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Bettina Röhl direkt

Experimente der Bildungsideologen schaden den Kindern

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Codes und Formeln statt Noten

Es ist so unendlich peinlich, die Bildungsscharlatanerien mitanzusehen und den Kindern, die etwas lernen wollen und sich auf die Schule freuen, erklären zu müssen, dass Schule wenig mit Wissensvermittlung und viel mit aufgedrehtem Geschwafel zu tun hat. Es ist in Wahrheit unmöglich, einem offenen neugierigen Kind zu erklären, dass eine Dada-Rechtschreibung, der gemäß jeder jedes Wort schreiben kann, wie es ihm gerade in den Sinn kommt, tatsächlich Schule ist oder umgekehrt, dass die Schule in ihren "reformierten" Teilen selber dada ist und zwar von der ersten Klasse an.

Natürlich ist es auch peinlich, einem Kind ein unendlich umständliches und langes, in Codes verpacktes Un-Zeugnis erklären zu müssen, das die Eltern am Ende des Schuljahres so in die Hand gedrückt bekommen. Eltern müssen mit der Enttäuschung von Kindern leben, die sich auf ihr Zeugnis gefreut haben.

Im Übrigen verwirrt die Hieroglyphen-Wirtschaft bei den Zeugnissen nicht nur Eltern und Kinder, sondern auch die Lehrer selbst, die plötzlich Kriterien bewerten sollen, die irrelevant oder nebensächlich sind, die dafür aber auf eine klare Benotung mit Erläuterungen, die es ja schon immer gab, verzichten müssen. Das große Verwirrspiel immer neuer Codes schafft nicht Gerechtigkeit und auch nicht Information und auch keine klaren Botschaften, sondern viel heiße Luft. Und viel Frust.

Natürlich gibt es nicht die ideale Schule, nicht den idealen Lehrer, nicht die ideale Bildung. Viele leistungswillige Schüler lassen sich mit Hilfe ihrer Eltern, die eigentlich nicht dazu da sind, ein ideologisiertes Anti-Bildungsangebot des Staates zu ersetzen, nicht daran hindern, ihren Leistungsweg zu gehen. Und da offenbart sich eine Schizophrenie, die auch nicht ganz neu ist.

In Arbeit
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Mit allem Egalismus soll den Kindern aus privilegierten Elternhäusern eigentlich jeder Wettbewerbsvorteil ausgetrieben werden. Tatsächlich aber überlassen es die Bildungsideologen eben diesen Elternhäusern, die gravierenden Systemmängel auszugleichen und für den fachkundigen Nachwuchs Sorge zu tragen, den der Wirtschaftsstandort Deutschland braucht.

Die sogenannten bildungsfernen Schichten haben fast gar keine Möglichkeit den Bildungsirrsinn auszugleichen. Gerade schwache Schüler, über deren zu verbessernde Bildungschancen so viel daher geredet wird, tragen in diesen ideologisierten, permanent reformierten Bildungssystem der Republik noch schwerer an ihrem Schicksal die für die Zukunft nötige Bildung und Ausbildung zu erfahren. Den bildungsferneren Schichten ist es im Zweifel auch viel schwerer zu vermitteln, dass sie von den ihnen zugedachten Bildungswohltaten des Staates nichts als Unbill haben.

Die grausame Selbstbefriedigung der permanenten Bildungsrevolutionäre war die erste Vorhut der auf ganzer Linie gescheiterten 68er und sie ist leider jetzt die gefährlichste Nachhut. Nicht selten sind es noch dieselben Personen, die ehedem als 18 bis 28-Jährige für den kulturrevolutionären Umsturz des Systems kämpften und die nun als 55 bis 65-Jährige zu Lasten ihrer eigenen Enkel den Bildungsirrsinn von damals in Bildungspakete pressen.

Und die Wirtschaft? Sie hilft sich mit eigenen, allerdings von den nämlichen Bildungsreformern entwickelten Eingangstests, die dann allerdings alles andere als gerecht und objektiv sind. Übrig bleibt catch as catch can.

Summerhill - gescheitertes Experiment oder Avantgarde?

Und klar: Natürlich ist Summerhill, die antiautoritäre Urschule aus den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in England, nicht die Kaderschmiede der hohen Wissenschaft, sondern ein kläglich gescheitertes Experiment gewesen, jedenfalls nach der Lesart der konservativen Pädagogik. Jetzt allerdings, nachdem die neueste Welle der Reformpädagogik den Westen überrollt, reussiert Summerhill mit seinem freiwilligen Lernen wieder zur neuen uralten Avantgarde.

Allerdings immer noch auf unterstem Niveau. Und was passiert an den Universitäten? Die werden bekanntlich immer rigoroser verschult. Ein Reflex auf die allseits beklagte Niveaulosigkeit der Schulen?

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