WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen
Bettina Röhl direkt

Der Fluch des billigen Geldes

Seite 2/3

Billiges Geld wird nur kurzfristig angeboten

Wer ein Renditeobjekt sucht, kalkuliert ähnlich. Die institutionellen Anleger verderben bei billigem Geld, das sie sich vom Weltmarkt oft genug für einen Zins nahe Null holen können, ihrerseits die Preise und tun dies umso mehr, als sie in Wahrheit gar nicht auf die Einnahmeseite achten, sondern auf Spekulationsgewinne setzen. Wenn die Immobilienpreise sich vom Nutz-und Ertragswert völlig entfernen, dann hat der volkswirtschaftlich wichtige Immobilienmarkt, der von einer gigantischen Inflation geschüttelt ist, einen Aggregatzustand erreicht, den man als sehr kritisch betrachten muss.

Es ist das Wesen billigen Geldes, dass es nur kurzfristig angeboten wird. Es ist also mit einem hohen Risiko behaftet, jederzeit im Zins hoch und sehr hochzuschnellen. Platzende Immobilienblasen sind seit dem Jahr 2000 ein Phänomen, das jeder Zeitungsleser bestens kennt. Das billige Geld hat dazu geführt, dass sehr viele Menscchen auch ihre eigene Modellrechnung aufgemacht haben, denn der Traum von den eigenen vier Wänden oder dem eigenen Ferienhäuschen oder der Wohnung für den Nachwuchs ist ein legitimer und schöner Traum.

Es ist allerdings erstaunlich, wie wacker die Deutschen derzeit ihre neue Immobilienblase aufpumpen, obwohl sie die Risiken aus jüngster Anschauung bestens kennen dürften. Das Platzen der US-Immobilienblase, der Beginn der Finanzkrise 2008, der dann die Eurokrise, keineswegs losgelöst von der Finanzkrise, folgte, sind doch noch ganz gegenwärtig. Und auch die Immobilienblasen in Irland oder Spanien kann niemand vergessen haben.

Zu den Negativa des zu billigen Geldes gehört auch die unsoziale Komponente dieses Phänomens, siehe zum Beispiel den Anstieg der Mieten gerade auch für junge Leute oder Studenten. Und wie VWL-Professor Hanno Beck mit sehr viel Humor feststellte, gibt es Preisturbulenzen nicht nur auf dem Immobilienmarkt. Er stöhnte über die hochschnellenden Preise für alte Gitarren, offenbar eine Schwäche des Professors.

Der Kunstmarkt ist von Preiserhöhungen geschüttelt, die aus jedem Rahmen fallen. Auch diese Inflationserscheinung ist rein spekulativer Natur. Auch die Aktienkurse sind relativ hoch. Und immer wenn es zu spekulativ, zu inflationär wird, platzen die Blasen und erzeugen die Verwerfungen, die dann alle beklagen.

Seit dem 11.September 2001 beherrscht die Politik des billigen Geldes das finanzielle und wirtschaftliche Geschehen auf dem US-Markt und damit letzten Endes auch das Geschehen in Europa und im Rest der Welt. Die Zauberformel, Geld zu drucken und es billig auf die Märkte zu geben, hat in Wahrheit längst abgewirtschaftet. Trotzdem bedienen sich ihrer immer noch viele Regierungen, Bankmanager und auch die Notenbanken der USA und Europas. sogar das Gespenst der Deflation wird seit geraumer Zeit an die Wand gemalt und dient als neuerliche, zusätzliche Begründung für die Ausdehnung und Verlängerung der Niedrigzinspolitik.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%