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Bettina Röhl direkt

Sexismus: Ist Brüderle Opfer oder Täter?

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Das Sich-Kennenlernen

Brüderle schweigt zu Sexismus-Vorwürfen dauerhaft

Der Eingefangene, der sich einbildet der Jäger zu sein, und der auch in diesem Glauben von der Frau und der Gesellschaft bestärkt wird, guckt sich nun die Frau auch von Kopf bis Fuß an. Dabei streift sein Blick auch womöglich ihren Busen, ihre Taille, ihren Po, ihre Beine und vielleicht zurück zum Busen und natürlich zu ihrem Gesicht und ihrer Gesamterscheinung. Vielleicht interessiert ihn auch nur das Gesicht. Jedenfalls ist das Moment des Betrachtens ein starkes Moment in diesem Augenblick. Und sofort gehen die Träume los: Wie sie wohl aussieht, wie er sich wohl anfühlt. Und sofort gehen die Komplimente und die Frechheiten und vielleicht auch kleine erlaubte Grenzüberschreitungen los.

Zum Beispiel in Gestalt einer indiskreten Bemerkung, einer frechen Frage, der ersten Berührung, zufällig oder nur als zufällig getarnt usw. Die Menschheit wäre ausgestorben, wenn sich die überwiegende Zahl von heterosexuellen Männer und Frauen nicht auf die eine oder andere Art kennengelernt hätten und sich näher gekommen wären.
Flirten macht Spaß. Und in der Neo-Prüderie heutiger Zeiten nach den sexuellen Freizügigkeiten der sechziger und siebziger Jahre wird viel zu wenig geflirtet oder nur sehr indirekt und über die Bande, was oft nervig und nicht zielführend ist. Bei weitem muss Flirten nicht immer zu irgendetwas führen, aber reines Warmhalte-Flirten, was heute ja, vor allem in Büros auch in Mode ist, ist auf längere Sicht eher frustrierend.

Flirten macht Spaß!

Viele Indikatoren deuten darauf hin, dass Menschen heute mehr wechselnde Sexualpartner haben als in früheren Zeiten, dass aber die Zahl der Geschlechtsakte pro Woche, pro Jahr, pro Leben in der von Sexsymbolen wimmelnden modernen Welt abgenommen hat.
Die jüngeren Leute rasen in die Discotheken, Clubs und auf die Events, die es wie Sand am Meer gibt, rausgeputzt bis zum Anschlag, und dies gewiss nicht, um vom anderen Geschlecht oder vom Wunschpartner oder der Wunschpartnerin nicht angemacht zu werden. Schaut man sich die tägliche Realität an, wird mehr oder weniger geschickt, netter oder weniger nett, gebalzt, was das Zeug hält. Und das ist ja auch wirklich gut so.
Und das ist auch kein Phänomen, das sich auf die jungen Menschen allein beschränkt, im Gegenteil, die Attraktion der Geschlechter begleitet die Menschen bis ins höchste Alter. Menschen, die in festen Beziehungen leben, nehmen an diesem Spiel naturgemäß etwas retardierter teil, aber die heutige Gesellschaft ist auch eine Singlegesellschaft und eine Gesellschaft, die Trennung und Scheidung begünstigt. Und es ist eine Gesellschaft, die viele Substitute für Beziehung parat hält, vom Fitnessverein bis zur besten Freundin, vom Sado-Maso-Schuppen bis zum Swingerclub, Singlereisen oder Workshops, von Yoga bis Tantra.
Die Welt ist grell und laut. Und auch die schnelle Nummer, der One-Night-Stand, hat seinen anerkannten Stellenwert. Erlaubt ist, was gefällt. Das gilt mehr denn je. Und von Sex "and the City" bis Sonja Kraus und Daniela Katzenberger gilt, dass auch Frauen sich nehmen, was sie wollen.

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