Bettina Röhl direkt

Die widersprüchliche Debatte über den Islam

Bettina Röhl Publizistin

Einige Medien haben eine weitere Debatte über den Islam, Islamismus und die Meinungsfreiheit in Deutschland ausgelöst. Jede grundgesetzkonforme Religion gehört zu Deutschland - Religionskritik aber auch.

Vor diesen Problemen stehen die Zuwanderer
Teilnehmer eines Kurses
Eine Asylbewerberin wartet in der Zentralen Aufnahmeeinrichtung in Berlin Quelle: dpa
Eine Frau sitzt in einem Flüchtlingsheim in einem Zimmer Quelle: dpa
Ein Flüchtling sitzt vor einer Gemeinschaftsunterkunft der Asylbewerber Quelle: dpa
Verschiedene Lebensmittel liegen in der Asylunterkunft in Böbrach (Bayern) in Körben Quelle: dpa

Nein, der Islam gehört nicht zu Deutschland. Mit diesem Credo tat sich der seit zwei Jahren amtierende Bundespräsident Joachim Gauck, bald nach seiner Amtsübernahme hervor und er tat dies in erklärtem Widerspruch zu seinem Amtsvorgänger Christian Wulff, der anlässlich der 20.Jubiläumsfeier der deutschen Einheit den Satz "Der Islam gehört zu Deutschland" gesprochen hatte. Laut Gauck handelte es sich historisch um eine viel zu kurze Zeit, als dass der Satz seines Vorgängers zutreffen könnte. Gauck hob darauf ab, dass die Menschen islamischen Glaubens, die hierzulande lebten, zu Deutschland gehörten, aber nicht der Islam selbst zu Deutschland gehöre. Er, Gauck, sähe nicht, wo der Islam Einfluss auf die europäische Geschichte, insbesondere auf die Aufklärung oder auf die Reformation gehabt hätte.

Wenn sich zwei aufeinander folgende Bundespräsidenten, die beide der politischen Korrektheit eng verbunden erscheinen, so essentiell widersprechen, dann scheint das Thema in diesem, unseren Land gesellschaftlich-politisch gesehen, ein noch recht unausgegorener Gegenstand zu sein. Beide Präsidenten standen irgendwie unter Strom, als sie die zitierten Sätze und Gedanken öffentlich machten und beide äußerten sich ziemlich zu Beginn ihrer Amtszeit, die im Falle Wulffs dann ziemlich schnell anderweitig beendet wurde.

Ausländer in Deutschland

Jetzt zeigten die BILD-Zeitung und Springer, was sie drauf haben. Der stellvertretende Bams-Chefredakteur Nicolaus Fest eröffnete die Runde am vergangenen Sonntag, in dem er in der BamS den Islam als Integrationshemmnis mit diesem Worten beschrieb:

 "Nur der Islam stört mich immer mehr. Mich stört die weit überproportionale Kriminalität von Jugendlichen mit muslimischem Hintergrund. Mich stört die totschlagbereite Verachtung des Islam für Frauen und Homosexuelle. Mich stören Zwangsheiraten, „Friedensrichter“, „Ehrenmorde“. Und antisemitische Pogrome stören mich mehr, als halbwegs zivilisierte Worte hergeben. Nun frage ich mich: Ist Religion ein Integrationshindernis? Mein Eindruck: nicht immer. Aber beim Islam wohl ja. Das sollte man bei Asyl und Zuwanderung ausdrücklich berücksichtigen! Ich brauche keinen importierten Rassismus, und wofür der Islam sonst noch steht, brauche ich auch nicht."

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