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Bettina Röhl direkt

Das ZDF missbraucht seine Macht

Bettina Röhl Publizistin

Die Vorwürfe von ZDF-Moderatorin Marietta Slomka gegenüber der SPD sind inhaltlich grober Unfug. Es ist ein Paradebeispiel für den Missbrauch öffentlich-rechtlicher Medienmacht.

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Moderatorin Marietta Slomka interviewt den SPD-Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel während der ZDF-Nachrichtensendung

Was ist passiert? Da interviewt eine ZDF-Moderatorin den wahrscheinlich zweitmächtigsten Politiker der kommenden Legislaturperiode und die Republik steht Kopf. So geschehen am Donnerstag der vergangenen Woche: ZDF-Frontfrau Marietta Slomka führte ein Sieben-Minuten-Interview mit SPD-Chef Sigmar Gabriel zum bevorstehenden SPD-Mitgliederentscheid zum Koalitionsvertrag.

Von ihrer Redaktion verfassungsrechtlich aufgebrezelt, ging Slomka den gut gelaunten SPD-Boss von Beginn der Sendung recht schnippisch an. Ob es denn verfassungskonform sei, dass 470.000 SPD-Mitglieder über die Regierung der kommenden Legislaturperiode entschieden – das war der Kern von Slomkas unmotivierter Attacke. Und die ganze Nation, große Teile der Medien und auch ein paar nachkartende Verfassungsrechtler fielen auf Slomkas Manöver rein und halten ihre Fragen für rechtsrelevant.

So etwas kann passieren, wenn eine verfassungsrechtlich unbeleckte Moderatorin im Schnellkurs vor der Sendung von ihren Fachleuten getrimmt wird. Und: So etwas kann passieren, wenn ein Moderator auf einem Stuhl im Zentrum der Macht der öffentlich-rechtlichen Medien sitzt, von dem aus sein Konterfei und sein Wort wie Gottes Wort in die Nation hineingepresst werden. Die Nachrichtensendungen der Öffentlich-Rechtlichen zur Abendzeit sind quasi gesetzgebende Veranstaltungen. Sie sind eine normative Kraft außerhalb des Parlaments. Das ist, ob es einem passt oder nicht, die Realität in Deutschland.

Wer ist eigentlich Slomka? Oder wer ist Kleber, um hier nur im ZDF zu bleiben? Dass die politische Realität in Deutschland so ist, dass wenige öffentlich-rechtliche Gesichter entscheidende Weichenstellungen im politischen Geschehen vornehmen, ist der eigentliche Verfassungsskandal der öffentlich-rechtlichen Fehlkonstruktion namens ARD und ZDF.

Aufgrund der tatsächlichen Macht das politische Geschehen mindestens erheblich beeinflussen zu können und auch den demokratischen Prozess zu manipulieren, zittern nicht die wenigen Frontgesichter der öffentlich-rechtlichen Medien ängstlich vor einem Interview mit einem Spitzenpolitiker, sondern umgekehrt, die Spitzenpolitiker fürchten die unabwählbaren Front-Journalisten der öffentlich-rechtlichen Medien. Mag die Slomka mich? In welche Richtung denkt ihr Chef im Sender? Diese Fragen müssen Politiker, ob sie es wollen oder nicht, mindestens unterbewusst vor einem Interview mit den Lichtgestalten des Medienbetriebes kurz abklopfen.

Die angeblich verfassungsrechtlich wichtige Frage

Welche alten TV-Shows die Deutschen zurückwollen
Nur acht Prozent der Befragten wünschen sich die Sendung „Gut gefragt ist halb gewonnen“ aus den 60er Jahren zurück auf die Bildschirme. Bei der Sendung handelte es sich um ein 25-minütiges Ratespiel mit Hans Rosenthal, der später auch „Dalli Dalli“ moderierte.
Die „ Pyramide“ ist eine Spielshow mit Dieter Thomas Heck aus den 70er Jahren. Die Sendung wurde nach der Ratewand benannt, an der Themen pyramidenförmig angeordnet waren. Ziel war es, verschiedene Begriffe seinem Teampartner möglichst schnell mit Worten und Gesten zu umschreiben, ohne Teile des gesuchten Begriffs zu nennen. Allerdings nur 13 Prozent der Befragten könnten sich erneut für eine solche Art der Unterhaltung erwärmen. Ärgerlich nur, dass das ZDF gerade dieses offenbar nicht sehr vermisste Format ab August wiederbelebt. Quelle: dpa - picture-alliance
14 Prozent der Befragten, darunter 28 Prozent der über 60-Jährigen, wünschen dich die Sendung „Der goldene Schuss“ zurück ins Fernsehen. Dabei geht es ums das Armbrustspiel, bei dem ein Telefonkandidat dem Kameramann mit verbundenen Augen Anweisungen gibt, damit er die Zielscheibe trifft. Quelle: dpa - picture-alliance
Die Traumhochzeit mit Linda de Mol zog Mitte der 90er Jahre viele Frauen vor den heimischen Fernsehern in ihren Bann. Es sind auch vor allem Frauen, die sich die Sendung zurückwünschen (24 Prozent), Männer lässt die romantische Unterhaltung eher kalt (7 Prozent). 15 Prozent sind es insgesamt, die sagen, dass die Traumhochzeit wieder laufen sollte. Quelle: dpa - picture-alliance
„Alles oder nichts“ lief drei Jahrzehnte im deutschen Fernsehen und war eine Quizsendung, bei der sich die Kandidaten ihr Fachgebiet, in dem sie befragt wurden, selbst aussuchen konnten. Das führte dazu, dass bei den letzten Fragen das Publikum oder die Moderatoren selbst nichts mehr von der Materie verstanden. Die Sendung wurde mit Erich Helmensdorfer als Moderator bekannt, als Letzter übernahm Max Schautzer (Foto) den Job. 20 Prozent der Befragten würden diese Sendung gerne erneut sehen. Quelle: dpa - picture-alliance
„Auf Los geht's los“, in den 70-er und 80-er Jahren eine große Samstagabendshow mit Joachim Fuchsberger, würden ebenfalls 20 Prozent der Befragten wieder gerne auf dem Bildschirm sehen. Ähnlich wie „Wetten, dass...?“ fand die Show damals an wechselnden Veranstaltungsorten statt und hatte eine Menge verschiedener Spiele im Programm. Quelle: dpa - picture-alliance
„Geld oder Liebe“ war eine Spielshow mit Jürgen von der Lippe. Vom 28. September 1989 bis zum 9. Juni 2001 gab es 90 Folgen. 20 Prozent der Befragten, bei den 30- bis 44-Jährigen sind es sogar 33 Prozent, wünschen sich die Sendung zurück. Quelle: dpa - picture-alliance

Konkret saßen die beiden Gesprächspartner Slomka/Gabriel nicht einander gegenüber, sondern die Fragerin saß vor der rund 30 Millionen Euro teuren stilisierten Weltkugel des ZDF (ungefähre Kosten des neuen ZDF-Nachrichtenstudios), während ihr live zugeschalteter Interviewpartner Gabriel auf einer SPD-Veranstaltung im hessischen Hofheim, also mitten in der politischen Aktion, seine Antworten zum Besten gab. Das ist politische und mediale Realität. Mit der müssen Politiker klarkommen. Trotzdem ist es unschön, wenn in so einer Situation eine Fragerin mit ihrer sorgsam vorbereiteten Interview-Attacke auf jemanden losgeht, der, erkennbar für alle, gerade aktiv in einer ganz anderen Welt agiert.

Die Frage Slomkas, ob 470.000 SPD-Mitglieder wichtiger seien als 62 Millionen wahlberechtigte Bundesbürger und ob diese zwei Mal "wählen" dürften, ist ziemlich dämlich und es ist, um es zu wiederholen, erschütternd, wie die Nation auf so einen Unsinn fehlreagiert.

Gabriel ist voll entschuldigt, wenn er auf diesen Tenor des ganzen Interviews irritiert und sauer reagierte. Mehrfach sprach er von "Quatsch" und davon, dass Slomka ihre unsinnige Aggression aufgeben sollte. Gabriel blieb vergleichsweise souverän und kooperativ. Allerdings machte er am Ende einen fatalen Fehler, in dem er Slomka, dann doch etwas entnervt, vorwarf, gerade SPD-Schelte zu betreiben. Dann steigerte er sich in die diametral falsche Behauptung hinein, dass es nicht das erste Mal sei, dass Slomka Sozialdemokraten das Wort im Munde umgedreht hätte.

Angesichts der Tatsache, dass die öffentlich-rechtlichen Medien seit langem grün-rot-lastig sind und auch Slomka regelmäßig eher den (linken) Mainstream bedient, wirkt ein solcher Spruch einer Partei, die traditionell von den öffentlich-rechtlichen Medien eher bevorzugt wird, daneben. Trotzdem machte Gabriel die weitaus bessere Figur und hat in der Kernfrage Recht.

Zur Sache: Es ist in der Bundesrepublik üblich, dass die Parteien nach Wahlen, die keine absoluten Mehrheitsergebnisse bringen, die Koalitionsmöglichkeiten ausloten und am Ende auch Koalitionen vertraglich vereinbaren. Jedenfalls werden die entsprechenden Vereinbarungen regelmäßig als Koalitionsvertrag bezeichnet. Dabei handelt es sich, juristisch gesehen, wohl um einen Vertragstypus sui generis, der eine übliche politische Praxis ist.

Das Lehrbeispiel Heide Simonis

Die beliebtesten Moderatoren 2012
Nach dem kleinen Aussetzer im letzten Jahr hat Günther Jauch wieder den Titel als Deutschlands TV-„Über-Moderator“ erstritten. Das hat er sicher nicht zuletzt auch seiner neuen Polittalk-Sendung zu verdanken. In der Umfrage werden ihm vor allem Überzeugungskraft und Kompetenz zugeschrieben. Auch in Sachen Glaubwürdigkeit und Sympathie kann ihm aber kaum einer das Wasser reichen. Jauch schafft es zudem, sich nicht in einem Maße vor die Kamera zu drängen, dass die Zuschauer seiner überdrüssig werden. Quelle: dpa
Aufholbedarf hat Günther Jauch offenbar noch als Polittalker. Zwar holt er auch in dieser Kategorie den ersten Platz und hängte mit Sandra Maischberger die First Lady der politischen Talkrunde ab. Gegenüber beispielsweise Peter Hahne (Platz 2, links im Bild) fehlt es ihm allerdings noch an dem letzten Quäntchen Fachkompetenz. Hahne kann aber auch lebensnah talken, wie sein Gespräch mit dem „Wetten, dass...“-Unfallopfer Samuel Koch belegt. Quelle: dpa
Den dritten Platz unter den beliebtesten Polittalkern macht mit ihrer gleichnamigen Talkshow ARD-Moderatorin Anne Will (R). Und nicht nur das: Die Zuschauer wünschen sich von ihr sogar mehr Bildschirmpräsenz. Quelle: dpa
Den ersten Platz in der Kategorie „ Show-Moderation“ hat Günther Jauch sich wieder zurückgeholt, nachdem Thomas Gottschalk im letzten Jahr überraschend auftrumpfte. Er erreicht in diesem Jahr einen Score von 8,2 Punkten und lässt damit Hape Kerkeling mit einem Wert von 8,0 hinter sich. Das hat Jauch vor allem seiner Glaubwürdigkeit und Sympathie zu verdanken. Denn unter dem Gesichtspunkt „Kernkompetenz Show“ liegt Kerkeling vor ihm. Quelle: dapd
Der dritte Platz im Show-Bereich ging an Jörg Pilawa. Hinter ihm kraxelte Barbara Schöneberger von Platz fünf auf Platz vier, muss sich diesen aber mit Ex-Stefan-Raab-Sklave und „1, 2 oder 3“-Moderator Elton teilen. Quelle: dpa
Ist es sein verschmitztes Grinsen? Auch Jauchs Attraktivitäts-Wert im Mafo-Ranking ist stark gestiegen und liegt nun immerhin bei 6,4 Punkten. Bei den Befragten gilt der Moderator außerdem als besonders humorvoll und gebildet. Doch Jauch muss auch eine Niederlage einstecken. Im letzten Jahr beurteilten ihn noch mehr als 40 Prozent der Zuschauer als schlagfertig. Nur noch 30 Prozent sehen das in diesem Jahr genauso. Mit anderen Worten: Jauch darf gegenüber seinen politischen Gästen auch gern mal die verbale Keule auspacken. Quelle: dpa
Der einzige Held des Moderatoren-Rankings ist Jauch natürlich nicht. Auch Jörg Pilawa bekommt langsam wieder Oberwasser - und ist daher auch außerhalb des TV-Studios gern gesehener Gast, zum Beispiel als Werber für die Welthungerhilfe. Nachdem er im vergangenen Jahr von ARD zum ZDF wechselte, hat er sein Image wieder verbessern können. Nun machte Pilawa sogar den ersten Platz unter den Talkshow-Moderatoren. Silber geht in dieser Rubrik an Barbara Schöneberger zusammen mit Markus Lanz. Quelle: dpa

Der tiefe Fall der Heide Simonis ist noch in gutem Gedächtnis. 2005 hatte die schleswig-holsteinische SPD mit den dortigen Grünen nach der Landtagswahl im Februar einen Koalitionsvertrag abgeschlossen, aufgedopt mit einer Duldungsvereinbarung mit dem SSW (Südschleswigscher Wählerverband). Diese Dreierkoalition besaß im Kieler Landtag eine Mehrheit von einer Stimme. Die Koalitionäre probten angesichts derart knapper Mehrheitsverhältnisse naturgemäß im Vorwege, ob Simonis im Landtag denn auch alle Abgeordnetenstimmen bei der Wahl zur Ministerpräsidentin erhalten würde. Das Probeergebnis war ermutigend. Also marschierte Simonis ins Parlament, um sich zur Regierungschefin wählen zu lassen und scheiterte bekanntlich in vier Wahlgängen. Bis sie, ein Segen für Schleswig-Holstein, wutschnaubend aufgab. Was war geschehen? Die Parlamentarier hatten den von ihren Parteien ausgehandelten Koalitionsvertrag gekippt. Es kam zu einem Regierungswechsel. Ein Parlamentarier, der bis heute als unentdeckter "Heide-Mörder" bezeichnet wird, hatte von seinem Recht Gebrauch gemacht, nur seinem Gewissen und nichts als seinem Gewissen zu folgen und für sich anders zu entscheiden, als seine Partei es im Koalitionsvertrag zuvor beschlossen hatte. Ein Paradebeispiel für das perfekte Funktionieren des Grundgesetzes, welches gerade kein imperatives Mandat vorsieht.

Es mag ungewöhnlich sein, dass die Parteispitzen, die allerdings auch die Parteiprogramme, mit denen die Parteien in die Wahl gegangen sind, verantwortlich mitformuliert haben, die Koalitionsverhandlungen führen und dass nicht die Fraktionsspitzen die Koalitionsverhandlungen führen. Das ist aber durchgängige Praxis seit sechzig Jahren. Allerdings sind es, wie der Fall Simonis beispielhaft zeigt und wie auch die Verfassungswirklichkeit in diesem Land sich ohne Ausnahme darstellt, am Ende die Parlamentarier und nur die Parlamentarier, die in geheimer Wahl entscheiden, wer Bundeskanzler wird und welche Regierung ins Amt gehoben wird. Beim Spitzenpersonal gibt es im Übrigen auch viele Überschneidungen. Da ziehen eben Parteifürsten auch gern über privilegierte Listenplätze in die Parlamente ein und sind Doppelfunktionsträger, so dass viele Abgeordnete de facto auch an den von den Parteien geführten Koalitionsverhandlungen beteiligt sind.

Etwas Querulantisches

So viel verdienen die TV-Chefs
Tom Buhrow Quelle: dpa
Monika Piel Quelle: dpa
Erik Bettermann Quelle: PR
Thomas Kleist Quelle: dpa
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Dagmar reim Quelle: dpa/dpaweb
Peter Boudgoust Quelle: PR

Den in der Bundesrepublik üblichen Brauch, dass die Parteien die Koalitionsverhandlungen führen, deren Ergebnis allerdings, wie gesagt, ausschließlich von den unabhängigen deutschen Abgeordneten umgesetzt oder abgelehnt wird, jetzt plötzlich angesichts des Mitgliederentscheids der SPD zur GroKo als Verfassungsbruch oder auch nur als verfassungsrechtlich höchst problematisch einzustufen, wie Slomka es getan hat, hat etwas Querulantisches.

Daran ändert nichts, dass da auch ein paar Verfassungsrechtler, auf die sich Slomka berief, ihre Bedenken geäußert haben. Irgendwie hat da eine (zufällige) Dynamik im politischen Diskurs eingesetzt, dass man der SPD wegen ihrer Mitgliederbefragung irgendwas anflicken will. Da mischen immer ein paar Stimmen mit, die sich vielleicht auch gern mal wieder öffentlich hören lassen möchten. Im Verfassungsrecht gibt es regelmäßig eine Mehrheitsmeinung und unzählige Minderheitsmeinungen. Da geht viel.

Fakt ist: Das Votum der SPD-Basis bindet weder den Parteivorstand noch die Abgeordneten der SPD im deutschen Bundestag, jedenfalls nicht rechtlich oder gar verfassungsrechtlich. Etwas völlig anderes ist es, ob der Vorstand der SPD sich freiwillig dem Votum der Basis beugt oder ob sich die Abgeordneten der SPD bei ihrer Meinungsbildung auch vom Wunsch der eigenen Partei mit beeinflussen lassen.

60 Jahre lang hat in der Bundesrepublik niemand, auch niemand in den öffentlich-rechtlichen Medien moniert, dass die Parteien einen Koalitionsvertrag aushandeln, der dann von den Abgeordneten abgesegnet oder verworfen wird. Die Mitgliederbefragung der SPD ist nicht einmal ein Anlass, die Praxis zu hinterfragen. Im Verfassungsrecht kann man immer abstrakt diskutieren, ob etwas so oder so sein sollte. Aber die Basisentscheidung der SPD gibt für eine solche Diskussion nichts, aber auch gar nichts her. Es ist so, wie Gabriel es spontan gesagt hat. Wie eine Partei ihre Entscheidungen fällt, ist irrelevant. Hauptsache das Prinzip der innerparteilichen Demokratie ist gewahrt. Und das ist bei einer Basisbefragung zweifellos der Fall. Die Parteien stehen im Grundgesetz mit wenigen dürren Worten. Das allein ist der verfassungsrechtliche Rahmen. Das Parteiengesetz ist die konkrete, aber nur eine von vielen denkbaren Ausgestaltungen des weiten Verfassungsrahmens. Ob eine Partei die Basis oder Ortsverbandshäuptlinge oder einen Parteitag oder sonst Gremien oder auch nur den Vorstand, der ja demokratisch legitimiert ist, entscheiden lässt, ist deren Sache.

Viel heiße Luft und ein großer Klamauk

Darauf wollen Deutsche verzichten
„hart aber fair“ mit Moderator Frank PlasbergDas WDR-Urgestein hat mit seiner seit 2001 laufenden Talkshow eine feste Fangemeinde. Nur acht Prozent der im Auftrag des „Focus“ vom Meinungsforschungsinstitut Emnid befragten Deutschen würden auf Plasberg verzichten wollen. Dafür setzt sich sein montäglicher Talk durch kurze Einspielfilme, die Zuschaueranwältin Brigitte Büscher und den unaufgeregten Stil von Plasberg auch zu deutlich ab. Quelle: dpa/picture alliance
„Günther Jauch“Jeden Sonntag nach dem ARD-Krimi empfängt Jauch 60 Minuten lang unter dem Motto „Der Polittalk aus dem Herzen der Hauptstadt“ Gäste im Berliner Gasometer. Dabei ist das Thema Politik keine allzu strenge Vorgabe, auch gesellschaftliche Aspekte werden behandelt. Nur acht Prozent der Deutschen würden darauf verzichten wollen. Quelle: dpa
„Menschen bei Maischberger“ mit Moderatorin Sandra MaischbergerIm September 2003 übernahm die Münchener Journalistin den Sendeplatz von Alfred Bioleks Sendung „Boulevard Bio“ am Dienstagabend. Bei „Menschen bei Maischberger“ stehen traditionell eher gesellschaftliche Themen und Diskussionen im Vordergrund. 16 Prozent der 1006 Befragten könnten darauf verzichten. Quelle: Screenshot
„Anne Will“2007 startete der Polit-Talk unter dem Slogan „Politisch denken, persönlich fragen“ auf dem sonntäglichen Sendeplatz von Sabine Christiansen, seit Jauchs Rückkehr läuft die Sendung mittwochs um 22.45 Uhr. Anne will auf jeden Fall noch, dafür würden aber 17 Prozent der Zuschauer auf die Talkshow verzichten können. Quelle: dpa/picture alliance
„Beckmann“ mit Moderator Reinhold Beckmann (hier mit Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg) Wenn es nach den deutschen Zuschauern geht, ist das „persönliche, konzentrierte Gespräch mit prominenten und ungewöhnlichen Gästen“ ein Auslaufmodell: 21 Prozent würden die Sendung am Donnerstag - hier mit Ex-Verteidigungsminister zu Guttenberg als Gast - nicht vermissen. Quelle: NDR/Morris Mac Matzen
Kritik an der Talkshow-Schwemme im Ersten hatten zuletzt noch Bundestagspräsident Norbert Lammert und der der Rundfunkrat des Westdeutschen Rundfunks (WDR) geäußert: Die Flut von Talkshows sei problematisch für das politische Urteilsvermögen der Bevölkerung, sagte Lammert am Dienstag bei der Feier zum 60-jährigen Bestehen des Berliner Presse Clubs. „Das Format schließt aus, dass die Sachverhalte ernsthaft diskutiert werden.“ Zuvor hatte bereits die Vorsitzende des WDR-Rundfunktrats Ruth Hieronymi gefordert, die Zahl der Talkshows zu reduziern. „Der Rundfunkrat hat ja schon, als die fünf Talkshows gestartet sind, die Sorge geäußert, dass das zu viel sein könnte“, sagte sie. Diese Bedenken hätten sich bestätigt. Quelle: picture alliance / dpadpa picture alliance

Gabriel, der sicher nicht der größte Glücksfall für die Bundesrepublik Deutschland ist, hat mit seiner Vermutung womöglich Recht, dass das Beispiel der SPD die Basis informell anzuhören, auch bei anderen Parteien Schule machen könnte, was allerdings nichts zu hoffen ist. Zuviel sinnlose Basisdemokratie ist zwar eine populistische Forderung, aber eine ziemlich undurchdachte. Da werden viel zu viele sinnlose und zufällige Dynamiken erzeugt, die dann eigene Probleme schaffen und keine mehr lösen. Die SPD-Mitglieder werden sich jetzt ausschließlich dazu äußern, ob sie das Verhandlungsergebnis der GroKo mögen oder nicht. Es geht um das wirkliche Mögen und um sonst nichts.

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Rechtlich relevant ist da nichts. Insofern hat Slomka mit der völlig ausgeuferten medialen Monopolmacht der öffentlich-rechtlichen Medien viel Luft heiß gemacht und aufgewirbelt und einen großen Klamauk veranstaltet, der ihr viel Aufmerksamkeit, Kritik und auch überbordende Zustimmung eingebracht hat. Eine Bedeutung, die sie als Person nicht hat und die auch durch das Interview, das sie führte, nicht gestützt wird, das nämlich, wie Gabriel es mehrfach zutreffend feststellte, ein großer Quatsch war.

Da hatte die Heute-Redaktion ein paar Bedenken irgendwo gehört und wollte aus einer Mücke den berühmten Elefanten backen. Und dann hat das ZDF eine Front-Frau vorgeschickt, die in Wahrheit den Fall nicht verstanden hatte, sondern auf dem Niveau von Volkshochschulmissverständnissen durch das Interview führte. Das ist nicht Qualitätsjournalismus – und erneut ein Beweis dafür, dass die öffentlich-rechtlich finanzierten Medien zerlegt und privatisiert werden müssen.

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