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Bettina Röhl direkt

Peer Steinbrück zwischen rotem Filz und schwarzer Brautwerbung

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Bei den Linken wäre es anders gelaufen

So viel verdienen unsere Politiker
Angela Merkel (Grundgehalt 208.260Euro)Sie ist der Grund der Forderung des Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Hans Heinrich Driftmann sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": „Die wichtigsten Verantwortungsträger unserer Republik müssen anständig bezahlt werden. 500.000 bis 600.000 Euro für die Kanzlerin wären eine solche Größenordnung.“ Bisher verdient Merkel laut dem Bund der Steuerzahler monatlich 16.020 Euro - ohne Zulagen. Bei 13 Monatgehältern macht das für die Kanzlerin jährlich 208.260 Euro. Quelle: dpa
Joachim Gauck (199.000 Euro)Das Staatsoberhaupt erhält etwas weniger als die Kanzlerin. Bundespräsident Joachim Gaucks jährliche Besoldung beträgt 199.000 Euro. Quelle: dpa
Die Bundesminister (167.180 Euro)Für Merkels Kabinett sind monatlich 12.860 Euro je Minister vorgesehen. Das macht im Jahr 167.180 Euro - ohne Zulagen. Ob es sich für Bundesumweltminister Norbert Röttgen (Foto) da lohnt als Ministerpräsident nach Nordrhein-Westfalen zu wechseln? Quelle: dapd
Hannelore Kraft (199.756 Euro)Der Wechsel für Norbert Röttgen zum Landesvater von NRW würde sich finanziell auf jeden Fall lohnen. Die amtierende Ministerpräsidentin Hannelore Kraft gibt auf ihrer Internetseite an, ein Brutto-Amtsgehalt gemäß Besoldungsgruppe B 11 erhöht um ein Drittel zu bekommen. Die Besoldungsgruppe beträgt in NRW 11.524,40 Euro. Schlägt man noch ein Drittel drauf sind das monatlich 15.365,87 Euro – und jährlich 199.756,31. Quelle: dpa
Bundestagsabgeordnete (103.480 Euro)Unsere Volksvertreter im Bundestag erhalten monatlich 7.960 Euro - ohne Zulagen. Ab 2013 sollen die Diäten auf 8.252 Euro steigen. Nach derzeitigem Stand macht das jährlich 103.480 Euro. Quelle: dpa
Parlamentarische Staatssekretäre (180.310 Euro)Sie sind die Schnittstelle von Bundestag und Ministerien. Und da sie Abgeordnete und Staatssekretäre zugleich sind, erhalten sie laut dem Bund der Steuerzahler auch zwei Gehälter. Außer dem Amtsgehalt von rund 9.890 Euro gibt es noch eine verkleinerte Diät in Höhe von 3.980 Euro. Jährlich macht das dann 180.310 Euro. Quelle: dpa

Eins scheint aber festzustehen: Wenn die einstige Hasskappe des gesamten linken Lagers, Roland Koch, je den gleichen Honorarkomplex am Halse gehabt hätte wie Steinbrück, dann wäre der Fall sicher längst abgeschlossen gewesen. Koch wäre öffentlich ins Aus gehetzt worden, die CDU wäre ihm in den Rücken gefallen und Koch selber wäre mürbe und kleinlaut aus seiner Staatskanzlei geschlichen. Und nachkartend würde nur noch die Häme eine Rolle spielen und das Stigma: typisch schwarz, gierig, verantwortungslos, kriminell, Vetternwirtschaft, abgehoben, schlechtes Vorbild.

An Steinbrücks Krisenmanagement in eigener Sache wird deutlich, dass er - anders als er sich offenbar selber einschätzt und anders als er sich gibt - im Moment keinen verlässlichen Kompass hat.

Es geht nicht nur ums politische Programm

Sein "Antennenapparat" (O-Ton Steinbrück) hat eben nicht nur, wie er sagt, einmal versagt, vielmehr scheinen die Empfangsleistung seiner Antennen nachhaltig gestört. Wenn er ernsthaft davon überzeugt ist, dass er Millionenbeträge für seine privaten Auftritte zu beanspruchen hatte ( also "verdient hat"), dann ist er eine Belastung für seine Partei und es ist albern, wenn sich SPD-Leute und Gewerkschafter eilfertig hinstellen und sagen, Hauptsache Steinbrück hat das richtige politische Programm.  Im Übrigen ist Politik zunehmend personalisiert und Programme müssen durchgesetzt werden und da ist ein moralisch im Moment beschädigter Kanzlerkandidat nicht einfach so mit Treueschwüren vom linken bis zum rechten Flügel der SPD wieder aufs Pferd zu setzen.

Eher scheint es so, dass Steinbrück den Schock noch nicht voll überwunden hat. Da gibt es also noch erheblichen Handlungs-und Entscheidungsbedarf. Auch zu der Tatsache, dass Steinbrück jetzt tönt, was ihm alles öffentlich passiert und wie die Medien jeden Stein, was seine Person angeht, umdrehten, muss man feststellen, dass er objektiv immer noch von allen Seiten mit Glacéhandschuhen angefasst wird. Er muss nicht durch die von ihm irrig festgestellte Mühle gehen. Im Gegenteil, alle Kritik greift bislang sehr kurz. Und das gilt auch für die Kritik  von der anderen politischen Seite. Insbesondere die Unionsparteien halten sich mächtig zurück.

In den Berliner Hinterzimmern heißt es ja schon lange, dass die große Koalition ab 2013 im Prinzip schon abgekartete Sache sei und da schaut sich das Merkel-Lager natürlich ganz genau an, wer denn unter den SPD-Granden der unionskompatibelste Vizekanzler sein könnte. Da fällt die Wahl gewiss nicht zuletzt auf den konservativen Steinbrück. (Wer will in der Union schon einen Gabriel oder gar eine Nahles als Vizekanzler/in haben.) Steinbrück wird also in bürgerlichen Kreisen seine Fans haben.

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