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Bettina Röhl direkt

Die grüne Katastrophe

Bettina Röhl Publizistin

30 Jahre grüne Partei im Bundestag haben der Republik schwer zu gesetzt. Grün zersplittert die Gesellschaft und hat sie anfällig für paranoide Reaktionen gemacht. Nur so konnte die Naturkatastrophe in Fukushima vor zwei Jahren zu einer undurchdachten und wirren Energiewende in Deutschland führen, die allerdings von den Konservativen administriert wird.

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Die Grünen feiern 30 Jahre Bundestag. In dieser Zeit haben sie der BRD mehr Schaden als Nutzen gebracht. Quelle: dpa

Der Stern der Zeit ist grün und das ist nicht gut so. Die Grünen tragen einen wesentlichen Teil der Verantwortung dafür, dass die Gesellschaft zerfleddert, sich in Parallelgesellschaften aufspaltet, und sich unregelmäßig rhythmisch mit einer gewissen manischen Selbstzerstörung befasst oder sich an nebensächlichen Sinnlos-Themen abarbeitet.

Der wesentliche Grund für die destruktive Wirkung der Grünen liegt gewiss darin, dass sie ihre politischen Entscheidungen zumeist nicht der Sache wegen treffen, sondern aus einer sachfremden Motivlage heraus. Die Welt auf den Kopf stellen, die Realität in ihr Gegenteil verkehren, Menschen oder Gruppen von Menschen provozieren, quälen, mobben, der Teufel sein, aber den moralistischen Natur-und Menschheitsretter geben - das alles ist die grüne höchste Wahrheit.

Die Grünen sind in Durchmarschstimmung

Der 22.September 2013 kommt bestimmt. Und die Grünen sind auf eine eigenartig uneuphorische Weise in Durchmarschstimmung. Sie haben ihr Berliner Comeback vor Augen und träumen davon die eigentlichen Retter des linken Lagers zu werden. Was Peer mit einem unerschöpflichen Fettnäpfchen-Arsenal verbaselt, möchten sie mit einem entsprechenden Stimmenzuwachs gern überkompensieren. In Baden-Württemberg haben sie schließlich geschafft, was vor kurzem noch Niemand für möglich hielt. Sie haben die alte Volkspartei SPD auf die Plätze verwiesen.

Den Wahltag vor Augen und die grüne Selbstreflektierung aus Anlass ihres dreißigjährigen Bundestagsjubiläums im Ohr, ist es höchste Eisenbahn die Grünen politisch zu dekonstruieren. Das Tandem Brüderle/Rösler hat sich gerade in diesen Tagen mächtig aufgeplustert und zu einer Art Attacke gegen die Grünen mobil gemacht. Das ist hübsch, aber bisher substanzlos. Und die Aussichten einen Wähler dazu zu bewegen, FDP statt Grün zu wählen scheinen über die Null-Linie nicht groß hinaus zu kommen. Am tölpelhaftesten stellt sich jedoch die SPD an. Die schaut seit dreißig Jahren seelenruhig zu, wie sie an die Grünen verliert und verliert und verliert und verliert. Die Grünen kobern und locken die (eigentlich) nachwachsenden SPD-Wähler und die gute alte Tante SPD verhält sich gegenüber den Grünen wie in einer permanenten Schockstarre.

Die CDU kann ihr Potenzial nicht ausschöpfen

Welche Politiker die Deutschen (nicht) lieben
Angela Merkel: 65 ProzentKanzlerin Merkel baut ihren Vorsprung in der Wählergunst im ARD-Wahltrend nochmal um fünf Prozent zum Vormonat aus. Damit ist sie nicht nur die Politikerin, mit deren Arbeit die Deutschen am zufriedensten sind. Sondern sie führt als CDU-Vorsitzende auch die Partei an, die – laut aktueller Sonntagsfrage – eine unveränderte Mehrheit von 41 Prozent der Deutschen wählen würden. Bei einer Stichwahl zwischen den Kanzlerkandidaten Steinbrück und Merkel, würden 55 Prozent der Deutschen für Merkel stimmen. Im Profilvergleich mit ihrem SPD-Herausforderer schneidet sie nur beim Einsatz für soziale Gerechtigkeit schlechter ab. Quelle: dapd
Thomas de Maizière: 63 ProzentVerteidigungsminister de Maizière folgt der Kanzlerin auf den Fersen: Auch der CDU-Politiker konnte zum Vormonat nochmal fünf Prozent gutmachen. De Maizière kommt in seinem Amt als Verteidigungsminister wohl deshalb so gut an, weil er den Umbau der Bundeswehr in eine Freiwilligenarmee zügig vorantreibt. Außerdem macht er auf das Schicksal traumatisierter Soldaten aufmerksam und erklärt den pazifistischen Deutschen, warum mancher Bundeswehreinsatz doch nötig sein könnte. Quelle: dapd
Wolfgang Schäuble: 59 ProzentAuch auf dem dritten Platz der Zufriedenheitsrangliste steht ein CDU-Politiker aus dem merkelschen Ministerkabinett: Finanzminister Schäuble hat nochmal zwei Prozent mehr Zustimmung bekommen als im Dezember. Und das obwohl er als einer der prominenten Manager der Euro-Krise nicht gerade auf Beliebtheit abonniert ist: Glauben doch 70 Prozent der Deutschen, dass uns das schlimmste in der europäischen Schuldenkrise noch bevorsteht. 54 Prozent der Wähler machen sich Sorgen um ihre Ersparnisse. Quelle: REUTERS
Hannelore Kraft: 58 ProzentDer populärste Sozialdemokrat ist weder Parteiführer Gabriel noch die „Stones“, sondern die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen: Hannelore Kraft hat zum Vormonat nochmal zwei Prozent auf der Zufriedenheitsskala zugelegt. Ihre Beliebtheit gründet sich wohl vor allem darauf, dass sie nicht kühl und abgehoben und ihre Auftritte inszeniert wirken, wie bei vielen anderen Spitzenpolitikern. Sie wirkt immer noch wie die gute Freundin von nebenan – und diese Bodenständigkeit kommt an. Quelle: REUTERS
Frank-Walter Steinmeier: 51 ProzentVor noch nicht allzu langer Zeit hatte die SPD noch drei potentielle Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl im Herbst: die „Stones“, Steinbrück und Steinmeier, und den dritten im Bunde, Parteiführer Gabriel. Zum Spitzenkandidat kürte die SPD – irgendwie über Nacht – Peer Steinbrück, der inzwischen in den Beliebtheitsumfragen abstürzt. Dagegen sind die Deutschen in der aktuellen Umfrage mit Frank-Walter Steinmeier aus dem ehemaligen SPD-Triumvirat am zufriedensten, auch wenn er seit den letzten Umfragen um 5 Prozent absackte. Quelle: dapd
Jürgen Trittin: 45 ProzentDer beliebteste Grünen-Politiker im Deutschlandtrend ist Bundesfraktionsvorsitzender Jürgen Trittin mit unverändert 45 Prozent Zustimmung. Bei der aktuellen Sonntagsfrage würden 14 Prozent der Deutschen die Grünen in den Bundestag wählen, zwei Prozent mehr als noch in der Vorwoche. Quelle: dpa
Ursula von der Leyen: 44 ProzentDie Zufriedenheit mit Arbeitsministerin von der Leyen liegt unverändert bei 44 Prozent. Sie selbst geht mit dem Thema Popularität ganz pragmatisch um: “Beliebt wollte ich zu Schulzeiten sein, das sind Poesiealbumkategorien. Als Ministerin ist das für mich kein Kriterium mehr. Die Themen, die ich behandele, polarisieren, weil sie jeden angehen.” Quelle: dpa

Die Unionsparteien, die seit Bestehen der Bundesrepublik ein Potenzial zur absoluten Mehrheit haben, können dieses Potenzial schon seit langem nicht mehr ausschöpfen. Der tragische Irrtum der CDU besteht darin, dass sie ihrer großen Vorsitzenden Angela Merkel wundersame Eigenschaften zuschreibt, die Merkel nicht hat. Die Mehrheitsmeinung in der CDU geht dahin, dass Merkel, die in diesen niedlichen kleinen Umfragen die beliebteste Politikerin Deutschlands wäre, unersetzlich und ein Glücksfall für die Partei sei. Merkel garantierte ihrer Partei, so die Meinung, singulär als einzige alternativlose Frontfrau ein Wahlergebnis bei plusminus 40 Prozent. Das ist die eine Betrachtungsweise.


Die andere Betrachtungsweise, die der Realität wesentlich näher kommt, basiert auf der Erkenntnis, dass Merkel ihre Partei um zehn Prozent-Punkte von der absoluten Mehrheit runter auf 40 Prozent drückt. Eine kühne These? Immerhin: Außer Adenauer hat noch nie ein CDU-Spitzenmann eine absolute Mehrheit für seine Partei generieren können. Dennoch: die Deutschen sind mehrheitlich konservativ, aber konservative Wähler sind verunsichert und viele wissen nicht einmal, dass sie konservativ sind. Sie trauen sich nicht konservativ zu sein. Die fehlende Traute besteht allerdings nicht darin, dass sie unfähig sind sich öffentlich zum Konservativsein zu bekennen, sondern komplexerweise darin, dass sich viele konservative Menschen vor sich selbst im stillsten Kämmerlein und eben nicht nur in der Wahlkabine nicht eingestehen mögen, dass sie konservativ sind. Viele Menschen haben verlernt, was konservativ ist.

Konservativ geht eigentlich gar nicht

150 Jahre Kommunismus, Sozialismus und oft genug auch Sozialdemokratismus haben viele Menschen verunsichert. Wertezerstörung und das permanente Werteinfragestellen, ohne werthaltige Alternativen zu liefern, permanentes Besserwissen und permanentes und sehr aggressives Zurschaustellen der eigenen moralischen Überlegenheit, haben in den Köpfen der Menschen gewirkt. Im Prinzip heißt die Gleichung: links ist gut, besser, am besten. Konservativ dagegen geht eigentlich gar nicht. Konservativ ist schlecht, böse und ewig gestrig.

Konservativ heißt im Prinzip wirtschaftliche und politische Unterdrückung der großen Mehrheiten bis hin zur Inkaufnahme von Mord und Völkermord, natürlich im Herzen immer eiskalt. Der Kapitalismus der Konservativen macht Kriege. Der Sozialismus schafft Gerechtigkeit und Frieden auf Erden.

Wer möchte da schon konservativ sein? Wer ist da in den letzten sechzig Jahren nicht gern zum linken Lager konvertiert? Konservativ ist im Prinzip ein Schimpfwort. Und die Paranoia, mit der der Konservativismus immer wieder regelrecht verfolgt wurde, hat in der Tat zu einer Sinnentleerung des Konservativismus bis zur Unkenntlichkeit geführt.
Dass die Kommunisten und Sozialisten in Sachen Völkermord selbst noch die Nationalsozialismus im vergangenen Jahrhundert in den Schatten gestellt haben, ist eine bekannte Tatsache, die frei nach Stalins Propagandaschule mit der Bemerkung herunter gefahren wird, dass über irgendwelche Verbrechen Stalins doch sowieso alles bekannt und dass das Wissen über ein paar Gulags nichts Neues sei. Aber ihr Kapitalisten seid die Bösen.

Die Grünen setzen die Themen

Was Rot-Grün in NRW umsetzte
Die nordrhein-westfälische SPD-Vorsitzende Hannelore Kraft (r) und Sylvia Löhrmann von den Grünen Quelle: dpa
Grundschulklasse Quelle: dapd
KitasIm Koalitionsvertrag hatten SPD und Grüne angekündigt, schrittweise die Beitragsfreiheit einzuführen. Seit August 2011 ist das letzte Kita-Jahr vor der Einschulung kostenfrei. Bei den Plätzen für Kinder unter drei Jahren gehörte NRW auch 2011 zu den Schlusslichtern. Aktuell gibt es rund 100.000 Betreuungsplätze. Damit fehlen noch 44.000 Plätze, um bis August 2013 die angestrebte Betreuungsquote von 32 Prozent zu erreichen. Quelle: dpa
Eine Schuldenuhr vom Bund der Steuerzahler NRW Quelle: dpa
VEBA Kohlekraftwerk Scholven in Gelsenkirchen Quelle: AP
Landschaftspark in Duisburg Quelle: REUTERS
Ein Stimmzettel Quelle: dpa

Die Grünen sind im Prinzip die heutige Erscheinungsform dessen, was in den späten Fünfzigern, frühen Sechzigern als New Left, als Westlinke entstand. Luxus-Revolutionäre, die die Schwelle zur Kriminalität gelegentlich zu überschreiten bereit waren. Es waren die ersten Taschengeld-Helden mit (in Wahrheit) weniger Sex, sehr viel mehr Drugs und viel Rock'n Roll. Und einer knallharten Bewusstseinserweiterung vermittels Mao Tse Tung, Che Guevara, Ho Tschi Minh (und natürlich Marx und Marcuse) im LSD-Flug. Irrsinn über Irrsinn. Viel Gewalt, auch untereinander. Verrohung und Destruktion um ihrer selbst Willen. Das war der große Bruch im linken Lager. Die konservativen Kommunisten und die konservativen SPD-Mitglieder verstanden die Welt nicht mehr. Es war die eigentliche Geburtsstunde der Grünen, die sich dann erst 1979 formierten und 1983 das erste Mal in den Bundestag einzogen.

Total abgedrehte Kampfmaschinen, wie einst Petra Kelly oder der der Gewaltfaszination erlegene Joschka Fischer oder militante Häuserkämpfer ala Daniel Cohn-Bendit, revolutionierten die Grünen an die Macht. Sterbende Lurche, und überhaupt die im Prinzip für gottlos erachtete göttliche Natur und die große Friedensengelei und sehr früh der Kampf gegen Atomkraftwerke, Startbahn West usw. - das war die Gemengelage, mit dem die Grünen den Urknall ihres Erfolges zu Wege brachten. Ein geschlossenes Gesellschaftskonzept hatten sie nicht, das entlehnten sie rudimentär den zahlreichen kommunistisch-maoistischen Gruppen, die unter den Grünen prominent und zahlreich vertreten waren. Die Grünen griffen sich stets situativ (als "Spontis") Themen heraus, schafften es diese wichtig zu machen und aus jedem übergeordneten Kontext heraus zu lösen.

Heute resümieren die Grünen gerne selbstkritisch: wir sind die Partei gewesen, die sich in ihren Anfängen oft irrte und die Irrtümer zugelassen hat. Sie seien die Partei der größtmöglichen Pluralität und höchster innerer Demokratie, die mit ihren Themen die heutige Welt geprägt hätte. Die Grünen hätten sich damals heldenmutig und heute erfolgreich für die gesellschaftliche Akzeptanz der Schwulen, der Abtreibung, der Gleichberechtigung der Frau, für die Migration, für die Eindeutschung der Migranten, für alle möglichen Minderheiten, gegen Rassismus, und in besonderer Weise gegen Atomkraft und für den Umweltschutz eingesetzt und könnten heute den Sieg auf allen gesellschaftlichen Feldern beanspruchen. Alles letzten Endes den Konservativen abgerungen. Die Grünen sind in der Tat die mächtigste Parteigruppierung in diesem Land. Sie setzen die Themen. Die Konservativen käuen nach und wieder und laufen hinterher. Blindwütig und unargumentativ.

Aussitzerin Merkel

"Klare Verhältnisse, nur nicht klar welche"
Edmund Stoiber, CSU, ehemaliger Ministerpräsident von Bayern:„Ich weiß, was es heißt, Mutter von drei kleinen Kindern zu sein.“ Quelle: dpa
Lothar Späth, ehemaliger Ministerpräsident von Baden-Württemberg (1978-1991):„Wir haben jetzt klare Verhältnisse, aber wissen noch nicht welche.“ Quelle: dpa
Hans Eichel, ehemaliger Bundesfinanzminister (1999-2005):„Alle zehn Jahre werden die Menschen ein Jahr älter.“ Quelle: REUTERS
Roland Koch, Vorstandschef Bilfinger, ehemaliger Ministerpräsident von Hessen (1999-2010):„Die Beschilderung muss der tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeit angepasst werden.“ Quelle: dpa
Theo Waigel, ehemaliger Bundesfinanzminister (1989-1998), seit 2009 Ehrenvorsitzender der CSU:„Die Mark wird durch den Euro sicherer.“ Quelle: dpa
Rudolf Scharping, seit 2005 Vorsitzender des Bunds Deutscher Radfahrer, ehemaliger Verteidigungsminister (1998-2002) und Kanzlerkandidat (1994):"Mein ganz persönliches Herz schlägt für die Kinder im Kosovo" Quelle: REUTERS
Helmut Kohl, ehemaliger Bundeskanzler (1982-1998) und CDU-Parteivorsitzender "Ich weiß nicht, was mein Freund Mitterrand darüber denkt, aber ich denke genauso." Quelle: dpa-dpaweb

Die Aussitzerin Merkel ist zum Kopieren der grünen Vorgaben übergegangen. Das vermindert das grüne Geheul und fährt auch der grünen Propaganda in die Parade. Mehr aber nicht. Die Grünen verkaufen die Merkelsche Energiewende als ihren Erfolg, die Kanzlerin erfülle die grünen Vorgaben und dass die Kanzlerin so funktionierte, sei ein Sieg der Grünen, sozusagen über die Bande gespielt.
Der Betroffenheitsfuror, den der mutigste Bundespräsident, den diese Republik je hatte, Joachim Gauck, der inzwischen allerdings auch schon einige Male eingeknickt ist, gerade monierte, ist eine urgrüne Erfindung. Und mit der spezifischen Mischung aus sachlich gebotener Empörung und der grünen Expertise, die das Heer wohlbestallter grüner Experten täglich im Überfluss liefert, haben sich die Grünen in die komfortable Situation gebracht, dass sie vor allem das Bildungsbürgertum grün gewendet haben: Lehrer, Richter, Journalisten, Geisteswissenschaftler, Theologen, Beamte, Ärzte, viele Gruppen ticken grün und fahren so in ihrer Selbstreflexion auf ihrer ganz persönlichen Vorfahrtsstraße, die ganz selbstverständlich an das einzig wahre richtige Ziel führte. Auch die Managerkaste hat längst einen Grünstich, nicht zu verwechseln mit Umweltbewusstein.

Das Koordinatenkreuz ist grün

Das Koordinatenkreuz dieser Gesellschaft ist inzwischen grün. Es gibt also kaum noch eine realistische intellektuelle Chance das schief hängende Koordinatenkreuz gerade zu hängen, ohne mit der grünen (unsichtbaren, aber allgegenwärtigen) Mainstream-Diktatur zu kollidieren: grün ist politisch korrekt, ergo ist alles, was nicht grün ist, inkorrekt.
Wenn das bürgerliche Lager die Bundestagswahl für sich entscheiden will, was schwerer werden könnte, als gemeinhin angenommen, dann müssen sich die konservativen Parteien aus der intellektuellen Falle und dem intellektuellen grünen Würgegriff befreien. Selbst da, wo die Grünen richtige Politik machen, gerät oft alles in Schieflage und das liegt an der abwegigen Motivlage, mit der Grüne Politik machen. Das muss erkannt und in der politischen Auseinandersetzung in die Strategie eingepreist werden, um es neudeutsch zu sagen.

Ein Beispiel ist der von der Verfassung gebotene Minderheitenschutz, der bei den Grünen allzu oft ein Alibi ist, um die Gesellschaft, um die Mehrheit der Menschen zu diskreditieren, und sie so gefügig zu machen und zu manipulieren. Die Grünen sind die einzige kampagnenfähige Partei, worauf sie ja auch stolz sind. Zu recht. Doch der blinde Fleck der Grünen besteht darin, dass sie die Realität oft genug nicht erkennen und immer wieder ignorieren und dass sie der Gesellschaft ihre potemkinsche Realität als Substitut aufzwingen. Wie gesagt, die Diskurshoheit der Grünen ist beherrschend und sie ist realitätsgestaltend. Und es ist ihnen bisher noch stets gelungen über die Mangelhaftigkeit ihrer politischen Angebote oder besser ihrer politischen Imperative hinweg zu täuschen. Beispiel: Energiewende.

Das Wunder von Fukushima

Die Katastrophe von Fukushima
Luftaufnahme von Fukushima
Menschen beobachten das Drama um Fukushima im Japanischen Fernsehen
Neue Explosion im AKW Fukushima
Explosionen in Fukushima
Reaktor vor und nach der Explosion
Luftaufnahme von Fukushima
Luftaufnahme von Fukushima

Hätten die Grünen, die über die Energiewende seit Jahrzehnten angeblich nachdenken, brauchbare Rezepte entwickelt, Merkel hätte sie gewiss erfolgreich kopiert und die Republik wäre ein sauberes grünes Paradies. Die Grünen bemäkeln - und Mäkeln ist eine der Hauptsäulen der grünen Politik und Strategie - den konservativ administrierten Versuch einer Energiewende, aber sie sind realiter in erschütternder Weise naiv, ignorant und hilflos in Sachen Energie.

Seit zwei Jahren ist die Energiewende ein peinliches und kindisches Durcheinander. Statt von Schätzungen lebt das Ganze regelmäßig von Verschätzungen, fehlerhaften Annahmen, Illusionen, Schönrednerei und verschwenderischer Subventionierung von allen möglichen Ideen und Interessen.

Fukushima war das gefundene Fressen der Grünen und der grün dominierten Medien. Die Lesart in diesen Tagen, wo sich die Katastrophe von Fukushima das zweite Mal jährt, geht so: Es gab ein Seebeben, das baute einen Tsunami auf. Der krachte auf Atomkraftwerke, die explodierten und verseuchten die Umwelt radioaktiv, wodurch fast 19.000 Menschen zu Tode kamen.

Klar, diese Gleichung ist falsch. Die Naturkatastrophe, der Tsunami, tötete die knapp 19 000 Menschen und der Tsunami erzeugte den Supergau in den Atomkraftwerken von Fukushima, nämlich eine Kernschmelze. Das Wunder von Fukushima besteht darin, dass die Kernschmelze nicht nur nicht bewirkte, dass die Brennstäbe auf der anderen Seite der Erde wieder zum Vorschein kamen (China-Syndrom), sondern dass eben diese Kernschmelze sich als beherrschbarer darstellte, als von den Grünen für solche Fälle vorhergesagt. Und das eigentliche Wunder ist, dass der Supergau bisher keine Toten erzeugte.

Das eiskalte Instrumentalisieren der Todesopfer

Die Havarie der Meiler in Fukushima löste eine Umweltkatastrophe aus und soll hier nicht klein geredet werden. Nur ein eiskaltes, politisches Instrumentalisieren von 19.000 Todesopfern einer Naturkatastrophe und eines nuklearen Unfalls muss als das gegeißelt werden, was es ist, nämlich furchtbare menschenverachtende Politik.
Fukushima war ungeeignet eine Hauruck-Energiewende auf blauen Dunst hin einzuleiten. Heute exportiert die Bundesrepublik minderwertigen sprich wertlosen Windstrom, für dessen "Entsorgung" letzten Endes dieses Land noch Geld bezahlen muss, statt Geld einzunehmen. Und die Bundesrepublik importiert Strom, der nicht mehr aus deutschen Meilern stammt, sondern aus Atomkraftwerken jenseits der Grenzen vor allem jenseits der französischen Grenze. Das ist nicht der Regelfall, aber es dürfte auch nicht selten sein. Wieviel Atomstrom durch die deutschen Netze fließt, würde man als einfacher Bürger gern wissen, aber das System ist so angelegt, dass es keine Chance gibt dies zu erfahren.

Wer liebt schon Atomkraftwerke?

Kuriose Folgen der Energiewende
Schwierige Löschung von Windrad-BrändenDie schmalen, hohen Windmasten sind bei einem Brand kaum zu löschen. Deshalb lassen Feuerwehrleute sie meist kontrolliert ausbrennen – wie im April in Neukirchen bei Heiligenhafen (Schleswig-Holstein). Quelle: dpa
Tiefflughöhe steigtDie Bundeswehr hat die Höhe bei nächtlichen Tiefflügen angepasst. Wegen Windradmasten kann die Tiefflughöhe bei Bedarf um 100 Meter angehoben werden. Der Bundesverband Windenergie (BWE) begrüßt, dass dadurch Bauhöhen von bis zu 220 Meter realisiert werden können. Die Höhe des derzeit höchsten Windradtyps liegt bei etwa 200 Metern. Quelle: dpa
Dieselverbrauch durch WindräderViele neue Windkraftanlagen entstehen – ohne ans Netz angeschlossen zu sein. Solange der Netzausbau hinterherhinkt, erzeugen die Windräder keine Energie, sondern verbrauchen welche. Um die sensible Technik am Laufen zu halten, müssen Windräder bis zu ihrem Netzanschluss mit Diesel betrieben werden. Das plant etwa RWE bei seinem im noch im Bau befindlichen Offshore-Windpark „Nordsee Ost“. Quelle: AP
Stromschläge für FeuerwehrleuteSolarzellen lassen sich meist nicht komplett ausschalten. Solange Licht auf sie fällt, produzieren sie auch Strom. Bei einem Brand droht Feuerwehrleuten ein Stromschlag, wenn sie ihren Wasserstrahl auf beschädigte Solarzellen oder Kabel halten. Diese Gefahr droht nicht, wenn die Feuerwehrleute aus sicherer Entfernung den Wasserstrahl auf ein Haus richten – aber, wenn sie dabei ins Haus oder aufs Dach gehen. Stromschlagsgefahr gibt es ebenso für Feuerwehrleute, wenn sie nach einem Straßenunfall Personen aus einem beschädigten Elektroauto bergen müssen. Quelle: AP
Störende SchattenWindräder werfen Schatten – manche Anwohner sehen darin eine „unzumutbare optische Bedrängung“, wie es das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen ausdrückte. Es gab einer Klage recht, die gegen ein Windrad in Bochum gerichtet war. Im Februar wies das Bundesverwaltungsgericht die Revision des Investors ab. Das Windrad wird nun gesprengt. Quelle: dpa
Gestörte NavigationAuf hoher See wird es voll. Windparks steigern nicht nur das Kollisionsrisiko mit Schiffen. Die Rotoren stören auch das Radarsystem. Der Deutsche Nautische Verein schlägt daher vor, dass Windparks nur genehmigt werden, wenn die Betreiber auch neue Radaranlagen an den Masten installieren. Quelle: dapd
Windrad-LärmWindräder drehen sich nicht nur, dabei machen sie auch Geräusche. Je stärker der Wind, desto lauter das Windrad – und das wollen viele Bürgerinitiativen nicht hinnehmen. Ein Beschwerdeführer aus dem westfälischen Warendorf erreichte im September 2011 vorm Verwaltungsgericht Münster zumindest, dass eine Windkraftanlage nachts zwischen 22 und 6 Uhr abgeschaltet wird. Quelle: dpa

Eine chaotische Energiewende, deren Kosten für die deutsche Wirtschaft und deren Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft durchaus erheblich sein wird, ist bei realistischer Betrachtungsweise kein Glanzstück grüner Politik oder grüner Diskurshoheit. Die Bürger sind weichgespült und akzeptieren die Mehrkosten der Energiewende. Noch. Warum, fragt man sich, schweigen die Protagonisten des konservativen Lagers. Warum sitzen sie nur aus? Warum greifen sie politisch nicht an? Warum erklären sie den Bürgern ihre Politik nicht? Warum lassen sie sich politisch immer in die Defensive drängen? Und warum fahren sie keine Kampagnen grünen Unsinn zu dekuvrieren.

Die Energiewende und der Sand im Getriebe

Hier soll nicht verschwiegen werden, dass es bei den Grünen einen Umbruch gibt; ein junger kapitalistisch orientierter smarter karriereristischer Bürgertypus, der die grünen Wurzeln kaum noch kennt und sich noch weniger für sie interessiert, nutzt die grüne Plattform für seine eigenen Interessen. Für diesen Typus ist grün vor allem Attitüde, Stallgeruch und Schick. Aber die Schwerkraft der grünen Partei und der Druck der altgrünen Erblasser auf die Jüngeren ihr Werk fortzuführen, sollte man nicht unterschätzen. Noch ist grün ein Lebensgefühl, das zieht. Das anzieht und dem alle anderen Parteien nichts entgegensetzen.

Konservative Stammwähler nicht vergraulen?

Es heißt, man sollte die konservativen Stammwähler nicht vergraulen. Doch die rot-grünen Attacken der letzten Jahrzehnte haben einen Zustimmungsverlust der konservativen Parteien verursacht, der mit einem Vergraulen durch die eigene Partei gar nichts zu tun hat. Die Frage, warum sollte man konservativ sein, wird von den konservativen Parteien gemieden, wie der Teufel das Weihwasser meidet und eine Antwort haben sie erst recht nicht parat. Es gibt keine ideelle Bindungswirkung. Eine solche Bindungswirkung haben die Grünen allerdings in ihren eigenen Reihen mit den irrsinnigsten Ideen und den abwegigsten Taten in den letzten Jahren anschwellend und im Überfluss generieren und aufbauen können.
Tatsächlich sind die Grünen intern schwächer denn je und sie verfügen weniger als früher über charismatisch wirkende Leitwölfe. Die altvorderen Altgrünen schwelgen heute unter sich und oft auch provokant öffentlich, wie viele Fehler und wie viele Verrücktheiten sie gleichwohl erfolgreich produziert hätten. Die Konservativen nehmen all dies staunend zur Kenntnis und sagen, dass sie das alles schon immer gewusst hätten, aber sie machen nichts draus.

Der grüne Saldo ist eher negativ

Die größten Naturkatastrophen der letzten Jahre
HagupitTaifun „Hagupit“ tobt mit heftigen Winden und starken Regenfällen auf den Philippinen. Nur quälend langsam zieht der Sturm Richtung Westen und hinterlässt im Durchzugsgebiet erhebliche Zerstörung. Millionen Menschen waren ohne Strom. Nach einer ersten Bilanz der Katastrophenbehörden machten sich die Massenevakuierungen aber bezahlt. Allerdings sei eine Frau in Catarman auf der Insel Samar ertrunken, teilten sie mit. Zwei weitere Todesopfer wurden gemeldet, diese hatten aber nicht unmittelbar mit dem Taifun zu tun. Unter ihnen war ein Mädchen, das nach hohem Fieber in einem Notaufnahmelager starb. Zwei Menschen seien verletzt worden, als ein Baum auf ihr Moped stürzte. „Hagupit“ war in der Nacht zu Sonntag (Ortszeit) bei Dolores in Samar an Land gekommen. Quelle: dpa
HaiyanRund 110 Kilometer südlich bei Guiuan war Taifun „Haiyan“ am 8. November 2013 angekommen und hatte bei der Überquerung des Inselstaates in einer mehr als 100 Kilometer breiten Schneise schwere Verwüstungen angerichtet. 6300 Tote und fast 1000 Vermisste ließ der Sturm zurück. Nach „Haiyan“ hatten Zehntausende Überlebende tagelang vergeblich auf Hilfe gewartet. Quelle: AP
Zyklon EvanDer Zyklon Evan hat im Dezember 2012 im pazifischen Inselstaat Samoa Zerstörungen angerichtet. Sturmböen und starker Regen peitschten nach Angaben von Augenzeugen den ganzen Freitag über die Hauptstadt Apia. Dort hatte Evan innerhalb von 24 Stunden Hunderte Bäume entwurzelt und Strommasten umgerissen. Drei Menschen kamen Medienberichten zufolge ums Leben. Zwei von ihnen sind Kinder, die ein reißender Strom fortriss. Quelle: dapd
Hurrican SandyDer Wirbelsturm Sandy tobt im Oktober 2012 über den Osten der USA. Etliche Gebäude wurden zerstört, zwischenzeitlich viel in großen Teilen für mehrere Tage der Strom aus. Etwa 120 Menschen kamen ums Leben. Quelle: dapd
März 2011: Das schwerste Erdbeben in der Geschichte Japans und ein Tsunami haben Zerstörungen unabsehbaren Ausmaßes angerichtet. Experten sprechen bei dem Erdbeben, das mit einer Stärke von 8,9 das Land erschütterte, von einem der stärksten seit Menschengedenken. Das japanische Erdbeben ist jüngste Naturkatastrophe der vergangenen zehn Jahre. In Chile, Haiti, China, Indien und Pakistan kosteten Beben und Flutwellen immer wieder unzählige Menschenleben Quelle: dpa
August 2011: Während des heißen Sommers brennen in Russland große Flächen auf dem Land. Zwischenzeitlich brachen über 250 neue Feuer an nur einem Tag aus, 174.000 Hektar brannten nieder. Quelle: dpa
Erst kürzlich am 22. Februar 2011 erschütterte ein Erdbeben in der zweitgrößten neuseeländischen Stadt Christchurch die Erde. Etwa 10.000 Häuser sind nach dem Beben abbruchreif, 100.000 weitere beschädigt. Bislang wurden 166 Tote geborgen. Quelle: dpa

Die Notstandgesetze von 1968 haben nach vierzig Jahren einen grünen Ministerpräsidenten, aber keinen zweiten Hitler gebracht. Der Wald ist nicht gestorben, der Frankfurter Flughafen hat Flora und Fauna nicht vernichtet, die pädophilen Verirrungen der Grünen sind peinlich, aber vergessen, man wollte nur provozieren. Und die aktuellen pädagogischen Konzepte der Grün-Roten, die das Bildungssystem massakrieren und ideologisch verzerren, sind eine neue Zeche, die die heutigen Schüler, die Lerndefizite verkraften müssen und die in ideologische Verblendungen hinein getrieben werden, dann als Erwachsene in zwanzig oder dreißig Jahren zahlen müssen, wenn die heutigen Fanatiker von der Bühne abgetreten und vergessen sind.
Merkwürdig: es gibt so viele vernünftige, sympathische und nette Grüne, dass es Wunder nimmt, dass die Partei meistens ein eher scharfmacherisches Führungspersonal bestimmt.

Die demokratische Katastrophe dieser Zeit

Wie schön könnte die Welt sein, wenn die Gesellschaft den grünen Irrsinn abschütteln könnte. Hilfreich wäre gewiss, wenn der politische Gegner, sprich das konservative Lager, den Mythos, das die Welt vor dreißig Jahren ohne die Grünen stehen geblieben wäre und dass der von ihnen aufgegriffene ökologische Zeitgeist ohne die Grünen nicht hätte wirken können und dass emanzipatorische Entwicklungen ohne die Grünen nicht Platz gegriffen hätten, zerstören würde. Der grüne Saldo aus positiven und negativen Wirkungen für die Gesellschaft ist eher negativ als positiv.

In Arbeit
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Die demokratische Katastrophe dieser Zeit besteht darin, dass die Diskurshoheit der Grünen auch die Hoheit der Bewertung ihrer selbst einschließt. Die Grünen diktieren, was die Gesellschaft von ihnen zu halten hat, was die Gesellschaft ihnen verdankte. Und da die vierte Gewalt in Gestalt der Medien mehrheitlich grün fühlt, ist der gesamte öffentliche Diskurs zu einem gewissen Grad eine grüne Gespensterveranstaltung. Der intellektuelle Horizont dieser Gesellschaft ist grün verengt. Das ist der "grüne Star" dieser Gesellschaft.

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