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Bettina Röhl direkt

Winfried Kretschmann und der Bildungsplan 2015

Seite 3/5

Die posttraumatischen Störungen eines Winfried K.

Heute ist der K-Gruppenmensch Kretschmann, an dem sich prototypisch vieles über die 68er im Allgemeinen ablesen lässt, ganz oben angekommen, und dies ganz ohne die früher propagierte und geübte Revolution. Und er ist nicht allein. "68" ist eine große Mitläufersekte gewesen und hat viele Post-68er-Nachläufergenerationen hervorgebracht. Trotzdem sind die eigenen "Träume" der damaligen Extremisten bis heute nicht wahr geworden. Denn das Land, das Volk, lebt noch gerade so, als sei nichts geschehen. Viele 68er-Mitläufer sind in den früheren Schoß der Gesellschaft, die sie früher bekämpft haben, zurück gekehrt. Immer noch sind Millionen von Menschen nicht "bekehrt". Immer noch ist der neue Mensch, den Mao Tse Tung einst ausrief, natürlich in der leicht modernisierten Form des Jahres 2014, nicht verwirklicht.

Es war eine schmerzhafte traumatisierende Erfahrung für fast alle "68er" und speziell für deren "Eliten", dass restlos alles, was sie sich als pop-und drogenkulturelle Weltverbesserer auf die Fahnen geschrieben hatten, undurchdachter Blödsinn war. Und dass sich fast alles, von der hemmungslosen Kinderladenerziehung bis hin zu sexuellen Missbrauchsexzessen, vom alternativen Landleben, Stichwort 'zurück zur Natur', vom Kollektivismus, der die Wirtschaft revolutionieren sollte, von Radikal-Feminismus, vom Enteignungswahn bis hin zu Revolution und Terror (durch ihre RAF-Lieblinge) als katastrophaler Irrweg heraus stellte.

Die Autorin ist im Jahr 1997 vom Bundestagspräsident Lammert mit den Gedanken zitiert worden, dass die Welt heute ohne den Einfluss der 68er um Klassen besser dastünde. Auch Lammert selber schien den Gedanken ganz unerhört zu finden. Schließlich ist inzwischen allen Menschen in der Republik eingebläut worden, dass die 68er uns alle befreit und die Gesellschaft demokratisiert hätten.

Zurück zu den K-Grüpplern. Es ist weltfremd, davon auszugehen, dass es auch nur einen unter ihnen gibt, der nicht schwer traumatisiert aus dieser Phase seiner Vergangenheit raus gekommen ist. Allein die Tatsache, dass so viele dem Völkermörder Mao Tse Tung und vielen anderen Massenmördern hinterher gelaufen sind und dass sie im Westen alles zerstören wollten, was den Westen ausmacht, nagt an den Seelen dieser Menschen, die längst "rechts" im Wohlstand leben und alle Vorzüge des Rechtsstaates und der Gesellschaft in vollen Zügen genießen.

Die 68er-Luxusgeneration, bestens alimentiert, läuft mit den gütig besserwisserisch herunter gezogenen Mundwinkeln herum, genießt und kritisiert, was sie nur kann und hat ihre Traumata durch die Machtübernahme im Staat, also durch ihren Erfolg, sozialisiert und damit scheinbar überwunden. Posttraumatische Störungen werden jedoch schnell sichtbar, wenn sich äußere Gelegenheiten ergeben, dass doch noch irgendwelche Ideale aus dem Konglomerat der damaligen Vorstellungswelt gerettet oder durchgesetzt werden können. Und hier kommt der rot-grüne Bildungsplan in Baden-Württemberg ins Spiel.

Der multistrategische Ansatz der 68er

Der Bildungsplan 2015 ist so ein Machwerk, wo K-Gruppen-Opas Augen nochmal träumen. Frei nach dem Motto: "Dass ich das noch erleben durfte". Man sollte, was die Bildungspolitik anbelangt, den multistrategischen Ansatz der 68er nicht außer Acht lassen. Erste Bürgerpflicht war Revolution a la Marx, also Enteignung von Produktionsmitteln, Grund und Boden und Kapital durch Revolution. Zweite Bürgerpflicht war der lange Marsch durch die Institutionen bis zur Machtübernahme aller bzw. vieler strategisch wichtiger Positionen. Die dritte Bürgerpflicht ist es, einmal oben angekommen, die Segnungen des neuen Menschen nunmehr von oben nach unten zu administrieren und nachhaltig zu machen. Klar, die 68er als Generation wachsen allmählich aus der Gesellschaft heraus. Konkret sind viele sogenannte 68er-Lehrer inzwischen in Pension gegangen. Es müssen also Bildungspläne, Gesetze, Regelwerke her, die ihr Werk, ihre Ideologie erhalten und nachhaltig zementieren.

Eine der vielen Nebenschienen war von Anbeginn die Unterwanderung, die Zersetzung und Übernahme des Bildungswesens durch 68er, die über Lehrermacht den neuen Menschen in der nächsten Generation generieren wollten. Kein Wunder, dass die Lehrergewerkschaft GEW notorisch, sagen wir mal, linksradikal zersetzt war, und nicht wenige DKP-Mitglieder, Ex-K-Grüppler und Hardcore-68er dort seit vierzig Jahren ihr Unwesen getrieben haben und teilweise noch treiben. Diese erfolgreiche Übernahme der Hoheit in den sogenannten geisteswissenschaftlichen Fächern, der Bildungspolitik, der Lehrerbildung in Schule und Universität, ist seit vierzig Jahren das Werk der großen Masse der 68er-Marschierer durch die Institutionen.

Doch jetzt soll die neo-maoistische Bildungspolitik in Beton gegossen werden und das nicht etwa durch einen demokratischen Prozess oder Aufklärung aller, die die Zukunft der heute ausgebildeten Menschen etwas angeht. Nicht basisdemokratisch, sachorientiert und in freier Rede, sondern durch klammheimliche interne Bildungsverordnungen, wie sie der Bildungsplan 2015 in Baden-Württemberg darstellt. Die 68er-Denke wird zur Staatsideologie erhoben, und dies als reine neue "Wissenschaft". Die historischen Wurzeln werden gekappt, es ist nicht mehr die Rede von 68ern oder gar von Mao Tse Tung, sondern es gibt die richtige, allein menschliche und allein seligmachende Lehre, die von oben verordnet wird. Und den Kindern wird Alternativlosigkeit vorgegaukelt. Alles andere wäre reaktionär, faschistisch, rassistisch, homophob, fundamentalistisch, religiös usw.

Man könnte natürlich fragen: Warum also nicht die eine richtige Lehre lehren, wenn es nur die eine richtige Lehre gäbe, die gefunden zu haben der Bildungsplan jetzt vorgibt?

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