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Bettina Röhl direkt

Die widersprüchliche Debatte über den Islam

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Die Antwort kam prompt

Kai Diekmann, BILD-Chefredakteur konterte noch am Abend desselben Tages in der BILD-Zeitung und BILD online und dies mit einem ausdrücklichen Hinweis auf eine Äußerung seines Chefs, dem Springerkonzernlenker und Mitaktionär Mathias Döpfner:

"Keine Pauschalurteile über den Islam (...)Für BILD und Axel Springer gab und gibt es bei all diesen Debatten eine klare, unverrückbare Trennlinie zwischen der Weltreligion des Islam und der menschenverachtenden Ideologie des Islamismus.„Wer heute gegen den Islamismus kämpft, kämpft für einen aufgeklärten, starken, gesellschaftlich selbstverständlich verankerten, erfolgreichen Islam“, so Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer. „Es ist nicht antimuslimisch gegen den Islamismus zu sein. Im Gegenteil.“In Berlin fand gestern ein gemeinsames Friedensgebet von Juden, Christen und Muslimen statt. Genau so sollte sich Religion präsentieren. Zu welchem Gott die Gläubigen dabei beten, macht keinen Unterschied, darf keinen Unterschied machen. Bei BILD und Axel Springer ist deshalb kein Raum für pauschalisierende, herabwürdigende Äußerungen gegenüber dem Islam und den Menschen, die an Allah glauben. Wer eine Religion pauschal ablehnt, der stellt sich gegen Millionen und Milliarden Menschen, die in überwältigender Mehrheit friedlich leben. Genau solche Auseinandersetzung entlang religiöser Grenzen wollen wir NICHT. Wir wollen sie nicht führen, nicht befördern und nicht herbeischreiben. Denn sie enden immer verheerend – das hat die Geschichte oft genug gezeigt!"

Diese Nationen wollen nach Deutschland
Die Krise in Südeuropa und die EU-Osterweiterung haben Deutschland die stärkste Zuwanderung seit 1995 gebracht. Rund 1,08 Millionen Menschen zogen im vergangenen Jahr zu und damit so viele wie zuletzt vor 17 Jahren. Im Vergleich zum Vorjahr betrug das Plus noch einmal 13 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Etwa 966.000 Zuwanderer waren den vorläufigen Ergebnissen zufolge Ausländer (plus 15 Prozent). Die Zahl der Zuzüge von Spätaussiedlern und deutschen Rückkehrern aus dem Ausland blieb mit rund 115.000 nahezu konstant. Quelle: dpa
Einen großen Zuwachs verbuchten die deutschen Einwohnermeldeämter aus Italien: 2012 kehrten 40 Prozent mehr Italiener ihrer Heimat den Rücken um nach Deutschland zu kommen, als noch 2011. Die Zuwanderungszahlen sagen allerdings nichts darüber aus, wie lange die Menschen bleiben. So kehrten im vergangenen Jahr auch rund 712.000 Menschen Deutschland den Rücken, das waren fünf Prozent mehr als im Vorjahr. 579.000 von ihnen hatten keinen deutschen Pass. Aus den Zu- und Fortzügen ergibt sich für das Jahr 2012 ein Einwohnergewinn von 369.000 Menschen, dies ist der höchste Wert seit 1995. Quelle: dpa
Auch aus den krisengebeutelten Ländern Portugal und Griechenland kommen immer mehr Menschen ins vergleichsweise wohlsituierte Deutschland. Aus beiden Ländern sind die Einwandererzahlen im vergangenen Jahr um 43 Prozent gestiegen. Quelle: dpa
Auch die Zahl der Spanier, die nach Deutschland auswanderten, ist 2012 um 45 Prozent angestiegen. Somit gab es im vergangenen Jahr besonders starke Zuwächse aus den südeuropäischen EU-Krisenstaaten. Drei Viertel der Ausländer, die nach Deutschland kamen, zog es in fünf Bundesländer: Das Gros ging nach Bayern (192.000), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (186.000), Baden-Württemberg (171.000), Hessen (90.000) und Niedersachsen (89.000). Quelle: dpa
Aus den osteuropäischen Ländern, die erst seit 2004 oder 2007 zur EU gehören, kamen ebenfalls mehr Menschen nach Deutschland als im Vorjahr. Besonders stark war der prozentuale Zuwachs aus Slowenien (62 Prozent). Quelle: dapd
Allerdings kamen die meisten Zuwanderer weder aus Slowenien noch aus Südeuropa. Mit 59.000 Einwanderern stellte Bulgarien die drittgrößte Gruppe. Quelle: dpa
Seit dem 1. Januar 2007 ist Rumänien ein Mitglied der EU. Die Einwohner des Landes nutzen die europaweite Freizügigkeit: 2012 kamen 116.000 Rumänen nach Deutschland. Damit machen sie die zweitgrößte Einwanderungsgruppe aus. Quelle: dpa

Warum waren die Meinungsäußerungen aus dem Hause Springer hier so umfangreich zu zitieren? Sie waren so umfangreich zu zitieren, weil die Meinungsbildung des Lesers so faktenbasiert sein soll, wie es irgend geht.

Die Meinung von Nicolaus Fest löste, für ihn sicher erwartungsgemäß, heftigste Reaktionen in den Medien und auch von Politikern aus. Tenor: der Text sei rassistisch, beleidigend und antiislamisch. Er schüre Gewalt, Aggressionen und bediente den grassierenden antimuslimischen Rassismus in Deutschland.

Und Springer wurde auch nahe gelegt seinen stellvertretenden BamS-Chef auf der Stelle rauszuschmeißen. Wer allerdings verlangt, dass Nicolaus Fest, der gewiss einen Arbeitsvertrag mit Springer abgeschlossen hat, fristlos gefeuert wird und zu diesem Kreis gehören ja auch, wenn auch verklausuliert auftretend, die Springergewaltigen selber, hätte die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn das, was Nicolaus Fest schrieb, ist gemessen an der ständigen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes zum Grundrecht der freien Meinungsäußerung, von der Verfassung ganz zweifelsfrei gedeckt. Und dann gibt es da noch den Bürger, der sich selber vielleicht gerne Citoyen nennen mag, mit Namen Joachim Gauck, der in seinem legendär gewordenen Interview aus 2010 weit über das das hinaus gegangen ist, was Fest jetzt erklärte und der im Prinzip genau das en Detail postulierte, was Nicolaus Fest nur vier Jahre später jetzt in der Bild am Sonntag als kleines Statement von aneinandergereihten Sätzen geschrieben hat.

Wer darf in Deutschland arbeiten?

Gauck vertrat vor einem Zeitraum, der kürzer ist als die Amtszeit eines Bundespräsidenten dauert, die Meinung, dass eine Mehrheit der vernünftigen Bundesbürger eine kritische Distanz zum unbekannten Islam hätten, zu einer Religion, die ihren Weg nicht durch Reformation und Aufklärung in die Moderne gefunden hätte. So darf und muss man den heutigen Bundespräsidenten in Ansehung seiner vier Jahre alten Äußerungen verstehen. Einen Bundespräsidenten kann man nicht fristlos kündigen. Das weiß man bei Springer, wo man immerhin Erfahrungen im kritischen Umgang mit Bundespräsidenten gesammelt hat.

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