annen (rechts im Bild) hat eingeräumt, keine Zweitwohnungssteuer bezahlt zu haben. Sein Berliner Büro bestätigte einen entsprechenden Bericht der Hamburger „Morgenpost“, wonach der außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion jahrelang für seine Zweitwohnung in der Hauptstadt keine Steuern bezahlt hat. Annen selbst sagte dem Blatt: „Ich will das gar nicht entschuldigen und ärgere mich über dieses Versäumnis. Ich werde jetzt selbstverständlich alles nachzahlen.“ Quelle: dpa
Oktoberfestwirt Sepp Krätz Quelle: dpa
Helmut LinssenDer ehemalige CDU-Bundesschatzmeister trat wegen Geldes in Steueroasen zurück. Erst nach dem Tod seines Vaters habe er von dem Konto in Luxemburg erfahren, seine Mutter habe auf dem Verbleib des Vermögens im Ausland bestanden, sagte der frühere nordrhein-westfälische Finanzminister. Quelle: dpa
André Schmitz„Ich habe einen schwerwiegenden Fehler begangen, den ich sehr bedauere“, erklärte der damalige Berliner Kulturstaatssekretär und räumte ein, ein Konto mit fast einer halben Million Euro in der Schweiz nicht versteuert zu haben. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wusste seit 2012 von dem Steuerbetrug, ließ Schmitz aber im Amt. Schmitz kündigte seinen Rücktritt an. Quelle: dpa
Theo SommerFreiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten zur Bewährung für den ehemaligen Herausgeber der Zeit - außerdem eine Geldbuße von 20.000 Euro in einen Förderfonds für Wissenschaft, Bildung und Kunst. Laut Anklage hat der 83-Jährige zwischen 2007 und 2011 Steuern in Höhe von 649 000 Euro nicht bezahlt, die aus Einkommen aus freiberuflicher Nebentätigkeit fällig geworden wären. Der Publizist bezeichnete die Strafe als „schmerzlich, aber angemessen“. Quelle: dpa
Patrick Lindner:150.000 Euro Strafe für den Volksmusiker. Er hatte Verluste aus seiner Villa in einem Münchner Nobelviertel beim Finanzamt angegeben. Allerdings bewohnte auch Lindner selbst das Gebäude. Quelle: dpa/dpaweb
Freddy QuinnEr hatte seinen Wohnsitz in der Schweiz angegeben, tatsächlich lebte er jedoch die meiste Zeit in Hamburg. Damit entgingen dem Fiskus Steuereinnahmen von rund 900.000 Euro. 2004 wurde Quinn verurteilt, zu 150.000 Euro Strafe und zwei Jahren Haft auf Bewährung. Quelle: AP
Klaus ZumwinkelEs war der wohl spektakulärste Fall von Steuerhinterziehung in den vergangenen Jahren. Als bekannt wurde, dass Postchef Klaus Zumwinkel fast eine Million Euro am Fiskus vorbei geschleust hatte, war das Saubermann-Image des Topmanagers dahin. Zumwinkel wurde 2009 zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt. Er hatte Geld am Fiskus vorbei an eine Stiftung in Liechtenstein transferiert. Quelle:
Boris Becker2002 wurde er zu 500.000 Euro Strafe und zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Indem er seinen Wohnsitz im Steuerparadies Monaco angegeben hatte, konnte er 1,7 Millionen Euro am deutschen Fiskus vorbeischleusen. Tatsächlich lebte Becker aber die meiste Zeit in München und hätte deswegen sein Vermögen in Deutschland versteuern müssen. Quelle: AP
Peter GrafDer Vater und ehemalige Manager von Tennisspielerin Steffi Graf musste sich 1996 wegen Steuerhinterziehung verantworten. Das Urteil für die Hinterziehung von rund 12,3 Millionen Deutsche Mark: drei Jahre und neun Monate Freiheitsstrafe. Nachdem Graf rund die Hälfte seiner Haftstrafe verbüßt hatte, konnte er das Gefängnis auf Kaution verlassen. Quelle: REUTERS
Paul SchockemöhleDer ehemalige Springreiter wurde 1996 zu elf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Er hatte Geld an eine Stiftung nach Liechtenstein transferiert und dadurch Steuern hinterzogen. 22,6 Millionen Deutsche Mark musste er nachzahlen. Quelle:
Franz BeckenbauerDer "Kaiser" geriet vor mehr als 30 Jahren auf dem ersten Höhepunkt seiner Karriere im Jahr 1976 in die Schlagzeilen - wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Er verdiente gutes Geld, zählte zu den Lieblingen der Republik und wollte wohl nicht gleich so viel seines Einkommens an den Staat abführen. In seinem Buch 1998 "Ich. Wie es wirklich war." sorgte er für Aufklärung. Er habe auf den Rat eines teuren, aber wohl schlechten Steuerberaters gehört, der ihm einen Plan nannte, wie er das deutsche Finanzamt weitestgehend umgehen könne. Diese Steuerspar-Konstruktion führte sein Geld in die Schweiz und stellte sich nachher als nicht vereinbar mit den deutschen Steuergesetzen heraus. Eine Steuerprüfung kommt zu dem Ergebnis: 1,8 Millionen D-Mark muss "Kaiser Franz" an Steuern nachzahlen. Quelle: dapd
Holger Geschwindner Er entdeckte den deutschen NBA-Superstar Dirk Nowitzki und ist seit 1995 für ihn als Berater und Coach tätig. 2006 wurde er zu einer einjährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung vom Amtsgericht Hof verurteilt. Er habe Steuern in Höhe von drei Millionen Euro hinterzogen - und das für Einkommen, das ihm aus Verträgen mit Dirk Nowitzki zugeflossen sei. Beamte durchsuchten ebenso Nowitzkis Wohnung, kamen aber zu keinem Ergebnis. Quelle: dpa
1. FC Kaiserslautern Der Verein musste 2005 dran glauben. Da stand er wegen Steuerhinterziehung vorm Bundesgericht in Leipzig. Der Vorstandsvorsitzende Jürgen Friedrich und Vorstandsmitglied Gerhard Herzog verantworteten im Zeitraum von Juli 1999 bis Juli 2002 Sonderzahlungen für die damaligen FCK-Bundesligaspieler Strasser, Lincoln, Taribo West und Nedad Bjelica zwischen 350.000 und 760.000 DM. Das Geld floss steuerfrei über Scheinfirmen an die Profis. Friedrich wurde zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt, Herzog musste 39.000 Euro zahlen. Quelle: dpa
Borussia DortmundEbenso für Empörung sorgte Borussia Dortmund 2003. Der Verein zahlte den millionenschweren Kickern steuerfreie Sonntags-, Feiertags- und Nachtzuschläge aus, wodurch der Verein Steuern in erheblicher Höhe sparte. Damaliger Finanzminister Hans Eichel polterte „Das können wir nicht hinnehmen.“ und bereitete sehr schnell per Gesetz dem Steuersparmodell ein Ende. Quelle: dpa
Bayer LeverkusenDer Klub erstattete im Mai 2004 beim Finanzamt Leverkusen Selbstanzeige, weil zwölf Millionen US-Dollar in Südamerika verschwunden waren. Der Klub zahlte „aus äußerster Vorsorge“ nachträglich etwa 3,8 Millionen Dollar zurück. Der damalige Manager des Vereins Reiner Calmund hatte zu dieser Zeit zahlreiche brasilianische Profis wie Ze Roberto, Franca und Juan unter Vertrag. Quelle: dpa
Raymond Kalla Der ehemalige Bundesligaspieler saß 2008 wegen Steuerhinterziehung im Gerichtssaal. Zum Prozessauftakt gab Kalla zu, zwischen 2002 und 2004 Gehalt vom VfL Bochum in Höhe von 640.000 Euro nicht versteuert zu haben. Das Geld sei als Prämie für einen Spielerberater in Monaco deklariert gewesen. Nach Ansicht des Gerichts allerdings handelte es sich dabei um einen Scheinvertrag - zur Verdeckung der Zusatzzahlungen. Seine Steuerschuld betrug 311.488 Euro, die er innerhalb von drei Jahren begleichen musste. Quelle: dpa

Die gelogene Heldentat

"Ich habe abgetrieben" aus dem Jahr 1971 im damals noch etwas bedeutenderen "Stern". Die Kampagne von 374 Frauen, die sich offen mit Name und Foto zu ihrer Abtreibung bekannten, war allerdings ein großer Fake, wie Jahrzehnte später heraus kam. Viele Frauen, die an der Kampagne teilnahmen, nicht nur Alice Schwarzer selber, hatten gar nicht abgetrieben. So eröffnete Mitte der 2000er Jahre Nori Möding, eine der Frauen auf dem Stern-Titel im Jahr 1971: „Die meisten von uns hatten gar keinen Schwangerschaftsabbruch hinter sich.“ Und die Süddeutsche schrieb 2010: .“ An der Wiege des Streits stand ein Bluff. Als Romy Schneider, Senta Berger und Alice Schwarzer zusammen mit 371 anderen Frauen im Stern bekannten "Wir haben abgetrieben!", war das bei vielen eine Lüge.(...) Alice Schwarzer bestätigt, dass sie nicht abgetrieben hatte. „Aber das spielte keine Rolle. Wir hätten es getan, wenn wir ungewollt schwanger gewesen wären".

Schwarzer selbst verkauft diese und die folgenden Kampagne gegen den §218 noch heute als ihre Heldentat und als Urknall der deutschen Frauenbewegung.

Die Politik und der Bauch

Die Kampagne "Mein Bauch gehört mir" beherrschte den Bundestagswahlkampf 1973 und ließ viele Frauen, die sonst CDU/CSU gewählt hätten, zur SPD oder zur FDP, die damals eine sehr linke Phase durchlebte (es war die Zeit der sozialliberalen Koalition) wechseln. Schon damals lässt sich ein gewisser Einfluss Schwarzers auf die große Politik, damals noch so stramm linksradikal, nicht leugnen.

Der absolute Durchbruch gelang Alice Schwarzer im Jahr 1975 mit ihrem Buch "Der kleine Unterschied", um den es ihr in Wahrheit vor allem ging und wohl nach wie vor auch geht. Darin erzählte sie, ganz außer sich vor Glück, von einer Operation, die den "kleinen Unterschied" zwischen Mann und Frau bedeutungslos gemacht hätte. Konkret bejubelte sie das unmenschliche Menschenexperiment des amerikanischen Sexologen John Money, der die Kastration eines kleinen Jungen, bekannt unter dem Namen "David Reimer" betrieb, um diesen Jungen, der eigentlich Bruce hieß, mit allerlei Operationen, Hormonbomben und vielen Lügengeschichten in ein Mädchen bzw. in eine Frau zu verwandeln. Money wollte damals beweisen, dass es in höherer Wahrheit keinen Unterschied zwischen Mann und Frau gäbe und dass das Geschlecht beliebig und sozial anerzogen wäre. Es handelte sich um eines jener Zwillingsexperimente, mit denen sich im Laufe der Menschheitsgeschichte schon wiederholt zweifelhafte Forscher in zweifelhafter Absicht beschäftigt haben.

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