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Bettina Röhl direkt

Frank Schirrmacher - der Aufreger

Seite 2/5

Du, Babyboomer wirst steinalt

Schirrmacher warnt, beschwört und droht: Du, Babyboomer, wirst steinalt, du wirst Dich seelisch verkümmert um die immer rarer werdenden Pflegeplätze im Altersheim streiten, um Rente und Krankenversicherung betteln und  du wirst Kontakten zu jungen Menschen hinterherkriechen. Schirrmacher zitiert den Soziologen Peter Schimany und spricht von einem "historisch neuen Knappheitsverhältnis" was die Zahl der Enkel angeht: "Es wird noch Großeltern geben, aber viel weniger Enkel(...)in dem es zu einem Mangel an Verwandten überhaupt, insbesondere aber zu einem Verschwinden der Enkel kommt."

Das sind die Giganten der Medienwelt
Fernsehsender, Zeitungen, Kinostudios: Medien sind ein Milliardengeschäft – im Bild eine Szene aus dem aktuellen Film „Spider-Man“. Auf Basis der Erlöse des Jahres 2013 hat Lutz Hachmeister, Direktor des Berliner Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik, ein Ranking der 50 größten Medienunternehmen der Welt erstellt. Wir zeigen die Top 10. Quelle: AP
Platz 10: Cox EnterprisesMit fast 12 Milliarden Euro Umsatz zählt Cox Enterprises zu den zehn größten Unternehmen der Branche. Das Hauptquartier liegt in Atlanta (Georgia). Der Konzern gehört fast vollständig der Familie Cox beziehungsweise Kennedy und beherbergt unter anderem 17 Tages- und 25 Wochenzeitungen sowie 15 regionale Fernsehsender. Quelle: Handelsblatt Online
Platz 9: BertelsmannBertelsmann ist der größte deutsche Medienkonzern, auch dank der RTL-Gruppe mit ihren Fernsehsendern. Weltweit rangiert der Konzern auf Rang 9, mit einem Umsatz von 16,4 Milliarden Euro. Vorstandschef Thomas Rabe will die Erlöse bis 2016, spätestens aber bis 2017 auf 20 Milliarden Euro steigern. Quelle: dpa
Platz 8: Sony Entertainment Der japanische Elektronikkonzern befindet sich weiterhin in der Krise. Der Umsatz stieg zwar zuletzt um 14,3 Prozent auf 7,77 Billionen Yen (54,8 Mrd. Euro am Stichtag 31. März), das Plus resultierte aber größtenteils aus Währungseffekten: Bei konstanten Kursen wäre der Erlös um zwei Prozent gesunken. Der operative Gewinn sank um fast 90 Prozent auf 26,5 Milliarden Yen (187 Millionen Euro), unterm Strich steht ein Verlust von 128,4 Milliarden Yen (903 Millionen Euro) – der sechste in sieben Jahren. Quelle: AP
Platz 8: Sony Entertainment Der japanische Elektronikkonzern Sony ist in vielen Sparten aktiv: Er hat ein Filmstudio, baut Fernseher und Audiogeräte, hat aber auch die Spielkonsole Playstation im Angebot – im Bild eine Brille, die Spiele in einer virtuellen Realität ermöglicht. Allerdings tut sich das Traditionsunternehmen schwer. Der Umsatz stieg zwar zuletzt um 14,3 Prozent auf 7,77 Billionen Yen (54,8 Mrd. Euro am Stichtag 31. März), das Plus resultierte aber größtenteils aus Währungseffekten, bei konstanten Kursen wäre der Erlös um zwei Prozent gesunken. Der operative Gewinn sank um fast 90 Prozent auf 26,5 Milliarden Yen (187 Millionen Euro), unterm Strich steht ein Verlust von 128,4 Milliarden Yen (903 Millionen Euro) – der sechste in sieben Jahren. Quelle: AP
Platz 7: Viacom CBSDer US-Medienkonzern Viacom CBS, Mutter der Fernsehsender MTV, Nickelodeon und des Hollywood-Filmstudios Paramount, verbuchte im vergangenen Jahr einen Umsatz 21,894 Milliarden Euro – Rang sieben. Der Hauptsitz ist der Broadway in New York City. Quelle: AP
Platz 6: Time WarnerUnter dem Dach von Time Warner sind diverse Medienunternehmen versammelt – etwa der Bezahlsender HBO, der derzeit mit der Serie „Game of Thrones“ für Furore sorgt. Auch das Verlagshaus Time Inc., die Filmproduktionen New Line Cinema und Warner Bros. Entertainment sowie die TV-Kette Turner zählen zum früheren Branchenprimus. 2009 gliederte das Unternehmen den Kabelnetzbetreiber Time Warner Cable Inc. aus und zog zudem einen Schlussstrich unter die erfolglose Fusion mit AOL. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr umgerechnet 22,4 Milliarden Euro. Quelle: AP

Schirrmacher präsentiert all diese Weisheiten, als hätte er eine Erfindung, die Ihresgleichen sucht gemacht, wenn er anlässlich seiner Promotion-Tour zu seinem Methusalem-Komplex dem staunenden Volk verkündete: Du, Babyboomer wirst eine Million Stunden leben, du wirst ein Stundenmillionär sein, das sind 114 Jahre und davon wirst Du die letzte Hälfte qualvoll, ehrlos und würdelos dahin siechen. Und grausam prophezeit Schirrmacher: "Uns wird die Paranoia der reichen Erblasser befallen, weil wir nichts anderes zu vererben haben als die Befreiung der Erde von unserer Existenz. In den Mienen und im Augenspiel der wenigen Jungen lesen wir das Urteil oder den Vorwurf, die Hoffnung oder Frage, in jedem Fall die Erinnerung an unser großartiges Versprechen: warum seid ihr nicht tot?" Und er bedroht den potenziellen Leser weiter: "Aber die Uhr tickt und die Babyboomer nähern sich der Pensionierung...Bisher glaubte man, dass die ersten Boomer im Jahre 2011 in den Ruhestand treten, und die Alterswelle uns dann erst erreicht. Heute ist die Annahme realistischer, dass die erste Welle uns bereits im Jahre 2008 trifft (...). Verkündet Schirrmacher hier de facto das unausweichliche Ende Deutschlands, fünf Jahre vor Sarrazin?

Verkündete Schirrmacher das unausweichliche Ende Deutschlands?

Hemmungslose Scharlatanerie, eine gute Portion Clowneske und eine geschickte Sozialisierung eigener Altersängste des damals 45-jährigen Schirrmachers, der zu jeder Psychologisiererei jeder Zeit bereit war, könnte die Haupttriebfeder Schirrmachers gewesen sein sich mit seinem höchst persönlichen Methusalem-Komplex höchste Aufmerksamkeit und etwas vergoldete Perspektiven für die eigene Zukunft zu sichern. Gleichzeitig empfiehlt Schirrmacher seinen Lesern irgendeine ominöse Revolution, eine Art Mitmachspiel, dies allerdings nach seinen Regeln, die auf eine sehr esoterische Art in irgendein Nirwana führen.

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