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Bettina Röhl direkt

Winfried Kretschmann und der Bildungsplan 2015

Seite 2/5

Der Bildungsplan ist ein Angriff auf Intelligenz und Leistung

Der Bildungsplan 2015 ist ein Angriff auf die Intelligenz, die Leistung auf die Individualität des Menschen. Da kommt ein Kretschmann daher und verkündet in seiner etwa betulichen Teddyhaftigkeit, ganz den Sympathen gebend, dass die Menschen nun einmal unterschiedliche Lebensvorstellungen hätten und man sie so lassen sollte, wie sie seien. Und die Gegnern seines neuen Lehrplans, der den Schülern Baden-Württembergs sexuelle Orientierung geben soll, erklärt er, seien "religiös imprägniert".

Was Winfried Kretschmann als Landesfürst in Baden Württemberg in Sachen Bildungsplan derzeit abliefert, ist ganz typisch für jemanden, der jahrzehntelang im K-Gruppenmilieu abgesoffen ist, weshalb ein kleiner Exkurs in die Vergangenheit der Bundesrepublik, in die siebziger Jahre und in Kretschmanns eigene fanatisch geprägten Jahre notwendig erscheint, um die Diskussion um den Bildungsplan 2015 zu verstehen.

Festzuhalten ist, dass die tausenden meist studentischen K-Grüppler aus den siebziger Jahren, zu denen Kretschmann gehörte, einem religiösen, wenn auch atheistischen sektenhaft verknüpften Wahn anheimgefallen waren. Dies ist für das heutige politische Leben von enormer Bedeutung, auch wenn dies ist ein Thema ist, das von den Interessierten, sich heute gar als konservativ gebenden Renegaten, zu denen auch Kretschmann gehört, unterdrückt und verschwiegen wird. Die Verniedlichung des K-Gruppen-Irrsinns ist bei den damals "imprägnierten" Leuten natürlich ein beliebtes Spiel, nach dem Motto, damals hatten wir ein paar verrückte Minuten, aber jetzt sind wir nachhaltig die Besten, die Vernünftigsten und machen alles richtig.

Aber die alten 68er-Ideologien spielen doch gar keine Rolle mehr!

Diese K-Gruppen aus grauer Zeit spielten doch gar keine Rolle mehr? "68", so wird uns listig und aggressiv zugleich verkauft, sei schon lange tot!  Aber dann schauen wir doch mal in die damalige Realität der zumeist maoistischen K-Gruppen hinein: Mao Tse Tungs Irrlehren von der Entindividualisierung des Menschen, von der Schaffung eines neuen, von seiner Vergangenheit und seiner Persönlichkeit und auch seiner Familie und allen persönlichen Bindungen abgeschalteten Schwarm-Menschen, der sich bewusst selber in dieselbe Richtung wie alle anderen lenkt, kurz eines Brainwashed-Bürgers, der gemäß der roten Bibel genau weiß, was gut und böse ist, und welche Menschen zu ermorden sind, um die Kulturrevolution erfolgreich durchführen zu können, das war das große Ideal dieser K-Gruppen. Das war die heilige Substanz, der die K-Grüppler damals jahrzehntelang fanatisch nacheiferten, ohne ganz auf Götter zu verzichten. Einer ihrer Halbgötter war besagter Mao Tse Tung, dessen reale Geschichte bis heute hierzulande nicht erzählbar ist. Der Völkermörder Mao Tse Tung ist im Prinzip immer noch tabu, auch in dem immer noch so getan wird, dass Mao für die Revolte und den Marsch der 68er durch die Institutionen und jetzt für die Ideologisierung von oben nie eine entscheidende Rolle gespielt hätte.

Die zweite Realität der K-Grüppler war die, dass sie sich in der menschenverachtenden Technik der Selbstkritisierung und allen kommunistischen Kampftechniken verbaler und notfalls auch physischer Art von morgens bis abends beschäftigten. Auch sexuell relevante Verbote und Gebote waren in den K-Gruppen nichts Unbekanntes. Vermittels Psycho-Terror wurden die eigentlich als Freunde betrachteten K-Grüppler innerhalb der sektenartigen Strukturen fertig gemacht. Das war Dauerbeschäftigung der K-Gruppen, mit der sich die Sieger dieses Geschehens stählten und sich damit auf den gesellschaftlichen Kampf vorbereiteten, also auf die Revolution. Ja, es gibt die absoluten Loser der K-Gruppenszene. Tragische Schicksale. Kretschmann war Siegertyp und es gab zahllose dieser Siegertypen, die es bezeichnenderweise nicht im naturwissenschaftlichen Bereich, aber in Kultur, Kunst, Medien und Politikbetrieb als gute Onkels und geläuterte Renegaten in der Gesellschaft später sehr weit gebracht haben und die naturgemäß synergetisch gemeinsam schaffen.

Joschka Fischer hat der Autorin in einem Interview, das sie vor langer Zeit mit ihm führte, nämlich 1998, stolz von seinen intimen Kenntnissen dieser K-Gruppen berichtet, er selber gehörte der Sponti-K-Gruppe "Revolutionärer Kampf" an, und erzählte damals, er könnte von weitem an Diktion, Körperhaltung und Auftreten erkennen, welcher K-Gruppe wer angehörte. Die erfolgreichen Kampfmaschinen, die aus den K-Gruppen hervorgingen, die sich besonders bei den Grünen wohlfühlten und wohlfühlen, haben sich allerdings längst den Schafspelz übergezogen und so kommt es, dass ein Kretschmann zum Leidwesen seines grünen Fußvolkes schon mal damit kokettiert, ein Merkelfan zu sein.

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